Alarm, das Hochmoor brennt!
In einer ausflugsfreudigen Familie aufzuwachsen, hatte Schattenseiten. Zu Hause zu bleiben, war verboten, jedenfalls solange man noch klein war. Andererseits war das Herumspazieren in allerlei Gegenden auch nicht ganz schlecht, schließlich endete es meist mit Besuchen von Restaurants, die mit etwas Glück über benachbarte Bäche verfügten, in die während ausgedehnter Grabungsarbeiten hineinzufallen sich durchaus lohnte. Besonders toll versprachen Ausflüge ins Hohe Venn an der deutsch-belgisch-luxemburgischen Grenze, genauer nach Baraque Michel, zu werden. Das Hochmoor wimmelte nur so vor interessanten Geschichten, nicht immer trittsicheren Holzbrückchen und vielen Möglichkeiten, sich zu verirren und dann so tragisch zu enden wie das junge Liebespaar, das sich dort 1871 im Schneesturm verirrt hatte. Das Glockentürmchen, das zur Warnung von Wanderern vor Schlechtwetter gebaut worden war, gab es zwar schon, aber die beiden waren wohl zu weit entfernt, um die Nebelglocke zu hören.
Spazierengehen in der Gegend um Baraque Michel war ansonsten ein großer Spaß, irgendwer landete immer im Moor, weswegen die Erwachsenen große Mengen Ersatzkleidung mit sich herumschleppten, und irgendwer ging immer verloren, aber meistens nicht lange.
Spazierengehen in der Gegend um Baraque Michel war ansonsten ein großer Spaß, irgendwer landete immer im Moor, weswegen die Erwachsenen große Mengen Ersatzkleidung mit sich herumschleppten, und irgendwer ging immer verloren, aber meistens nicht lange. Und danach gab es Apfeltarte oder Reisfladen im Wirtshaus, das ursprünglich als Station für vom Wetter Überraschte konzipiert worden war, und dann läutete man sicherheitshalber die Warnglocke, denn dass hier gerade kein Nebel aufgezogen war, hieß ja nicht, dass das auch ein paar Hundert Meter weiter weg so sein musste.
Vielleicht war das damals auch der letzte Besuch in Baraque Michel, denn das Hochmoor brennt seit Tagen und die Herberge ist gefährdet. Die Region tut, was sie kann, um zu helfen, Milch- und Gülle-Tankwagen holen für die Feuerwehren Wasser aus den Talsperren der Gegend, Freiwillige kochen Essen für die Helfer. Es wird gleichwohl ein anderes Venn sein, in dem die Menschen aus dem Dreiländereck im Herbst spazieren gehen. Aber der Nebel wird weiterhin verlässlich dann aufziehen, wenn niemand damit rechnet. Immerhin das.