20.08.2026
Von Donald Trump begnadigter Narco-Präsident kehrt nach Honduras zurück

Der Narco-Präsident kehrt zurück

Begnadigt von US-Präsident Donald Trump kehrt der ehemalige Präsident von Honduras, Juan Orlando Hernández, in das Land zurück, das er dem Urteil eines Gerichts in Manhattan zufolge in den Dreh- und Angelpunkt des Kokainhandels zwischen Lateinamerika und den USA verwandelt hatte.

Juan Orlando Hernández hat sich Zeit gelassen mit seiner Rückkehr nach Tegucigalpa, der Hauptstadt von Honduras. Formal wurde der in den USA inhaftierte ehemalige honduranische Präsident (2014–2022) am 1. Dezember 2025 durch US-Präsident Donald Trump vollumfänglich begnadigt. Der argumentiert, dass der Prozess gegen den erzkonservativen Politiker aus Honduras unfair verlaufen sei. Die über Wochen laufende Verhandlung vor einem Gericht in Manhattan hatte etliche Beweise dafür zu Tage gefördert, dass Hernández seine Position als Präsident genutzt hatte, um staatliche Ressourcen, Polizei und Militär in den Dienst von Drogenkartellen wie dem Sinaloa-Kartell aus Mexiko zu stellen. Im März 2024 wurde Hernández für den Schmuggel von 350 Tonnen Kokain in die USA zu 45 Jahren Haft verurteilt, von denen er ungefähr 19 Monate in einem Gefängnis in West Virginia verbüßte.

Seine Begnadigung ist für den honduranischen Menschenrechtler Joaquín Mejía nicht nachvollziehbar: »Juan Orlando Hernández war für mich der Kopf jenes korrupten Drogennetzwerkes, das den Weg über Honduras zwischen 2014 und 2022 zur wichtigen Kokainexportroute in die USA gemacht hat. Seine Rückkehr wird mit Sicherheit für Machtkämpfe sorgen.«

 Als Präsident hatte Hernández zwischen 2014 und 2022 nicht nur die Nationale Partei, sondern das ganze mittelamerikanische Land unter seiner Kon­trolle. Das ging so weit, dass Drogentransporte durch Honduras von der Polizei des Landes eskortiert wurden, so ein Kaffeebauer aus der Region Machala, der anonym bleiben will.

Honduras derzeitiger Präsident Nasry Asfura und Parlamentspräsident Tomás Zambrano von der Nationalen Partei sind einflussreiche Politiker, mit der Rückkehr von Hernández ist ein Führungsstreit so gut wie garantiert. Als Präsident hatte Hernández zwischen 2014 und 2022 nicht nur die Nationale Partei, sondern das ganze mittelamerikanische Land unter seiner Kon­trolle. Das ging so weit, dass Drogentransporte durch Honduras von der Polizei des Landes eskortiert wurden, so ein Kaffeebauer aus der Region Machala, der anonym bleiben will.

Wie Mejía befürchtet auch Reina Rivera, langjährige leitende Mitarbeiterin der schwedischen Nichtregierungsorganisation Diakonia in Tegucigalpa, dass mit der Rückkehr von Hernández auch wieder die früheren Gefahren drohen. »Wir erleben bereits seit der Vereidigung von Nasry Asfura im Januar einen Rückschritt auf allen Ebenen«, sagt Rivera: »Das Massaker an 20 Kleinbauern und Landarbeitern, unter ihnen Kinder, am frühen Morgen des 21. Mai durch bewaffnete Männer in Polizeiuniformen auf einer Farm im Dorf Rigores im Aguán-Tal ist dafür ein Beispiel. Der Druck auf kleinbäuerliche Strukturen, aber auch auf die Garifunas ist mörderisch.« Dabei gehe es, so die Juristin, um die Verteilung von Landflächen, die von Großgrundbesitzern und Investoren beansprucht werden.

Im Fall der Garifunas, wie die Nachfahren von afrikanischen Sklaven und Indigenen heißen, die an den Karibikküsten mehrerer mittelamerikanischer Staaten leben und meist kollektive Landtitel innehaben, sind es immer wieder Tourismusunternehmen, die ihre Hände nach diesen Flächen ausstrecken. Die Regierung hat der Agrarindustrie, dem Tourismus, dem Bergbau und dem Energiesektor Priorität eingeräumt. Dafür wurde am 3. Juni ein erstes Gesetz zugunsten der Agrarindustrie erlassen, weitere Gesetze zugunsten der anderen Sektoren folgten. Für die Rechte der Agrargenossenschaften und der Garifunas sind das negative Vorzeichen. Am 6. Juli räumten zwei Hundertschaften der Polizei ein rund sechs Hektar großes Areal in der Region von San Juan Tela. Gegen fünf Mitglieder der Garifuna-Organisation Ofraneh wurden danach Strafermittlungen wegen »schwerer Fällen von Usurpation« eingeleitet, ein Vorwurf, der normalerweise bei illegaler Landbesetzung erhoben wird. Das steht im Widerspruch zu den Urteilen des Interamerikanischen Gerichtshofs für Menschenrechte (IACHR), das mehrfach im Sinne der Garifuna-Gemeinden von San Juan sowie von Punta Piedra, Triunfo de la Cruz und Cayos Cochinos entschieden hatte. »Die Vereinten Nationen und die Organisation der Amerikanischen Staaten (OAS) haben nicht mehr die Reputation wie einst«, sagt Mejía. Das habe auch mit einer deutlichen Hinwendung zum Autoritarismus in Honduras zu tun.

Federführend ist dabei Parlamentspräsident Zambrano. Er ist Mitglied im Forum Madrid, einem extrem rechten Think Tank, den Spaniens rechtsextreme Partei Vox ins Leben gerufen hat. Zambrano wird bereits als Nachfolger für Asfura gehandelt. Ihm könnte Hernández nun Konkurrenz machen, meint Rivera. Sie hält ihn nach wie vor für den einflussreichsten der drei führenden Politiker der Nationalen Partei.

Ob Hernández sich nach seiner Rückkehr auch vor der honduranischen Justiz verantworten muss, ist derzeit noch offen. Zwar lag ein mittlerweile ausgesetzter Haftbefehl gegen ihn vor, aber nur wegen Betrugs und Geldwäsche. Laut der Staatsanwaltschaft soll er gemeinsam mit anderen zwischen 2010 und 2013 ein Korruptionsnetzwerk aufgebaut haben, welches den Transfer von rund 288 Millionen Lempira (etwa 10,8 Millionen US-Dollar) an zwei Stiftungen koordiniert hatte. Allerdings wurde der Haftbefehl vom Obersten Gericht in Honduras ausgesetzt, so dass Hernández sich auf freiem Fuß befindet. Anklage wegen der Drogendelikte hat die Staatsanwaltschaft in Tegucigalpa bisher nicht erhoben.