20.08.2026
Sonnenfinsternis in Europa

Homestory #34/2026

Jungle-World-Kolleg:innen berichten, wie sie die Sonnenfinsternis erlebt haben.

Massentourismus ist ja bekanntlich eine Plage. Das ist besonders der Fall, wenn die Massen quasi überall gleichzeitig zusammenströmen, wie es am Mittwoch vergangener Woche passiert ist. Millionen Menschen in Deutschland und noch viel mehr im Rest Europas wollten am Abend unbedingt die über dem Kontinent eintretende weitgehende Sonnenfinsternis bestaunen, bei der von Deutschland aus gesehen zeitweise bis zu 90 Prozent der Sonne verdunkelt ­waren. Obendrein lockte ein paar Stunden später noch ein Meteoritenschauer der Perseiden mit Sternschnuppen.

Auch die Kol­leg:in­nen Ihrer Lieblingszeitung entkamen diesem Massenspektakel nicht, laborierten aber unter dem ärgerlichen Mangel an Sonnenfinsternisbrillen. Eine Kollegin berichtete, dieses Mal ohne Brille oder Guckkasten am Naturschauspiel teilgenommen zu haben und gelobte hochheilig, zum Wohle ihrer schmerzenden Augen es nächstes Mal anders zu machen. Ein anderer Kollege entkam diesem Schicksal nur knapp, weil eine andere Person beim überaus vollen Schaulustigen-Picknick glücklicherweise noch eine finstere Brille besorgt hatte.

Auch die Kol­leg:in­nen Ihrer Lieblingszeitung entkamen dem Massenspektakel nicht, laborierten aber unter dem ärgerlichen Mangel an Sonnenfinsternisbrillen. 

Eine Kollegin wiederum schaute sich die Sonnenfinsternis im Fernsehen an, nämlich in einem Livestream aus Mallorca, wo die dortige totale Sonnenfinsternis die ohnehin schon chronisch überfüllte Urlaubsinsel zu einem absoluten Hotspot gemacht hatte. Sie entging vor dem Bildschirm »irren Szenen«, wie sie sagte, denn beim ­Planetarium bei ihr um die Ecke, wo die albern aussehenden Brillen wohl kostenlos ausgehändigt wurden, war der Andrang so groß, dass die Polizei den Bereich zeitweise absperren musste.

Eine weitere Kollegin schaffte es zeitlich nicht, das Spektakel von ihrem eigenen Balkon zu Hause aus zu sehen, tröstete sich aber ­damit, die totale Sonnenfinsternis von 1999 gesehen zu haben. Älter zu sein, habe zuweilen Vorteile, so ihr Credo, nicht ohne noch eine Ausflugsempfehlung an einen Ort in Brandenburg zu geben, wo man »alles« am Himmel sehen könnte.

Und dann schließlich gab es die Kollegen, die gar nicht erst versuchten, sich potentiell die Augen zu verbrennen oder einer Massenpanik auszusetzen. Ein Kollege meinte, er habe an dem Abend an einer neuen Marinade gearbeitet, die er sogleich mit einem Airfryer hatte erproben wollen. Ein anderer wollte schließlich nicht einmal auf die nächtlichen Sternschnuppen warten, um seinen Wunsch zu äußern, dass der über Stunden nicht abreißende Strom an Schaulustigen vor seinem Wohnhaus doch bitte endlich zum Erliegen kommen möge. Die Sonnenfinsternis habe er daher zwar nicht ­gesehen, aber finster sei sein Gemüt trotzdem gewesen.