27.08.2026
Geschichten aus dem Supermarkt auf X

Kulturkampf in der Kassenschlange

Social Media-Stories aus dem Supermarkt verlaufen scheinbar immer nach dem gleichen Muster - fast könnte man meinen, es stecke ein Prinzip dahinter.

Doch, es war auch dieses Mal wieder sehr schön in Skandinavien, aber nun sind wir seit 21 Stunden wieder zu Hause und damit bereits mittendrin im Alltag. Der, so ist Social Media zu entnehmen, größtenteils aus schon wieder oder immer noch miesgelaunten Menschen besteht, die einander an Supermarktkassen beleidigen. Wobei, zumindest auf X könnte es auch sein, dass es sich auch einfach nur um ein neues Kurzgeschichten-Genre handelt. Denn entweder steht man grundsätzlich in den Warteschlangen der falschen Läden und erlebt deswegen nie unverschämte Mitmenschen – oder die meisten dieser Storys sind einfach bloß ausgedacht. 

Diejenigen, die sich unverschämt verhalten, kommen zufällig immer aus der Gruppe, die in der jeweiligen Blase besonders verhasst zu sein scheint.

Für Letzteres spricht, dass diejenigen, die sich unverschämt verhalten, zufällig immer aus der Gruppe kommen, die in der jeweiligen Blase besonders verhasst zu sein scheint, was dann natürlich zu vielen Likes und beipflichtenden Kommentaren, also zu großer Aufmerksamkeit, führt. Entsprechend sind es fast immer alte weiße Männer aka AfD-Wähler, junge weiße Mütter und ihr schlecht ­erzogener Nachwuchs, mithin also Grünen-Wählerinnen, generell Jugendliche (alle faul und nichtsnutzig sowie ganz sicher künftige Wähler von irgendwas »Linksversifftem« oder der AfD), sowie »die Ausländer« (gegen die vor allem vorliegt, dass sie da sind), um und gegen die es in den langen Tiraden geht.

Die Geschichten an sich beginnen immer damit, dass Erzähler oder Erzählerin still vor sich hingucken und darauf warten, an die Reihe zu kommen. Bis sich plötzlich jemand vordrängelt, gehässige Bemerkungen macht oder allgemein schändliches Verhalten an den Tag legt. Die twitternde Person lässt sich aber nichts gefallen und weist die danach oft beschämt errötende Unverschämtheits­person in wohlgesetzten, meist lauten Worten auf das Fehlverhalten hin, woraufhin zwar nicht der gesamte Supermarkt, aber doch wenigstens die Umstehenden in spontanen Jubel ausbrechen und alle zusammen »We Shall Overcome« oder »Deutschland, Deutschland über alles« anstimmen und anschließend gemeinsam mit ihren Einkäufen dem Sonnenuntergang entgegen in eine bessere Zukunft streben. Oder so.