Semaphor
Der Auftrag
»Hochstädt«, sagt die Frau und streckt ihre Hand aus. Großgewachsen, blonder Kurzhaarschnitt, die Kleidung schwebt auf einer undefinierbaren Grenze zwischen Vorstandssitzung und Elternabend. Ich nehme die Hand, lege ein unverbindliches Lächeln auf und wäre gern besser angezogen. Aber ich bin ein Künstler, und Künstler dürfen, ja sie müssen, was Bürgerinnen nicht dürfen.
»Wollen wir dann?«
Sie fährt selbst. Das Auto ist nicht protzig, ganz und gar nicht. Ich bin alt genug, um zu wissen, wie man es früher genannt hätte: flott.
Sie fährt selbst. Das Auto ist nicht protzig, ganz und gar nicht. Ich bin alt genug, um zu wissen, wie man es früher genannt hätte: flott. Es verrät sich durch seinen Geruch. Daheim, in der Garage, die viel Aufmerksamkeit und Management braucht, stehen die größeren Brüder.
Auch Frau Hochstädt riecht sehr gut. Keinesfalls aufdringlich, sondern frisch und pflanzlich und urban zugleich, ihr Duft ist das Produkt langer Erfahrung mit Düften. Ich liebe und hasse ihn, möglicherweise ist auch das beabsichtigt. Meine Fototasche liegt auf meinem Schoß, ich stabilisiere sie mit einer Hand. Frau Hochstädt fährt wie jemand, der Spaß am Fahren hat und Ungenauigkeiten ablehnt, aber keinesfalls auf rigide Weise, das nicht. Sie hat das Autofahren gemeistert wie alles andere, und sie hat es gelernt wie alle anderen, nur ein bisschen besser. Tennis oder Golf? Wenn, dann eher Pferdepolo. Oder Lacrosse.
Es geht hinaus zur grünen Demarkationslinie, die Wohlhabenheit von Reichtum trennt. Ja, wir fahren vorbei an Villen, die sich fast ganz in ihren eigenen Wäldchen verstecken, aber das ist die Ausnahme. In der Regel geht es um eine Korrespondenz zwischen Einkommen und kultivierter Sachlichkeit; wer sich hier einen Unsinn leisten würde, der das Schloss oder die Burg auch nur andeutet, wäre ganz allein damit.
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