Zurück in die Vergangenheit
Vor eineinhalb Jahrzehnten diagnostizierte der Popkritiker Simon Reynolds in der Popmusik eine Retromanie, eine Fixierung auf die Vergangenheit. Darin schwang Enttäuschung darüber mit, dass Popmusik kein Zukunftsversprechen mehr gäbe. Vielleicht kann sich Pop dem kapitalistischen Diktat von Wachstum, Innovation und Fortschritt aber auch produktiv verweigern. Denn inzwischen demonstrierten mehrere Garage-Punk-, Post-Punk- und Kraut-Revivals, dass in der Wiederholung nicht zwangsläufig das Immergleiche steckt.
Das Duo wird als eine Mischung aus Folk, Dub, Post-Punk, Kraut, Garage Rock und spirituellem Jazz beschrieben.
Auch die britische Band Memorials ruft all diese Revivals in Erinnerung. Blickt man auf all die Schubladen, in die sie nicht erst mit ihrem kürzlich erschienenen zweiten Album »All Clouds Bring Not Rain« gesteckt werden, schwingt das Retromanische immer mit. Das Duo aus Verity Susman, Gründerin der Post-Rock-Band Electrelane, und Matthew Simms, seit 2010 Gitarrist der wohl wichtigsten Post-Punk-Band Wire, wird als eine Mischung aus Folk, Dub, Post-Punk, Kraut, Garage Rock und spirituellem Jazz beschrieben.
Das Ganze ist jedoch mehr ist als die Summe seiner einzelnen Teile. Susmans Gesang erinnert an die traurige Stimme auf Nicos »Desertshore« (1970), der hypnotische psychedelische Pop der Memorials evoziert die Silver Apples der späten Sechziger, das Kraut-Revival im Stile von Beak oder den monotonen Garage-Punk von Clinic – und natürlich zugleich das Einlullende wie Dringliche von Electrelane. Mit ihrem Bandnamen – übersetzt Denkmäler oder Gedenkstätten – nehmen die Memorials diesen Ballast geschickt auf, verpacken all das doch in einem neuen Gewand und reflektieren es anscheinend selbstkritisch in ihren Texten: »A future foretold by history«, heißt es in »Holy Invisible«.
Memorials: All Clouds Bring Not Rain (Fire Records)