Jungle+ Artikel 17.09.2026
Faschistische Wurzeln des Postkolonialismus

Die Paten des Postkolonialismus

Das postkoloniale Denken hat an den Universitäten und in den Medien großen Einfluss gewonnen. Es erhebt kulturell homogene Volkskollektive zu Subjekten der Geschichte, schätzt Rationalität gering und tendiert zum Antisemitismus. Diese Charakteristika hat es von antikolonialen Bewegungen übernommen, deren Hinwendung zu Nazi-Deutschland beziehungsweise Japan keineswegs nur strategischer Natur war.

Wie kommt das, was man heutzutage als postkoloniales Denken kennt, historisch zustande, woher rühren seine Charakteristika, welche historischen Strukturen und Prozesse reflektieren sie? Hier wird man sich zunächst mit der tatsächlichen Entwicklung des Antikolonialismus beschäftigen müssen, insofern er bereits die Ideologeme entwickelt, die den Postkolonialismus bis heute geradezu definieren.

Diese sind zuallererst vom sehr spezifischen Klassencharakter kolonialer Herrschaft geprägt. Die Kolonialmacht trifft im Normalfall auf eine existierende, relativ statische Klassengesellschaft: Sie ist traditionell religiös legitimiert, ihre Ökonomie und damit auch die Revenuen der herrschenden Schicht beruhen auf Leibeigenschaft, direkter Expropriation der ländlichen Bevölkerung und häufig auch auf Sklaverei; die Warenzirkulation ist auf den Luxuskonsum der Oberschicht orientiert, der von einer relativ kleinen, mit traditionellen Techniken operierenden Handwerkerschaft befriedigt wird. In dieser allgemeinen Form trifft das cum grano salis sowohl auf afrikanische Küstenkönigreiche wie auf asiatische Sultanate oder Theokratien zu.

Die komplette Zerstörung der vorhandenen Sozialordnung bleibt die Ausnahme; vielmehr machen sich Kolonialmächte das Vorhandene zunutze, kooptieren einen Teil der Oberschicht und bilden sukzessive Einheimische in Verwaltung und Militär aus.

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