Jungle+ Artikel 01.10.2026
Die armenische Drag Szene floriert

Die pinke Stadt

Keine Anfeindungen, aber auch keine Unterstützung – so lässt sich die armenische Regierungspolitik in LGBT-Belangen zusammenfassen. In der Gesellschaft sitzt der Hass auf Queers tief. Eine neue Generation lässt sich davon nicht beeindrucken und schafft sich Räume, wo vorher keine waren.

Der Pinsel gleitet präzise über das Augenlid, ein schwarzer Strich Eyeliner zieht die Konturen nach. Vor dem Spiegel sitzt die 23jährige Sirena Soul, die in Ruhe ihr Make-up macht. Im Hintergrund läuft »Soldiers of Love« von Sade. »Ich bin mit Sade aufgewachsen«, sagt sie und blickt kurz in den Spiegel, bevor sie den Lippenstift ansetzt. Trotzdem hat sie erst ein einziges Mal zur Musik der Sängerin performt. »Die Auswahl eines Lieds ist für jede Künstlerin ein ziemlich schwieriges Thema.« Seit etwas über einem Jahr tritt Soul als Drag-Künstlerin auf. »Ich lasse mich stark vom Meer und von mystischen Kreationen inspirieren.« Daher ihr Name, erklärt sie.

Das Puder stäubt leicht auf, als sie den Pinsel abklopft. »Wir wiederholen unsere Nummern grundsätzlich nicht«, fährt sie fort. Auch das Outfit, das sie gleich präsentieren wird, trägt sie zum ersten Mal. Viele der Queens, mit denen sie mittlerweile die Bühne teilt, hatten ihre Taufe beim »Drag Ball«. Die Veranstaltung feierte ihre Premiere erst im vergangenen Jahr. Ins Leben gerufen hat sie Leona Love, die für Soul eine Art armenische Drag-Mutter ist. Love wollte neue Gesichter; der Drag Ball sollte den Nachwuchs motivieren. Zu diesem gehörte Soul. »Ich hatte ein Problem mit meinem Outfit«, sagt sie rückblickend und lacht. Als sie einen Teil ihres Outfits loswerden wollte, klemmte es. Inzwischen ist sie für ihre Freizügigkeit bekannt. »Ich zeige gerne meinen Körper, meine Haut. Das gibt mir als Transfrau Stärke.«

»Ich zeige gerne meinen Körper, meine Haut. Das gibt mir als Transfrau Stärke.« Sirena Soul, 23, Drag-Künstlerin

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