Jungle+ Artikel 01.10.2026
Der Traum von Unabhängigkeit und Demokratie

»So wollte ich nicht leben«

In Armenien kennt ihn jeder: Parujr Hajrikjan war als Kämpfer für die armenische Unabhängigkeit einer der bekanntesten Dissidenten der Sowjetunion. Die »Jungle World« sprach mit ihm über seine Untergrund­organisation, die jahrelange Lagerhaft und den Traum von der Demokratie.

Schon als junger Mann haben Sie sich für Armeniens Unabhängigkeit eingesetzt. Wie kam es dazu?

Großen Einfluss hat auf mich das soziale Umfeld meiner Eltern ausgeübt, aber auch meine Begeisterung fürs Lesen. Wenn man viel liest, setzt man sich mit vielen Aspekten des Lebens auseinander. Dadurch habe ich eine Vorstellung von Gerechtigkeit, Freiheit und Ehre bekommen. In der Schule wurde uns beigebracht, was sowjetischer Patriotismus heißt. Mir ging auf, dass viel Ungerechtes auf Lenin und Atatürk zurückging, die Armenien aufgeteilt ­haben, wie es ihnen beliebte. Dabei hat man uns erzählt, dass wir uns glücklich schätzen dürfen. Ich habe schnell begriffen, dass die Erwachsenen Angst haben und mir diese Angst ebenfalls einbläuen. So wollte ich nicht leben. Dazu kam die Art, wie Wahlen in der Sowjetunion abliefen: Die Schulleiterin ernannte einen Gruppenpionierleiter, den wir in unserer Klasse wählen sollten. So lief es überall. Das war mir ­zuwider.

»Mit sechzehn Jahren habe ich beschlossen zu kämpfen. Ich habe zwei Klassenkameraden angesprochen und zusammen haben wir eine kleine Gruppe gegründet. Dann kamen weitere Schüler dazu. Als sie uns schließlich erwischten, bestand unser Armenischer Jugendbund aus 26 Mitgliedern.«

Wann und wie haben Sie angefangen, sich zu organisieren?

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