Hizbollah Inc oder heilige Krieger als Drogenhändler
Die Hisbollah ist nicht nur Terrororganisation, sondern auch milliardenschwerer Konzern und Teil der weltweiten organisierten Kriminalität, der sich unter anderem durch Drogenhandel finanziert.
Nur wenige Wochen nach seinem 64. Geburtstag wurde Hassan Abd al-Karim Nasrallah, Generalsekretär und Mitbegründer der Hisbollah, durch einen israelischen Luftangriff im Süden Beiruts getötet. Am Freitag, den 27. September, warfen israelische Kampfflugzeuge 83 Tonnen Sprengstoff punktgenau auf das Hauptquartier der Organisation.
Der Angriff traf einen sechsgeschossigen Wohnblock im Distrikt Dahieh, dem Machtzentrum der Organisation, und forderte zahlreiche Opfer, darunter praktisch die gesamte Führungsriege der Hisbollah. Innerhalb weniger Sekunden wurde die zentrale Kommandoebene ausgelöscht.
„Die israelischen Streitkräfte haben Hassan Nasrallah sowie Ali Karaki, den Kommandeur der Südfront, und weitere hochrangige Persönlichkeiten der Hisbollah eliminiert“, verkündete ein Sprecher der israelischen Armee am Samstag. Damit verschwand einer der gefährlichsten und raffiniertesten Gegner Israels endgültig von der Bühne der Geschichte.
Dieser Angriff steht als klare Botschaft: Wer sich Israel zum Feind macht, wird nirgendwo sicher sein – weder an der Front noch in den vermeintlich geschützten Hochburgen seiner Macht.
32 Jahre lang war er der Hauptentscheidungsträger und alleinige Genehmiger strategischer Prozesse, in deren Verlauf der schiitische Extremistenführer die Organisation von einer kleinen, im globalen Maßstab fast unbedeutenden Bewegung in eine der tödlichsten, mächtigsten – und sogar reichsten – Terrororganisationen der Welt verwandelte.
Unter seiner Leitung wurde die Organisation nicht nur zu einer der einflussreichsten politischen und militärischen Kräfte des Nahen Ostens, sondern auch zu einer wirtschaftlichen Supermacht mit globalem Netzwerk. Der Schlüssel? Drogenhandel, Ölgeschäfte und Unternehmen, die wie Tarnkappenjets durch die internationalen Finanzsysteme gleiten.
Vom Widerstand zum globalen Konzern
Nasrallah hat aus der einstigen Widerstandsbewegung eine Organisation gemacht, die sich den Mechanismen der Globalisierung perfekt angepasst hat. Die New York Times berichtete bereits 2008 über die Verstrickung der Hisbollah in den internationalen Kokainhandel. Kolumbianische Kartelle liefern, die Hisbollah verteilt – Einnahmen, die Raketen und Kämpfer finanzieren. Der Schmuggel in den Nahen Osten und nach Europa ist ein Modellbeispiel globalisierter Kriminalität, wie es schon in einem Bericht von 2013 darstellt wurde: Die Hisbollah fungiert als Mittelsmann zwischen lateinamerikanischen Drogenhändlern und internationalen Märkten.
Doch damit nicht genug: Wie die Washington Post dokumentiert, ist der Drogenhandel nur eine Facette eines breiteren Netzwerks krimineller Aktivitäten. Die Hisbollah finanziert sich auch durch Geldwäsche, Bauunternehmen und die großzügige Unterstützung aus dem Iran. Nasrallah hat damit bewiesen, dass die Grenzen zwischen Terrorismus, Politik und Wirtschaft längst nicht mehr existieren.
Die Drogen als Fundament
Drogenhandel ist die Goldader des Hisbollah-Imperiums. Laut der New York Times wird der Kokainhandel von Südamerika aus gesteuert, wobei die Hisbollah als Logistikpartner fungiert. BBC News bestätigt, dass diese Einnahmen zur Finanzierung von Operationen und Propaganda genutzt werden. Noch lukrativer ist die Produktion von Captagon, einer synthetischen Droge, die im Nahen Osten boomt. Wie Haaretz berichtet, ist die Hisbollah maßgeblich an der Herstellung und am Schmuggel der Droge beteiligt – ein Geschäft, das Milliarden generiert.

(In dieser sehenswerten Dokumentation von 2018 (!) verfolgt Al Arabiyah
den globalen Drogenhandel der Hisbollah)
Für das Assad Regime in Syrien stellt die Produktion von Captagon inzwischen einer der wichtigsten Einnahmequellen dar. Zu recht wurde das Land schon vor Jahren als Narco Staat bezeichnet. (Die zweitwichtigste Quelle besteht darin, große Teile der über die UN abgewickelten Hilfsmillionen abzuzweigen).
Die Tarnung: legitime Unternehmen
Neben illegalen Aktivitäten nutzt die Hisbollah legitime Geschäfte, um ihre Macht und Einnahmen zu sichern. Wie die Washington Post hervorhebt, gehören Bauunternehmen und Immobilienhandel zu den Hauptsäulen ihres legalen Einkommens. Doch auch diese „legalen“ Geschäfte dienen oft dazu, Geld aus kriminellen Quellen zu waschen. Forbes Israel beschreibt, wie die Hisbollah unter Nasrallah ein Immobilienimperium aufgebaut hat, das nicht nur Gewinne einfährt, sondern auch geopolitische Ziele verfolgt, etwa die Kontrolle über strategische Gebiete im Libanon.
Der Iran: Verbündeter und Geldgeber
Der ist die Lebensader der Hisbollah. Laut Forbes erhält die Organisation jährlich Hunderte Millionen Dollar aus Teheran. Diese Mittel sichern nicht nur die militärische Stärke der Hisbollah, sondern finanzieren auch ihre wirtschaftlichen Aktivitäten. Ölgeschäfte spielen hierbei eine zentrale Rolle. France 24 dokumentiert, wie die Hisbollah iranisches Öl schmuggelt, um die Sanktionen gegen Teheran zu umgehen. Die Gewinne fließen direkt in die Kassen der Organisation.
Ein Land als Geisel
Die wirtschaftliche Stärke der Hisbollah geht auf Kosten des Libanons. Während die Hisbollah dank des von Nasrallah geschaffenen Netzwerks Milliarden einnimmt, zerfällt der Staat. Foreign Policy beschreibt, wie die Hisbollah von der wirtschaftlichen Krise profitiert, um ihre Macht weiter auszubauen. Sie ist nicht nur eine Terrororganisation, sondern eine Parallelregierung, die den Libanon systematisch in Abhängigkeit hält.
Das von Nasrallah geschaffene Modell für den ökonomischen Erfolg der Hisbollah ist erfolgreich – und erschreckend. Es zeigt, wie eine Organisation die Mechanismen der Globalisierung und Kriminalität nutzen kann, um zu einer wirtschaftlichen Macht aufzusteigen. Doch dieser Erfolg hat einen Preis: Der Libanon bleibt ein zerstörter Staat, eine Geisel einer Organisation, die längst über ihre ideologischen Wurzeln hinausgewachsen ist. Die Hisbollah ist ein multinationaler Konzern mit einer Ideologie als Marketingstrategie – ein Sinnbild für den perversen Triumph des Kapitalismus im Schatten des Terrors.
Heuchelei und Komplizenschaft
Die USA und Europa, die die finanziellen Aktivitäten der Hisbollah seit Jahren kannten, blieben weitgehend untätig. Wie das RUSI es ausdrückt, ist die so genannte internationale Gemeinschaft nicht nur Zuschauer, sondern oft auch unfreiwilliger Komplize dieses Systems. Der Terrorist als Unternehmer hat die Weltbühne betreten – und die Welt schaut weg
So sind es denn auch nicht Sanktionen oder andere Maßnahmen, die den Drogenfluss dieser Tage beeinträchtigen, sondern die Luftangriffe Israels:
Syria’s illegal drug trade, a critical economic pillar for President Bashar Assad’s regime, is under threat as the ongoing conflict between Israel and Hezbollah disrupts the production and smuggling of Captagon, an illicit stimulant wildly popular across the Middle East. The weakening of Hezbollah, a key ally and facilitator in the drug industry, could lead to significant economic repercussions for the Syrian government. (...)
The recent conflict between Israel and Hezbollah has significantly disrupted drug smuggling operations. Jordan and Saudi Arabia have reported a notable decline in drug seizures at their borders over the past month compared to previous years. (...)
Residents in Damascus have observed a shortage of Captagon supplies, with dealers attributing the disruption to Hezbollah’s involvement in the conflict. Ahmad M., a local resident, said that drug users are having trouble getting their fix due to decreased supply.