Schwere Niederlage für Assad, Iran und Russland: Aleppo in Händen von Rebellen
Nach Verkündigung des Waffenstillstandes zwischen Israel und der Hizbollah dauerte es keine zwei Tage bis Milizen von Hayat Tahrir al-Sham (HTS) - wie sich die Al Nusra Front heute nennt, in einer Blitzoffensive im Norden Syriens Aleppo einnahmen und sogar in Richtung Hama vorstoßen.

Zum ersten Mal ist damit ganz Aleppo nicht mehr in den Händen des Regimes, namhaften Widerstand seitens der syrischen Armee gab es keinen, offenbar fehlten die Kämpfer der Hizbollah, die zuvor eine solch wichtige Rolle für das Assad Regime gespielt hatten.
Seit langem stellte sich die Frage, wann und wie der de facto nur eingefrorene Konflikt in Syrien wieder zum heißen Krieg werden würde. Diese Frage ist nun beantwortet und zwar mit einem Knall, der fast alle Beteiligten überraschte.
Die Zeit schien für HTS und verbündete Milizen günstig, denn Assad kann und konnte sich nur mit Hilfe Russlands, des Irans und der Hizbollah am Ruder halten und alle drei sind durch die Kriege entweder mit Israel oder der Ukraine momentan geschwächt oder anderweitig beschäftigt während offenbar die Türkei, die in Idlib, einem Gebiet, dass von verschiedenen islamistischen und anderen Rebellen kontrolliert wird, eine zentrale Rolle spielt ebenfalls die Gunst der Stunde nutzen wollte.
Noch allerdings ist unklar, welche Ziele Ankara verfolgt und wie involviert die Türkei ist. Denn neben den syrische-iranisch-russischen Truppen kontrollieren auch die mit dem PKK Ableger verbundenen Einheiten der kurdischen PYD Teile des Nordens Aleppos. Seit Jahren versucht die Türkei diese zu schwächen und ihren Einfluss in Rojava zurück zu drängen. Es handelt sich also um einen unübersichtlichen Mehrfrontenkonflikt, in den auch die USA verwickelt sind. Denn noch immer sind US-Einheiten in Rojava stationiert, um in Ostsyrien gegen verbliebene Teile des Islamischen Staates (IS) zu kämpfen. Diese Truppen will, so hatte er jüngst erklärt, Donald Trump schnellstmöglich abziehen.
Kurdische Milizen und syrische Truppen kooperieren in und um Aleppo, so etwa meldeten syrische Oppositionskreise, das Militär habe vor seinem Abzug den Flughafen an Kämpfer der PYD übergeben, die dann allerdings gegen Einheiten der HTS verloren hätten, so dass er sich nun in deren Händen befinde. Ob die Offensive sich nun gen Osten, in kurdisch kontrollierte Gebiete ausweiten wird, ist noch unklar.
Derweil befindet sich die syrische Armee im Norden in Auflösung und soll sich Richtung Homs im Zentrum des Landes zurück ziehen.
Nicht nur für Assad, sondern ach für Russland und den Iran entfaltet sich da ein Horrorszenario. Momentan fehlen Bodentruppen, um die in Pickup Trucks vorrückenden Milizen aufzuhalten. Zwar bombardiert die russische Luftwaffe Aleppo und hat Verstärkung angekündigt, aber es fehlen Bodentruppen, die nötig wären, um die verlorenen Gebiete zurück zu erobern.
Denn seit Jahren ist bekannt, dass die syrische Armee sich in desolatem Zustand befindet und ohne Hilfe von außen kaum in der Lage wäre auch nur die Hauptstadt des Landes zu verteidigen.
Derweil freuen sich, auch wenn die meisten die Agenda von HTS nicht teilen, syrische Regimegegner über die Entwicklung und hoffen, dass es diesmal gelingen möge, das verhasste Assad Regime zu stürzen.
Und auch aus Israel kommen Stimmen, die, obgleich es sich bei der HTS um Islamisten handelt, die Entwicklung begrüßen.
Neuesten Meldungen zufolge soll es nun auch im Süden, in Dera an der jordanischen Grenze, zu Zusammenstößen kommen und Rebellen Soldaten der syrischen Armee angreifen.