Mittwoch, 18.12.2024 / 13:58 Uhr

Solidarität als Verrat? Ein Lehrstück aus dem BDS-Wahn

Was wäre ein Feindbild ohne Feinde? Die BDS-Kampagne pro-palästinensischer Aktivist*innen braucht Israel als unbelehrbaren Unterdrücker und Palästinenser*innen als ewige Opfer. Gemeinsam für Frieden kämpfen? Für die BDS-Kampagne pro-palästinensischer Aktivist*innen ein Sakrileg. Denn wer die Idee eines gemeinsamen Kampfes wagt, stört die Ordnung: Gut hier, Böse dort. Alles andere passt nicht in das schön simple Weltbild der ewigen Feindschaft.

Eine Gefahr namens Zusammenarbeit

 

Dass Jüdische Menschen und Palästinenser*innen in Israel gemeinsam für Gleichheit kämpfen, wird zum Problem. In der Erklärung der palästinensischen Mitglieder von Standing Together heißt es: „Der Aufruf, Standing Together zu boykottieren, war empörend. Versuche, uns zum Schweigen zu bringen, dienen den Interessen des politischen Establishments Israels.“ Genau jenes Establishment, das von der ideologischen Engstirnigkeit der BDS-Kampagne pro-palästinensischer Aktivist*innen profitiert wie ein Dieb vom offenen Fenster. Denn nichts fürchtet der Status quo mehr als Solidarität.

PACBI: Ein Angriff auf Hoffnung

 

PACBI, die Vorhut der BDS-Kampagne pro-palästinensischer Aktivist*innen, wirft Standing Together vor, „eine israelische Normalisierungsorganisation“ zu sein, die vom „anhaltenden Völkermord Israels im Gazastreifen ablenken“ wolle. Welch absurde Verdrehung der Realität. Während PACBI zum Boykott aufruft, kämpfen Jüdische Menschen und Palästinenser*innen bei Standing Together an vorderster Front gegen den Krieg, gegen die Besatzung und gegen die systemische Diskriminierung. Wie die Bewegung selbst betont: „Wir führen aktiv Kampagnen gegen das israelische Unterdrückungsregime und haben konkrete Anstrengungen unternommen, um die von Israelis in Gaza begangenen Gräueltaten bekannter zu machen.“

Der gemeinsame Kampf in schwierigen Zeiten

 

Trotz Verfolgung, trotz Repression, trotz Hetze bleibt Standing Together aktiv. Sie organisieren Lebensmittelpakete für jüdische, muslimische und christliche Familien, bieten Rechtshilfe-Hotlines an und stellen „Solidaritätswächter*innen“, die sich für den Dialog einsetzen. Ihr neuer Slogan lautet: „Gemeinsam werden wir das durchstehen.“ Das ist keine Beschönigung, sondern eine Kampfansage an die Unterdrückung. Es ist der Beweis, dass Solidarität lebt – gerade dann, wenn sie am nötigsten ist.

Für PACBI ein Albtraum: Veränderung ist möglich

 

Die Angst vor dem Einsturz des ideologischen Kartenhauses ist groß. Denn wenn Palästinenser*innen und Jüdische Menschengemeinsam kämpfen, wird klar: Veränderung ist möglich. Sally Abed, ein palästinensisches Mitglied der Führung von Standing Together, sagte treffend: „Eines der Probleme der Boykott-, Desinvestitions- und Sanktionskampagne ist ihre Annahme, die israelische Gesellschaft könne sich nicht ändern.“ Genau hier liegt der Kern des Problems: Die BDS-Kampagne pro-palästinensischer Aktivist*innen weigert sich, das Potenzial für Wandel zu akzeptieren.

Boykott als ideologisches Gefängnis

 

Boykott ist ein legitimes Werkzeug des gewaltlosen Protests. Aber ein Werkzeug ist nur so gut wie seine Anwendung. Boykott kann nicht die einzige Antwort sein. Der Rückzug ins Nichtstun, ins Nichtreden, ins Nichtkooperieren führt zu Isolation, nicht zu Befreiung. Wie Rula Daood, Co-Direktorin von Standing Together, sagt: „Wie viel Blut muss noch vergossen werden, bis wir verstehen, dass die Schicksale der Israelis und der Palästinenser*innen miteinander verbunden sind?“

Solidarität: Der Weg nach vorne

 

Für diejenigen, die eine gemeinsame Zukunft sehen, gibt es keinen anderen Weg als den der Solidarität. Standing Together zeigt, dass es möglich ist: „Unsere Aufgabe ist es, unsere Gesellschaft dahingehend zu organisieren, dass sie erkennt, dass die Mehrheit der Menschen – Palästinenser*innen und jüdische Israelis – nicht von dieser Realität profitieren und die Grundlagen für eine gerechte Zukunft neu gestalten müssen.“ Das ist kein Verrat. Das ist Widerstand – gemeinsam, mutig und notwendig.

Wer Zusammenarbeit verdammt, verdammt auch die Hoffnung. Für die BDS-Kampagne pro-palästinensischer Aktivist*innen mag das bequem sein. Für diejenigen, die wirklich kämpfen, bedeutet es Verrat an der gemeinsamen Befreiung. Solidarität ist keine Normalisierung. Sie ist der Anfang vom Ende jeder Unterdrückung. Wer das nicht begreift, schützt keine Gerechtigkeit – sondern nur das eigene ideologische Brett vorm Kopf.