Auf der Suche nach "laut & bunt" heute
Erinnert sich noch wer an all die Proteste damals vor langer Zeit, also im Februar diesen Jahres, als die CDU noch in der Opposition quasi den nationalen Notstand erklärte, um zusammen mit der AFD eine Migrationswende von der Lame Duck Regierung im Bundestag zu erzwingen?
Da strömte alles, was in dieser Republik sich als laut und bunt definiert, auf die Straße und erklärte aber sowas von, dass dies nur gegen sie und vielleicht sogar nur über ihre Leichen zu machen sei.
Ein paar Monate später setzte die neue Regierung, nur in Koalition mit den allzeit bereiten Genossen von der SPD, deren größtes Talent in ihrer Geschichte ist, noch jeden Grundsatz irgendwelchen Sachzwängen zu opfern, in etwa genau durch, was damals Schwarz-Blau forderte.
Die Grenzen wurden so dichtgemacht, dass jetzt sogar Asylantragssteller umgehend abgewiesen werden, man deportiert, was das Zeugs hält - ohne Rücksicht etwa auf jesidische Verluste - und Jens Spahn lobt den neuen Innenminister öffentlich als "Schwarzen Sheriff". Denn das Ziel, es ist klar benannt: Null "illegale Zuwanderung" und so viele raus wie möglich. Ja, so in etwa wird das auch formuliert: Wenn's um Flüchtlinge geht, wählen CDU-Politiker inzwischen gerne so eine martialische Sprache, die sie sich aus irgendwelchen B-Movies abgeguckt haben.
Und das laute und bunte Deutschland? Wo ist das gerade? Irgendwelche dokumentierenswerten Proteste gegen diese Politik?
Ich habe auf Google mal nachgeschaut und konnte nicht mal eine Petition finden, die die organisierte Zivilgesellschaft in Kooperation mit den hinlänglich bekannten Sängern, Dichtern und Künstlern der Republik an die Regierung adressierte, um ihrer Betroffenheit so Ausdruck zu verleihen und damit mal wieder in die Medien zu kommen.
1993, als der erste große Anlauf stattfand, um Asylrecht - schon damals war, wie der Spiegel titelte das Boot nämlich voll - auszuhebeln, trafen sich wenigsten ein paar Tausend zur Demonstration, um in Bonn vorm Parlament zu protestieren.
Aber heute? Könnte es daran liegen, dass nicht die AFD mit in der Regierung sitzt, sondern Sozen und CDU das AFD-Programm - natürlich nur, um der AFD Wähler abspenstig zu machen, also als Kampf gegen rechts - so eifrig in die Tat umsetzen?
Oder ist man im Herzen gar ein wenig dankbar, dass jetzt härter durchgegriffen wird, weil ja, auch das bemerkten die engagierten Bürgerinnen und Bürger beim grünen Stammtisch schon des Öfteren, so konnte es nicht weitergehen mit all den Flüchtlingen und den dazu gehörenden sozialen und monetären Problemen.
Und außerdem, nicht wahr: In den USA, unter Trump, da ist alles ja noch schlimmer.
(By the way: Zu diesen "Wir sind die Brandmauer"-Dingern hatten vielerorts auch SPD-Gruppen mobilisiert, deren Partei jetzt einmal mehr, jede nur erdenkliche Schweinerei mitträgt, ohne dass es zu Massenaustritten oder namhaften Protesten käme.)