Mittwoch, 14.01.2026 / 11:06 Uhr

Update Proteste 2026: Iran im Aufruhr zwischen digitaler Dunkelheit und staatlicher Gewalt

Brennendes Regierungsgebäude in Teheran

Bild:
X (vormals Twitter)

Das iranische Regime hat seit Tagen eine völlige Internetblockade verhäng geht inzwischen  brutaler gegen Protestierende vor, Oppositionsquellen sprechen von inzwischen über 10.000 Toten.

Die am 28. Dezember 2025 ausgelösten landesweiten politischen Proteste im Iran, die zunächst aus wirtschaftlich begründeten Streiks in Teherans Bazaren entstanden, haben über 14 Tage hinweg die Revolutionsgarden, Sicherheitskräfte und das politische System der Islamischen Republik existenziell herausgefordert.

Die Antwort des Regimes war von Beginn an brutal: Internet- und Kommunikationssperren und die weitgehende Abschaltung des Stroms in großen Städten erschwerten die Mobilisierung und die Berichterstattung über die Ereignisse.

Die Protestierenden werden von den Sicherheitskräften mit militärischen Mitteln ermordet. Sie setzen Maschinengewehre und Pistolen, Schockgranaten, Schrotkugeln, Schlagstöcke, Tränengas, Wasserwerfer und Messer ein. Dies geschieht während das Internet gesperrt ist und in der Dunkelheit der Nacht, um die Verbrechen zu vertuschen.

Berichten zufolge wurden Verletzte aus Krankenhäusern abgeholt – ein Mitglied des medizinischen Personals in einer der südlichen Provinzen Irans berichtete Radio Farda, dass auch Menschen in Krankenhäusern getötet wurden.

Bericht von HRANA über Proteste und Opferzahlen

Bis zum 17. Tag der Proteste wurden laut HRANA 614 Demonstrationen in 187 Städten aller 31 Provinzen registriert. Dabei wurden 18.434 Personen festgenommen, von denen 97 erzwungene Geständnisse veröffentlicht wurden. 1.134 Menschen erlitten schwere Verletzungen.

 

Unter den Protestierenden gab es 2.403 Todesopfer, darunter 12 Kinder. Zusätzlich starben neun nicht protestierende Zivilisten. Bei den Sicherheitskräften und regierungsnahen Kräften wurden 147 Todesfälle verzeichnet, davon mindestens fünf Zivilisten. HRANA prüft derzeit 779 weitere Berichte über mögliche Todesfälle.

Iran International: Bericht über Blutbad am 9.–10. Januar

Mindestens 12.000 Menschen wurden allein am 13. und 14. Protestag getötet, darunter viele Jugendliche, und tausende weitere festgenommen oder spurlos verschleppt. Die Redaktion von Iran International berichtet, dass ihr vorliegende Informationen aus dem Obersten Nationalen Sicherheitsrat und dem Präsidialamt darauf hindeuten, dass das Massaker auf persönlichen Befehl Ali Khameneis erfolgte – mit ausdrücklicher Zustimmung der Spitzen der drei Staatsgewalten sowie auf Grundlage eines direkten Feuerbefehls durch den Obersten Nationalen Sicherheitsrat. Ein Vorgehen, das die Kriterien von Verbrechen gegen die Menschheit erfüllt,

Trotz dieser massiven Repression halten Bazarstreiks und Straßenproteste weiter an. Ein über Starlink übertragenes Video zeigt, wie Demonstrierende am Montagabend, den 12. Januar 2026, in Teheran in der Nähe des Daneshjoo-Parks an der Enghelab-Straße mit Sicherheitskräften zusammenstießen. Dieses Video ist eines der wenigen, die am 15. Tag der Proteste aus dem Iran gelangt sind. Deutlich zu hören sind die Rufe der Demonstrierenden gegen die Sicherheitskräfte: „Komm naxh vorne, komm nach vorne“, sowie die Rufe von Frauen gegen die Revolutionsgarde: „Ehrenlos, ehrenlos“.

Die Demokratische Partei Kurdistans im Iran veröffentlichte ein Video aus Urmia (12. Januar), das Handgemenge zwischen protestierenden Bürgern und Repressionskräften zeigt.

Ein weiteres erschütterndes Video zeigt Dutzende Leichen von Demonstrierenden auf dem Friedhof Kahrisak in Teheran, die den Angehörigen von Regime-Kräften zur Identifizierung gezeigt werden.

Regime-Positionen und Eskalationsrhetorik

Die Führung in Teheran reagiert nicht nur mit physischer Gewalt, sondern auch mit politisch aggressiver Propaganda. Offizielle Vertreter bezeichnen die Proteste als Werk der USA und Israels und behaupten, sie stellten eine Bedrohung für die nationale Sicherheit der Islamischen Republik dar.

 

Bei den vom Regime organisierten Kundgebungen in den Städten wird von einer „Gegenoffensive gegen die Proteste“ gesprochen, während Demonstrierende als „Saboteure und Verräter“ bezeichnet werden.

Arabische Golfstaaten warnen USA vor Angriff auf Iran

Saudi-Arabien, Katar und Oman drängen Washington, einen militärischen Angriff auf Teheran zu vermeiden. Riad versichert Teheran, keinen Luftraum für US-Angriffe freizugeben und führt diplomatische Bemühungen gegen eine Eskalation an. Diese Warnungen spiegeln die wachsende Besorgnis in der Region über mögliche Folgen einer direkten Konfrontation zwischen den USA und dem Iran wider. 

Gleichzeitig warnt das Regime die USA und Israel vor möglichen globalen Vergeltungsmaßnahmen, falls es zu einem militärischen Eingreifen gegen den Iran kommen sollte. 

Ali Laridschani, Sekretär des Nationalen Sicherheitsrats des Iran, erklärte am Abend des Dienstag, 13. Januar, als Reaktion auf die Äußerungen des US-Präsidenten und dessen Aufruf an die iranischen Demonstrierenden: „Trump und Netanjahu sind die Mörder der Iraner.“

Zugleich sendet die Führung widersprüchliche Signale nach außen: Trotz brutaler Gewalt im Inland hat das Regime laut Berichten der Medien Kontakt zur US-Regierung gesucht, um mögliche Verhandlungsperspektiven auszuloten. Dieses doppelte Vorgehen – angebliche Verhandlungsbereitschaft in internationalen Kanälen bei gleichzeitiger massiver Repression im Inland – verdeutlicht die strategische Verzweiflung der Führung und zeigt, dass das Regime versucht, Zeit zu gewinnen, um die Protestbewegung vollständig niederzuschlagen.

UN- und internationale Reaktionen – Verurteilungen ohne spürbare Wirkung auf das Vorgehen des Regimes

Jeremy Laurence, Sprecher des Hohen Kommissariats für Menschenrechte der Vereinten Nationen, sagt: „Wir sind entsetzt über das Ausmaß der Gewalt, die von den Sicherheitskräften gegen iranische Demonstrierende angewendet wird. Berichte sprechen von der Tötung von Hunderten Menschen und der Festnahme von Tausenden durch Sicherheitskräfte im ganzen Iran. Alle Formen von Gewalt und Unterdrückung gegen friedliche Proteste müssen sofort beendet werden. Die Demonstrierenden als Terroristen zu bezeichnen, um Gewalt gegen sie zu rechtfertigen, ist inakzeptabel. Wir fordern die iranischen Behörden auf, unverzüglich jede Form von Gewalt und Repression gegen Demonstrierende einzustellen und den uneingeschränkten Zugang zum Internet und zu Telekommunikationsdiensten wiederherzustellen.“

Philip Bloupion, Exekutivdirektor von Human Rights Watch, sagte mit Blick auf die landesweiten Proteste im Iran und die schwere Repression und Tötung von Iranern durch die Regierung: „Wir fordern den UN-Sicherheits- und Menschenrechtsrat auf, eine Dringlichkeitssitzung zum Thema Iran einzuberufen.“

Fast alle westlichen Regierungen haben außerdem die offensichtliche Gewalt des Regimes gegen die schutzlosen Protestierenden im Iran verurteilt, doch diese Verurteilungen blieben weitgehend symbolisch und wirkungslos.

Europäische Union

Trotz der Massaker an den Protestierenden kündigte die Präsidentin des Europäischen Parlaments, Roberta Metsola, lediglich an, dass die Vertreter der Islamischen Republik keinen Zutritt zu den offiziellen Gebäuden der Union in Straßburg erhalten würden. In einem X-Beitrag schrieb Metsola, das EU-Parlament werde nicht dazu beitragen, „ein Regime zu legitimieren, das sich durch Folter, Repression und Mord an der Macht hält“.

Die EU prüft zusätzlich Sanktionen gegen iranische Verantwortliche, darunter Reiseverbote und Vermögenssperren, die gezielt gegen Personen und Einrichtungen verhängt werden sollen, die an der Repression beteiligt sind.

Gleichzeitig setzt die EU jedoch die Kommunikation und Kooperation mit dem Mullah-Regime fort und verweigert weiterhin die Einstufung der Revolutionsgarden als Terrororganisation. Dabei ist den EU-Vertetern bewusst, dass die Revolutionsgarden zusammen mit Ali Khamenei Verantwortung tragen für Folter, Repression, Mord, Atomraketenprogramme und die Unterstützung von Gruppen wie Hamas, Hisbollah, Houthi und Jihad Islami, deren erklärtes Ziel die Vernichtung Israels ist, und die Unterstützung von Putins Invasionskrieg gegen die Ukraine.

Um ihrer internationalen Verantwortung und den universellen Menschenrechten gerecht zu werden, müssten die EU-Mitgliedstaaten die Botschaften des Regimes schließen, ihre offiziellen Vertreter ausweisen und gleichzeitig die eigenen Botschafter aus Teheran zurückrufen.

Stattdessen nahmen am 12. Januar 2026 die Botschafter Deutschlands, Italiens, Großbritanniens und Frankreichs an einer staatlich organisierten Propagandaveranstaltung des Außenministeriums der Islamischen Republik in Teheran teil, bei der Protestierende diffamiert und kriminalisiert wurden – Menschen, die im Iran für Freiheit und Demokratie kämpfen und dabei ihr Leben verloren haben.

Bundeskanzler Friedrich Merz hat am 13. Januar 2026 öffentlich erklärt, dass er angesichts der massiven Proteste im Iran davon ausgeht, dass das Regime dort in seinen „letzten Tagen und Wochen“ ist und faktisch am Ende stehen könnte. Er sagte, ein Regime, das sich nur noch mit Gewalt an der Macht halten könne, sei „faktisch am Ende“, und drückte seine Einschätzung aus, dass man derzeit den möglichen Niedergang der Führung sehe.

MFFB: Forderungen an die Bundesregierung: Harte Maßnahmen gegen das Regime und Terrorlistung der Revolutionsgarden

Das Mideast Freedom Forum Berlin fordert von der Bundesregierung ein Ende bloßer Verurteilungen und eine konsequente Iran-Politik: Die diplomatischen Beziehungen zum Regime sollen deutlich eingeschränkt, Sanktionen gegen Verantwortliche verschärft und jede offizielle Zusammenarbeit beendet werden. Deutschland soll die iranische Zivilgesellschaft gezielt unterstützen, humanitäre Hilfe leisten und Oppositionelle besser schützen – statt das Regime weiterhin politisch zu normalisieren. Zudem wird gefordert, die iranischen Revolutionsgarden als Terrororganisation einzustufen und ihre Aktivitäten in Deutschland umgehend zu unterbinden.

Trump: Sofortige 25%-Zölle für Länder mit Iran-Geschäften auf US-Handel – unzureichend

Präsident Donald Trump warnte die iranische Regierung wiederholt, die USA würden reagieren, falls das Regime weiterhin gewaltsam gegen Demonstrierende vorgehe. Die vorsätzliche Tötung von Protestierenden bezeichnete er als „rote Linie“, deren Überschreitung ernsthafte Konsequenzen nach sich ziehen solle – ohne Einsatz von Bodentruppen, aber mit politischen und wirtschaftlichen Maßnahmen gegen die Führung in Teheran.

Am 11. Januar 2026 erklärte Trump, der Iran habe den Vereinigten Staaten Verhandlungen vorgeschlagen und man befinde sich im Gespräch über die Vorbereitung eines Treffens.

 

Diese Kontakte sollen durch Steve Witkoff vermittelt worden sein, der seit Ende 2024 als Sonderbeauftragter Trumps unter anderem für den Nahen Osten, den Krieg in Israel und Gaza, die Verhandlungen mit Russland sowie die Atomgespräche mit dem Iran zuständig ist.

Steve Witkoff traf sich am Wochenende heimlich mit dem in den USA lebenden ehemaligen Kronprinzen des Iran, Reza Pahlavi, um die im Iran tobenden Proteste zu besprechen, wie ein hochrangiger US-Beamter mitteilte.

Am 13. Januar 2026 kündigte Trump an, dass von nun an jedes Land, das Geschäfte mit der Islamischen Republik Iran tätigt, einen Zoll von 25 Prozent auf sämtliche Handelsgeschäfte mit den USA zahlen muss.

Gleichzeitig erklärte Trump öffentlich, Treffen mit iranischen Regierungsvertretern seien ausgesetzt, bis die Tötung von Demonstrierenden beendet werde.

Diese Linie bleibt jedoch widersprüchlich und unzureichend. Zölle allein entfalten keine klare politische Richtung, solange parallel die Möglichkeit von Gesprächen offen gehalten wird, etwa über Drittakteure wie Vladimir Putin, der maßgeblich an der Installierung Witkoffs als Trumps "special envoy" war. 

Trotz aller staatlichen Versuche, die Proteste zu ersticken – durch tödliche Gewalt, digitale Abschottung, allgegenwärtige Einschüchterung und gleichzeitige Gesprächssuche mit den USA – bleibt die Mobilisierung großer Teile der Gesellschaft der zentrale Träger dieser Erhebung.

Das Regime interpretiert solche Signale als taktischen Propagandakrieg, nicht als strategischen Druck. Zugleich verleihen über andere Kanäle, etwa über Golfstaaten fortgesetzte Gesprächsangebote dem Regime indirekt politische Legitimität, verwässern die Wirkung bereits allzu harmloser europäischer Maßnahmen und erzeugen in Teilen der iranischen Gesellschaft die Illusion, externe Hilfe werde die inneren Probleme lösen. All dies stabilisiert das Regime eher, als es unter Druck zu setzen.

Eine konsistente amerikanische Politik gegenüber Teheran müsste daher auf klare Prinzipien gestellt werden: keine Verhandlungen mit einem System, das systematisch Verbrechen gegen die Menschlichkeit begeht, stattdessen eine vollständige diplomatische Isolierung der Führung, präzise Sanktionen gegen die Verantwortlichen – einschließlich Ali Khamenei – sowie gegen Repressionsapparate, und die aktive politische Unterstützung der zivilgesellschaftlichen Bewegung „Jin, Jiyan, Azadi / Frau, Leben, Freiheit“ im Iran.

Nur eine solche Linie vermeidet inkonsistente Signale und macht deutlich, dass Gewalt gegen die eigene Bevölkerung keine internationale Akzeptanz finden kann.

Gesellschaftliche Dynamik, die Problematik der sogenannten „Reza-Pahlavi-Alternative“ und Ausblick

Trotz aller staatlichen Versuche, die Proteste zu ersticken – durch tödliche Gewalt, digitale Abschottung, allgegenwärtige Einschüchterung und gleichzeitige Gesprächssuche mit den USA – bleibt die Mobilisierung großer Teile der Gesellschaft der zentrale Träger dieser Erhebung. In vielen Städten und sozialen Milieus hat sich zudem ein Bewusstsein herausgebildet, das politische Autorität nicht mehr als naturgegeben akzeptiert, sondern als veränderbar begreift.

Gleichzeitig zeigt sich im Exil eine zusätzliche Problematik, die die Dynamik im Inneren spürbar beeinflusst. Das Reza-Pahlavi-Ticket verkauft sich als ready-made Machtprojekt und versucht, die heterogene Protestbewegung auf eine monarchische Führungsfigur zu reduzieren. Reza Pahlavi, der nur einen kleinen Teil der Unterstützer innerhalb der über 90 Millionen umfassenden iranischen Bevölkerung hinter sich weiß, hat mit seinem einseitig verkündeten Führungsanspruch und der von seinen Anhänger:innen propagierten Vorstellung einer einzig zulässigen „Einheit“ – gestützt durch Medien wie Iran InternationalManoto sowie ausländische Plattformen wie BILD – erhebliche Zwietracht unter Oppositionskräften erzeugt. Dadurch wurde die Freiheitsbewegung geschwächt und in Teilen zugunsten der Islamischen Republik beeinflusst.

Reza Pahlavis Berater Saeed Ghasseminejad (FDD) sagte im Interview mit der TAZ "Das Volk hat [Pahlavi] zu seinem Anführer gewählt, der diese Revolution leiten soll. Sollten einige Gruppen seine Führung noch nicht anerkannt haben, werden sie dies nach und nach tun. Unweigerlich werden sie sich dem Schwung dieser Volksmehrheit anpassen müssen. Und alle, welche die Islamische Republik überwinden wollen, werden letztlich hinter dieser Führungsfigur stehen müssen." taz, 11.1.2026.

Derartige Aussprüche appellieren eher an die "Irrationalität der widerstandslosen und emsigen Anpassung an die Realität [, die] für den Einzelnen vernünftiger als die Vernunft [wird]" (Theodor W. Adorno: Gesammelte Schriften 3, S. 230f), hier einer mit teuren Kampagnen produzierten projizierten Realität, als nach "pursuit of Happiness" (Declaration of Independence).

Diese kompromisslosen medialen Kampagnen und die Werbung für ein "Gesicht", für die eine als alternativlos konstruierte Führungsfigur, die auch noch als authentisch beworben wird, unterminieren die notwendige Pluralität, beschädigen den Zusammenhalt demokratischer Kräfte, erzeugen Misstrauen und führen zu Spaltungen; zugleich beeinträchtigen sie die internationale Glaubwürdigkeit der Freiheitsbewegung und leugnen ihre Mündigkeit und unüberseh- und hörbare Diversität. Die autoritäre Versuchung einer auf den einen Namen reduzierten, personalisierten Lösung steht im Widerspruch zu den aus den Straßenprotesten hervorgegangenen Forderungen nach universellen Menschenrechten, Rechten von Frauen und Minderheiten sowie republikanischer Selbstbestimmung, Partizipation und Vielfalt.

Ein Artikel in der Jerusalem Post hebt hervor, dass der Iran multiethnisch ist und Kurden, Balutschen, Araber, Aseris und andere Gemeinschaften seit Jahrzehnten von zentralistischen Regimen marginalisiert, kulturell unterdrückt und wirtschaftlich benachteiligt werden. Eine Wiederkehr zu einer zentralisierten Pahlavi-Führung, unter deren Ägide der Schiismus vom Großvater des "Thronanwärters" erst als Staatsreligion installiert wurde, würde diese Strukturen fortsetzen, während Pluralität, Dezentralisierung und das Recht auf Selbstbestimmung für alle Menschen im Iran entscheidend für eine demokratische Zukunft sind.

Globale Solidarität und die Entscheidung der Iraner:innen – Zukunft in ihren Händen der Jin Jiyan Azadi-Bewegung

Unterstützende Demonstrationen weltweit machen deutlich, dass der iranische Aufstand längst nicht mehr nur eine innere Angelegenheit ist, sondern Teil einer internationalen Auseinandersetzung um Menschenwürde und demokratische Selbstbestimmung. Dennoch entscheidet sich der Ausgang im Innern – in Organisation, Ausdauer und Zusammenhalt der gesellschaftlichen Kräfte, die unter dem Motto „Frau, Leben, Freiheit“ eine grundlegende politische Transformation verlangen.

Die kommenden Wochen und Monate werden zeigen, ob internationaler Druck, zunehmende Isolation des Regimes und die Beharrlichkeit der Proteste den gewaltsamen Kurs der Staatsführung brechen können. Ebenso offen bleibt, ob demokratische Kräfte im In- und Ausland autoritäre Ersatzlösungen überwinden und eine gemeinsame, pluralistische Alternative entwickeln. Davon hängt ab, ob der Iran die gegenwärtige Kombination aus digitaler Dunkelheit, physischer Repression und politischer Fragmentierung überwindet – oder in ihr gefangen bleibt.