Update Iran-Proteste 2026, Rasht: Die Nacht, in der der Staat offen mordete
Trumps Versagen: Von „Hilfe ist unterwegs“ zu Appeasement-Gesprächen in Maskat
Die Massaker der Revolutionsgarde und anderer Sicherheitskräfte am 9. und 10. Januar 2026 im Iran an schutzlosen Demonstrierenden zählen zu den schwersten Verbrechen gegen die Menschheit unserer Zeit. Diese organisierten Verbrechen wurden direkt durch den Befehl des Revolutionsführers ausgeübt.
Trotz der vollständigen Abschaltung von Internet und Strom und obwohl europäische und westliche Vertretungen im Iran anwesend waren – wie kann es sein, dass die US-Regierung nicht unmittelbar und auch danach über die Massaker informiert war? Es ist besonders bedauerlich, dass Präsident Trump sich selbst nach diesen Tötungen – bei schätzungsweise 40.000 Ermordeten, tausenden Verletzten, Inhaftierten und Verschwundenen – bei den Teheraner Henkern für die angebliche Aussetzung von 800 Hinrichtungen bedankt hat, während die Ermordungen im Land weitergehen und die gesamte iranische Gesellschaft in tiefer Trauer und Schock versinkt.
Gemäß einem Bericht der französischen Zeitung Le Monde ist die Grausamkeit des Regimes in der Stadt Rasht ein Beispiel dafür, wie Demonstrierende – darunter Kinder, Frauen und ältere Menschen – systematisch mit Schwergewehren, Maschinengewehren, Messern und Macheten angegriffen und ermordet werden.
Rasht, eine Stadt ohne militärische oder strategische Bedeutung, wurde in dieser Nacht zum Schauplatz eines kalkulierten Verbrechens. Zehntausende Menschen hatten sich im historischen Basar versammelt – Arbeiter, Händlerinnen, Jugendliche, Kinder, alte Menschen. Kein bewaffneter Aufstand, keine organisierte Revolte. Ein Protest gegen Armut, Inflation und politische Erniedrigung. Die Stimmung war zunächst friedlich, obwohl die Verbindung zur Außenwelt bereits gekappt war.
Nach dem Bericht änderte sich gegen 20 Uhr die Lage schlagartig. Sicherheitskräfte umzingelten den Basar. Im Einsatz waren reguläre Polizeieinheiten, Kräfte der Revolutionsgarde, Basij-Milizen sowie bewaffnete zivile Agenten in Alltagskleidung. Diese Mischung ist Teil der Methode: Uniformierte sperren ab, die Revolutionsgarde koordiniert, Zivilkräfte schießen. Kurz darauf fielen die ersten Salven.
Ein Augenzeuge sagte: „Ich sah Kinder erschossen, Frauen, alte Menschen. Ich sah, wie sie gezielt auf den Kopf schossen.“
Gezielt wurde auf fliehende Zivilisten geschossen, darunter Kinder, Frauen und ältere Menschen, oft mit automatischen Waffen. Gleichzeitig brach im Basar ein Feuer aus. Wie genau es begann, blieb ungeklärt. Fest steht, dass Feuerwehrleute laut Augenzeugen daran gehindert wurden, den Markt zu betreten. Der Basar, ein Labyrinth aus engen Gassen, verwandelte sich in eine Todesfalle. Menschen, die versuchten, den Flammen zu entkommen, gerieten erneut unter Beschuss.
Bewaffnete in Zivil verfolgten Überlebende in die umliegenden Straßen und eröffneten dort weiter das Feuer. Schüsse kamen aus mehreren Richtungen. Wer stürzte, blieb liegen. Wer half, wurde selbst zum Ziel. Es war kein Chaos, sondern ein arbeitsteilig organisierter Einsatz staatlicher Gewalt.
In den nächtlichen Stunden bis zum 9. Januar brannten Gebäude, Schüsse hallten durch die Stadt, Verletzte wurden in Krankenhäuser gebracht. Viele wiesen gleichzeitig Schuss- und Brandverletzungen auf – ein Befund, der eher an urbane Kampfhandlungen erinnert als an einen Polizeieinsatz. Am frühen Morgen war die Innenstadt von Rasht nahezu zerstört. Leichen lagen auf den Straßen oder waren bis zur Unkenntlichkeit verbrannt.
Nach dem Massaker folgte die Verwaltung des Todes. Augenzeugen berichten, dass medizinische Hilfe und Bergungsarbeiten behindert wurden. In den folgenden Tagen mussten manche Familien Geld bezahlen, um die Leichen ihrer Angehörigen freizubekommen. Andere begruben sie heimlich, aus Angst vor weiterer Repression. Selbst das Trauern stand unter staatlicher Kontrolle.
Menschenrechtsorganisationen bezeichnen die Ereignisse in Rasht als Massaker und mögliche Verbrechen gegen die Menschlichkeit. International blieb es bei ritualisierten Reaktionen. Besorgnis wurde geäußert, Konsequenzen blieben aus. Diplomatische Kanäle blieben offen, als ließe sich über Leichen hinweg zur Tagesordnung übergehen.
Die Menschen von Rasht wollten kein Symbol sein. Sie wollten leben. Der Staat hat entschieden, dass selbst das zu viel ist. Rasht zeigt den iranischen Staat in seinem Kern. Wenn er sich unbeobachtet fühlt, verwandelt er zivile Räume in Schlachtfelder. Die Abschaltung des Netzes war Teil des Mordens, nicht dessen Begleiterscheinung. Wer heute noch von Reformen und Verhandlungen spricht, ignoriert die Toten. Wer Stabilität fordert, meint die Stabilität der Täter. Und wer schweigt, macht sich mitschuldig.
Trumps Versagen
Anfang Januar 2026 erreichen die Proteste im Iran ihren Höhepunkt. Demonstrierende fordern offen Unterstützung aus dem Westen, insbesondere von den USA. Donald Trumps Reaktion schwankt zwischen Drohungen, Rückzügen und letztlich Anpassung an das Regime.
Am 2. Januar erklärt Trump, die Vereinigten Staaten würden eingreifen, sollte das Regime friedliche Demonstrierende töten. „Hilfe ist unterwegs“, lässt er verlauten. Zu diesem Zeitpunkt sind die Abschaltung des Internets und die Mobilisierung der Sicherheitsorgane bereits im Gange.
Am 13. Januar bekräftigt das Weiße Haus, alle Optionen blieben offen. Drei Tage später erklärt Trump, Teheran habe geplante Hinrichtungen von über 800 Demonstrierenden abgesagt, und bedankt sich beim Regime – nach den Massakern an Protestierenden vom 9. und 10. Januar. Die Ermordeten von Rasht werden dabei ausgeblendet.
Am 19. Januar fordert Trump einen Führungswechsel im Iran, allerdings nicht durch äußeren Druck, sondern durch einen angeblich systeminternen Austausch Khameneis. Eine politische Illusion. Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos erklärt er kurz darauf, der Iran wolle verhandeln, die USA seien dazu bereit. Parallel verstärken die Vereinigten Staaten ihre militärische Präsenz im Persischen Golf – als Drohkulisse ohne Konsequenz.
Am 28. Januar erklärt Außenminister Marco Rubio, Washington strebe keinen gewaltsamen Regimewechsel an. Man setze auf politischen und wirtschaftlichen Druck, weitere Militäreinsätze seien nicht geplant. Einen Tag später reduziert Trump seine zuvor 4 gestellten Forderungen auf zwei Punkte: Verzicht auf ein Atomprogramm und ein Ende der Gewalt gegen Demonstrierende. Zugleich betont er erneut die militärische Stärke der USA – ohne sie einzusetzen.
Am 31. Januar fordert Trump erneut Verhandlungen und droht andernfalls mit Konsequenzen. Das Regime antwortet kühl, Gespräche seien nur ohne Drohungen möglich.
Währenddessen bemühen sich Türkei, Saudi-Arabien, die Golfstaaten, Russland, Ägypten und China hinter den Kulissen um Deeskalation – nicht aus Solidarität mit der iranischen Bevölkerung, sondern zur Stabilisierung der Region.
Am 6. Februar kommt es schließlich in Maskat, Oman, zu Gesprächen zwischen Steve Witkoff, den das Wall Street Journal als von Putin für Trump ausgewählten Sondergesandten bezeichnete, Trumps Schwiegersohn Jared Kushner und dem iranischen Außenminister Abbas Araghchi. Thema ist ein neues Atomabkommen.
Merz-Aufruf zu Verhandlungen und weiteren Forderungen
Während eines Besuchs in Doha rief Bundeskanzler Merz die iranische Führung dazu auf, tatsächlich ernsthafte Verhandlungen mit den USA zu führen, um eine weitere militärische Eskalation zu vermeiden. Zudem forderte er, dass Iran sein Atomprogramm einstellt und jegliche zusätzlichen militärischen Bedrohungen reduziert. Deutschland koordinierte sich dabei eng mit den Vereinigten Staaten.
Teherans Außenminister Abbass Araghchi reagierte scharf auf Merz’ Kritik. Er warf dem Kanzler „politische Naivität“ und einen „widerwärtigen Charakter“ vor und kritisierte zugleich die deutsche Position zu anderen Konflikten und Sanktionen.
Was als Trumps „Hilfe ist unterwegs“ begann, endet in von Deutschland und der EU unterstützten Appeasement-Gesprächen mit den Verantwortlichen für Massaker, trotz der jüngst EU-Terrorlistung der Revolutionsgarde.
Trump strebt keinen Sturz des Regimes an, sondern dessen Einbindung. Wirtschaftlicher und militärischer Druck dienen nicht der Unterstützung der Proteste und der Menschen im Iran, sondern der Rückkehr des Regimes an den Verhandlungstisch.
Für die iranische Bevölkerung bedeutet das keine Perspektive. Sie wird weder vergessen noch verzeihen. Nicht ein Atom-Deal ist die Lösung, sondern die Entmachtung Khameneis und der Sturz des Regimes.