Erinnerungen an den Spanischen Bürgerkrieg
Vor neunzig Jahren brach der Spanische Bürgerkrieg aus. Eine Podcast-Reihe erinnert daran und fragt auch nach der Aktualität heute.
Für Spiegelbild Wiesbaden hat Thure Altig mit mit Alex Carstiuc und auch mir über den Spanischen Bürgerkrieg und was er heute noch bedeutet gesprochen.
Ein Teil des Gespräches mit mit wurde auch vom Philosophie Magazin verschriftlicht:
"Herr von der Osten-Sacken, der 17. Juli 2026 markiert den 90. Jahrestag des Beginns des Spanischen Bürgerkriegs. Halten Sie es heute noch für wichtig, sich mit diesem Krieg zu beschäftigen?
Unbedingt. Der Spanische Bürgerkrieg war ein Schlüsselereignis des 20. Jahrhunderts, historisch, politisch und kulturell. Im Juli 1936 putschten Teile des spanischen Militärs gegen die demokratisch gewählte Zweite Republik. Der Umsturz scheiterte zunächst, weil sich große Teile der Bevölkerung, Arbeiterorganisationen und republikanische Truppen den Putschisten entgegenstellten. Daraus entwickelte sich ein brutaler, fast drei Jahre dauernder Bürgerkrieg. Während die Aufständischen unter General Franco umfassend von NS-Deutschland und dem faschistischen Italien unterstützt wurden, erhielt die Republik vor allem Waffenhilfe aus der stalinistischen Sowjetunion. Diese Hilfe war jedoch mit politischem Einfluss verbunden und verschärfte die Konflikte innerhalb des republikanischen Lagers. Großbritannien und Frankreich verweigerten der Republik dagegen wirksame Unterstützung. Im Frühjahr 1939 siegten Francos Truppen. Der Ausgang hätte ein anderer sein können, wenn die westlichen Demokratien die Republik nicht im Stich gelassen hätten. Die Wirkung des Spanischen Bürgerkriegs reicht weit über Spanien hinaus. Bis heute wird auf ihn verwiesen, wenn es um die Frage geht, ob und wie man in einem Krieg Position beziehen muss. Das zeigte sich im syrischen Bürgerkrieg ebenso wie nach dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022, als viele die Ukraine als das Spanien unserer Zeit beschrieben. Der Spanische Bürgerkrieg steht weiterhin für eine Grundfrage politischer Gegenwart: Kann ein regionaler Konflikt globale Bedeutung haben, und wann ist Neutralität selbst eine Form der Parteinahme?
Der Spanische Bürgerkrieg gilt vielen als erster Medienkrieg. Was war daran neu?
Spanien war ein multidimensional aufgeladener Konflikt. Neu war vor allem die Geschwindigkeit. Kriegsberichterstattung gab es natürlich schon vorher, aber im Spanischen Bürgerkrieg entstand teilweise so etwas wie Echtzeitberichterstattung. Besonders eindrücklich zeigt sich das 1936 bei der Belagerung und Bombardierung Madrids. Aus dem Hochhaus der Telefónica, das bis heute steht, schickten Korrespondenten ihre Berichte telegrafisch nach New York, London oder Paris. Ernest Hemingway etwa berichtete von dort, während um ihn herum Madrid brannte und das Gebäude selbst jederzeit getroffen werden konnte. Auf der anderen Seite wurden die Meldungen unmittelbar gelesen. Die Menschen erfuhren also nicht Wochen später, sondern im Moment des Geschehens, dass Madrid bombardiert wurde. Diese Gleichzeitigkeit hatte eine neue Qualität. Heute erscheint uns das selbstverständlich, weil wir Bilder aus Syrien oder der Ukraine nahezu in Echtzeit sehen. Der erste Krieg jedoch, in dem diese mediale Gleichzeitigkeit transnational eine solche politische Wirkung entfaltete, war vermutlich der Spanische Bürgerkrieg."
Das ganze Gespräch ist hier nachlesbar.