Wollte der Mossad Ahmedinejad als neuen Machthaber des Iran installieren?
Die Behauptung, der israelische Geheimdienst Mossad habe versucht, den Holocaustleugner und Vernichtungsantisemiten Mahmoud Ahmadinejad für die Zeit nach einem möglichen Sturz der Islamischen Republik als politischen Akteur zu gewinnen, erscheint angesichts seiner politischen Vergangenheit äußerst fragwürdig. Im Iran würde man über eine solche Darstellung sagen: „Darüber würde selbst ein gegrilltes Huhn lachen“.
Die Geschichte wurde zunächst von der New York Times unter Berufung auf eigene Recherchen und anonyme Quellen veröffentlicht. Bis heute wurden jedoch keine überprüfbaren Belege vorgelegt. Dennoch verbreitete sich die Behauptung rasch in zahlreichen internationalen Medien und sozialen Netzwerken – obwohl außergewöhnliche Behauptungen außergewöhnlich belastbare Beweise erfordern.
Gleichzeitig ist festzuhalten, dass auch diese Berichte keine öffentlich überprüfbaren Beweise für einen solchen Kontakt vorlegen. Vieles bleibt spekulativ. Selbst die Autoren räumen ein, dass endgültige Klarheit erst dann entstehen könnte, wenn israelische oder amerikanische Verantwortliche offiziell Stellung dazu nehmen.
Wem nützt diese Geschichte?
Die entscheidende Frage lautet: Wer profitiert von dieser Geschichte?
Sicher nicht die iranische Freiheitsbewegung und auch nicht Israel. Der größte politische Nutznießer ist vielmehr die Islamische Republik selbst sowie ihre internationalen antiisraelischen und antizionistischen Unterstützer. Die Behauptung vermittelt den Eindruck, Israel wolle ausgerechnet einen der bekanntesten antisemitischen Repräsentanten des Mullah-Regimes wieder an die Macht bringen. Damit wird Misstrauen gegenüber Israel geschürt, während zugleich Ahmadinejads wahre Rolle innerhalb des Regimes verzerrt wird.
Auffällig ist zudem, dass die Regimemedien und die Machthaber in Teheran bis heute zu dieser Geschichte schweigen. Auch dieses Schweigen wirft Fragen auf.
Noch offensichtlicher wird der Widerspruch beim Blick auf die Realität. Ahmadinejad nahm erst vor wenigen Tagen unter dem Schutz des Regimes an der Sitzung des Expertenrats teil und war zuvor bei der Trauerveranstaltung für den ehemaligen Revolutionsführer Ali Khamenei anwesend. Er bewegt sich weiterhin unbehelligt innerhalb der Machtstrukturen der Islamischen Republik. Zudem haben sowohl Ahmadinejad selbst als auch sein Büro die Behauptungen dementiert, darunter auch das Gerücht, er stehe unter Hausarrest.
Wäre an der Geschichte auch nur ein Fünkchen Wahrheit, hätte das Regime Ahmadinejad zumindest wegen des Verdachts der Zusammenarbeit mit Israel umgehend festnehmen und des Landesverrats oder der Spionage für die „Zionisten“ beschuldigen müssen. Stattdessen nimmt er weiterhin an offiziellen Veranstaltungen des Regimes teil und trifft seine Anhänger. Allein dieser Umstand zeigt jedoch, dass Ahmadinejad weiterhin tief in den Machtstrukturen der Islamischen Republik verankert ist und keineswegs als Vertreter einer demokratischen Opposition betrachtet werden kann.
Ahmadinejad ist beim Mullah-Regime und den Revolutionsgarden am sichersten aufgehoben – nicht jedoch bei Israel.
Ahmadinejad: Kein Oppositioneller, sondern Teil des Systems
Offenbar haben die Autoren dieser Geschichte sich von Ahmadinejads populistischen Kritiken am System täuschen lassen, obwohl er stets die Existenz der Islamischen Republik verteidigt hat. Sie haben weder die Ideologie der Islamischen Republik noch Ahmadinejads unreformierbaren fanatischen Antisemitismus und seine kompromisslose Feindschaft gegenüber Israel verstanden. Er gehörte zu den radikalsten Repräsentanten des Regimes, leugnete die Schoa, ließ internationale Holocaust-Karikaturenwettbewerbe im Iran veranstalten, propagierte offen die Vernichtung Israels und trägt politische Verantwortung für schwerste Menschenrechtsverletzungen gegen die iranische Bevölkerung. Sein Platz ist nicht in einer politischen Zukunft des Iran, sondern vor einem internationalen Gericht, wo er sich wegen seiner Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantworten muss.
Selbst wenn Geheimdienste grundsätzlich Kontakte zu politisch problematischen Personen aufnehmen sollten, würde dies nichts an Ahmadinejads persönlicher Verantwortung ändern. Im vorliegenden Fall fehlt jedoch jeder überprüfbare Beleg für die spektakulären Behauptungen über Kontakte zwischen dem Mossad und Ahmadinejad. Selbst wenn es aus geheimdienstlichen Gründen Kontakte gegeben haben sollte, würde dies nichts an Ahmadinejads politischer Verantwortung und seiner Rolle innerhalb der Islamischen Republik ändern.
Ahmadinejads gelegentliche populistische Äußerungen gegen einzelne Funktionäre der Islamischen Republik dürfen nicht mit einem Kampf gegen das gesamte System verwechselt werden. Er hat stets die Existenz des Gottesstaates und das Prinzip der „Velayat-e Faqih“ (Herrschaft des islamischen Rechtsgelehrten) verteidigt. Seine Auseinandersetzungen waren Machtkämpfe innerhalb des islamistischen Herrschaftsapparats und kein Ausdruck eines demokratischen oder freiheitlichen Programms. Die iranische Bevölkerung, die seit Jahren gegen die gesamte Struktur der Islamischen Republik kämpft, darf nicht durch solche Darstellungen getäuscht werden, die einen Vertreter des Regimes fälschlicherweise als reformiert oder als möglichen Teil einer politischen Alternative präsentieren.
Die politische Realität und die Zukunft des Iran
Hinzu kommt, dass im Falle eines politischen Wandels im Iran viele politische Beobachter davon ausgehen, dass bestimmte Kreise innerhalb der Netanjahu-Regierung eher Reza Pahlavi als mögliche Übergangsfigur betrachten würden – und nicht einen ehemaligen Präsidenten der Islamischen Republik.
Auch deshalb bleibt die Vorstellung fragwürdig, Ahmadinejad könne eine legitime politische Alternative für die Zukunft des Iran darstellen.
Eines darf bei alldem nicht vergessen werden: Ahmadinejad ist kein demokratischer Oppositioneller und kein Opfer. Er ist einer der führenden Vertreter eines verbrecherischen Regimes. Propagandistische oder unbelegte Geschichten dürfen niemals dazu beitragen, seine Rolle zu relativieren oder von den Verbrechen der Islamischen Republik abzulenken.
Die iranische Bevölkerung und die „Jin, Jiyan, Azadi“ (Frau, Leben, Freiheit)-Bewegung kämpfen für die Abschaffung eines Regimes, das Hamas, Hisbollah und seine terroristischen Stellvertreter in der Region unterstützt und die Vernichtung Israels zu seinem erklärten Ziel gemacht hat. Sie kämpfen für Freiheit, Demokratie, Menschenrechte und Gleichberechtigung – nicht für die Rückkehr eines Fanatikers und Befürworters der islamistischen Diktatur, der jahrzehntelang zu den tragenden Säulen dieses Systems gehörte.
PS: In einem Interview mit der Jerusalem Post stellt auch der Iran-Experte Beni Sabti die Geschichte von der Rekrutierung Ahmedinejads in Frage:
In my opinion, that is nonsense. There is a difference between a meeting to establish contact and feel things out, and a person enlisting for you. It is possible there were attempts to lure him to Budapest, to show him respect, and to establish contact. But from there to turning him into an agent, I have a problem with that," he said.
Additionally, Sabti expressed doubt over the possibility that Ahmadinejad operated without the knowledge of those around him.
"We speak arrogantly about the Israeli side, but what about his bodyguards? Do you think someone sends Ahmadinejad alone? Aren't there 10 ideologues of the regime around him? It is a little naive to think that way. If he were a Zionist agent, he would not be wandering around Iran now," Sabti said.