Fünf Jahre Talibanregierung: Verheerender geht kaum
Vor fünf Jahren verließen westliche Truppen Hals über Kopf Afghanistan und überließen des Land und seine Bewohner den Taliban. Inzwischen kooperiert die Bundesregierung sogar mit ihnen - um möglichst viele Afghaninnen und Afghanen abschieben zu können.
Fünf Jahre Taliban, und die Resultate könnten verheerener kaum sein. 14 Millionen hungern, darunter Millionen Kinder. Das monatliche Durchschnittseinkommen beträgt kaum mehr als 35 Euro. Vor allem für Frauen ist das Land ein großes Höllenloch. Sie dürfen nicht arbeiten, sie dürfen nicht reisen, sie dürfen nicht in den Park. Frauen schlagen ist legal, solange die Verletzungen nicht zu groß sind. Die Hälfte aller afghanischen Frauen kann das Haus nicht häufiger als zweimal im Monat verlassen.
Fünf Jahre Taliban, das ist das Resultat vor allem einer fundamentalen Kehrtwende der US-Außenpolitik unter Präsident Trump. Am 29. Februar 2020 unterzeichneten die USA und die Taliban das „Agreement for Bringing Peace to Afghanistan" in Doha, ohne die damalige afghanische Regierung auch nur zu konsultieren. In der Folge reduzierten die USA die Luftunterstützung für die afghanische Armee und verstärkten so den Eindruck eines schrittweisen amerikanischen Rückzugs, was erhebliche Auswirkungen auf die Kampfmoral der Truppe hatte. Zudem unterschätzten die amerikanischen (und auch die deutschen) Dienste die Stärke der Taliban massiv. Zwar hatten Militäranalytiker intern gewarnt, dass ohne ausreichende Luftunterstützung ein rascher Kollaps drohe, doch diese Warnungen schlug man in den Wind.
So kam es im August 2021 zu einem überhasteten und chaotischen Rückzug der USA und verbündeter Truppen. Auch die Deutschen waren von den Ereignissen förmlich überrollt worden, Botschaftsmitarbeiter mussten in letzter Sekunde mit amerikanischen Helikoptern evakuiert werden. Zehntausende gefährdete afghanische Ortskräfte blieben zurück, doch sie sollten so schnell wie möglich nachgeholt werden. Verschiedene Aufnahmeprogramme wurden aufgelegt, über die seit 2021 etwa 36.800 Menschen aufgenommen wurden.
Tausende weitere mit verbindlicher Aufnahmezusage haben bis heute keine Einreiseerlaubnis erhalten. Sie wurden vom Auswärtigen Amt mit falschen Versprechungen hingehalten, mussten sich teilweise jahrelang verstecken oder unter prekärsten Bedingungen in Pakistan ausharren, immer in der vagen Hoffung, es könnte doch noch etwas werden mit der sicheren Zuflucht Deutschland. Doch im April 2025 hat die Bundesregierung sämtliche Aufnahmeprogramme gestoppt. Im Juli 2026 entschied das Bundesverfassungsgericht, dass diese pauschale Aufhebung der Zusagen rechtswidrig war.
Inzwischen kooperiert die Bundesregierung mit den Taliban, um immer mehr Menschen - Straftäter und zunehmend auch völlig Unschuldige - in das Terrorreich abzuschieben - eine Politik der Doppelmoral, die zunehmend auch international in die Kritik gerät.
Warum sich diese Bundesregierung so vehement gegen die Aufnahme gefährdeter Afghaninnen und Afghanen wehrt und sich dabei sogar über geltendes Recht hinwegsetzt, ist kaum nachvollziehbar. Schließlich ist auch in konservativen Kreisen längst angekommen, dass es in Deutschland angesichts des demografischen Wandels nicht ohne erhebliche Zuwanderung gehen wird. Daher der Ruf nach "kontrollierter" und "gesteuerter" Migration. Die afghanischen Ortskräfte wären hier geradezu prädestiniert, denn diese Menschen haben erwiesenermaßen im Kampf für die Freiheit und gegen die Islamisten ihr Leben riskiert. Wen wollte man lieber im Land haben als genau solche Leute? Im Übrigen: Nach der schändlichen de-facto-Kapitulation 2021 wäre es ohnehin das Mindeste, diesen verdienten Menschen eine sichere Zuflucht zu bieten.