19.05.2017

21. Mai: Die junge Welt ist tot, es lebe die Jungle World

Heute vor 20 Jahren begann in der damaligen Junge Welt-Redaktion der Streik, aus dem am Ende die „Jungle World“ entstehen sollte. 

 

Am 21. Mai trat die gesamte Redaktion mit Ausnahme von zwei Redakteuren, Holger Becker und Werner Pirker, die sich dem Säuberungskurs des Geschäftsführers Dietmar Koschmieder (DKP) anschlossen hatten, in den Streik und besetzte die Redaktionsräume.

Im Archiv und im Interviewzimmer wurden Isomatten ausgerollt, den ganzen Tag saßen alle zusammen und beratschlagten, wie es weitergehen solle.

Zwei Wochen dauerte diese Besetzung, eine Zeit voller Anspannung, Diskussionen, Kämpfe, Tränen, aber auch bizarrer und lustiger Momente. Solidaritätsbekundungen aus aller Welt trafen ein, man rückte zusammen, zugleich wuchs die Feindseligkeit zwischen den streitenden Parteien.

Den Anhänger Koschmieders wurde der Zutritt zu den Redaktionsräumen verwehrt. Sie zogen in ein provisorisches Büro zwei Stockwerke tiefer. Sie versuchten, die Junge Welt weiter herauszugeben. Auch die streikende Redaktion wollte weitermachen, hatte aber weder Zugriff auf die Abonnentenadressen noch Möglichkeiten für den Druck und den Vertrieb. Die hatte Koschmieder, dem wiederum eine Redaktion fehlte.

So verschickte Koschmieder schließlich „Notausgaben“ der Jungen Welt, ein paar wenige Seiten mit hauptsächlich Agenturmeldungen, an die Abonnennten. Die streikende Redaktion machte eine Streikzeitung, die sie Jungle World nannte, und die als Flugblatt verteilt und die zwei Mal als Beilage in der Taz und im Neuen Deutschland erschien.

#20yearsofjungle

Anmerkung: Für die Qualität der Bilder müssen wir uns an dieser Stelle entschuldigen. Bei den meisten handelt es sich um Stills aus einem Video, das während der Besetzung gedreht wurde.