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Barzani hat beim mir zum ersten Mal bei einem Aufmarsch von ihm und seinem Gefolge durch Erbil bleibenden Eindruck hinterlassen. Schwerbewaffnete Truppen begleiteten seinen Zug durch die Straßen und die Luft war von Helikoptern gefüllt. Das bedrohliche Bild passte zu den Fotos von Barzanis riesigem, militärbewachten Anwesen, die ich aus den Medien kannte.

„Die Einheit des Irak infrage zu stellen, ja sogar Staatsgrenzen neu ziehen zu wollen, ist nicht der richtige Weg und kann eine ohnehin schwierige und instabile Lage nur verschärfen.“ Sigmar Gabriel

Demokratie ist eigentlich recht einfach. Entscheidungen treffen nicht die Stärkeren, die Wohlgeboreneren, die Reicheren oder die Klügeren. Entscheidungen werden vielmehr von denen getroffen, die von ihnen betroffen sind. Über die Straßenverkehrsordnung Berlins muss sich keine Münchnerin den Kopf zerbrechen, das kann sie getrost den Berlinerinnen überlassen; ein unsicheres Atomkraftwerk in Biblis hingegen geht auch die Frankfurterin etwas an, die im Falle eines GAUs evakuiert werden muss.

Über das Dilemma amerikanischer Iran- und Nahostpolitik schreibt Andreas Rüesch in der NZZ:

Das iranische apokalyptische Regime kooperiert eng mit Verschwörungstheoretikern, extrem rechten und antisemitischen Gruppen sowie Neonazi-Organisationen einschließlich Rechtspopulisten im Westen, um seine politisch-religiöse Doktrin zu verbreiten. Im Iran selbst werden Aktivitäten westlicher und iranischer Neonazis und von staatlichen Organen gesteuerte Antisemitismus-Netzwerke (NASR-TV & Nazicenter.com) unverhohlen koordiniert und gefördert.

Um nur einige europäische Protagonisten zu nennen:

der französische Front National,

Für Liebhaber außenpolitischer Transformationsprozesse gibt es bei dieser Wahl nichts zu holen. (K)eine Wahlempfehlung.

Die Hizbollah in ihren eigenen Worten:

A Hezbollah field commander, indicating a map showing the line of neighboring countries Iran, Iraq, Syria, and Lebanon, said the territory now forms a “Shia crescent,” a reference to the branch of Islam that dominates the rule in those countries and echoing Israeli concerns of a corridor from Tehran to Beirut.

Seit vielen Jahren blieb unklar, was es eigentlich mit der deutschen Leitkultur auf sich hat. Es ist schließlich nicht so, dass es anderswo keinen patritiotischen Stumpfsinn gäbe. Und dennoch, man hat es immer geahnt, gibt es das da etwas Spezifisches, das selbst den kleingeistigsten Vaterlandsverehrern anderer Nationen peinlich wäre. Nun aber hat ein Sprecher der Deutschen Bahn die deutsche Leitkultur treffend in einem Satz zusammengefasst:

"Es geht nicht, dass ein Mülleimer durcheinandergebracht wird."

Inzwischen ist es ganz offiziell: In Syrien bekämpfen die USA nur noch den IS und zwar koordiniert mit der syrischen Armee und damit auch mit den Verbündeten, Hizbollah und Iran, nur eben an getrennten Fronten:

Seit Beginn des Bürgerkriegs in Syrien werden dort mehr als 1.600 Palästinenser vermisst und Hunderte weitere wurden getötet. Dennoch ist dies nicht die Art von Nachrichten, die es in die Mainstream-Medien des Westens schafft.

Wäre es nicht so tragisch, fast könnte man von Ironie der Geschichte sprechen: Da war jahrelang aus Kreisen linker und rechter Apologeten des Assad-Regimes zu hören, der syrische Präsident und seine Armee verteidigten das Land und die nationale Souveränität nur gegen fremde Invasoren, die von den USA und Israel unterstützt würden. Es hieß, die Syrer, gemeint war damit natürlich das Regime, müßten ihr Schicksal selbst bestimmen, man sei deshalb gegen äußere Einmischung.

Wenige Tage vor Abhaltung des Referendums in Irakisch-Kurdistan erhöhen vor allem die USA und der Iran den Druck auf die kurdische Regionalegierung. Bestechend die amerikanische Logik: Um die Rolle des Iran in der Region zu schwächen, fordert Washington, was der Iran will.

Diese Entscheidung kommt einer kleinen Revolution gleich:

Tunisia has overturned a law that banned women from marrying non-Muslims.

A spokeswoman for President Beji Caid Essebsi made the announcement and congratulated women on gaining "the freedom to choose one's spouse".

Until now, a non-Muslim man who wished to marry a Tunisian Muslim woman had to convert to Islam and submit a certificate of his conversion as proof.

Mit einiger Verspätung spricht sich auch in hiesigen Medien herum, was auf Mena Watch bereits vor Wochen zu lesen war – wie nämlich die „Sperrung der Mittelmeerroute“ in der Praxis aussieht:

Thomas Erdbrink berichtet für die New York Times über ein Problem, das es eigentlich gar nicht geben dürfte:

In recent years, Iran, where alcohol has been illegal since the 1979 revolution and is taboo for devout Muslims, has taken the first step and admitted that, like most other nations, it has an alcohol problem.