Von Tunis nach Teheran

Für Liebhaber außenpolitischer Transformationsprozesse gibt es bei dieser Wahl nichts zu holen. (K)eine Wahlempfehlung.

Die Hizbollah in ihren eigenen Worten:

A Hezbollah field commander, indicating a map showing the line of neighboring countries Iran, Iraq, Syria, and Lebanon, said the territory now forms a “Shia crescent,” a reference to the branch of Islam that dominates the rule in those countries and echoing Israeli concerns of a corridor from Tehran to Beirut.

Inzwischen ist es ganz offiziell: In Syrien bekämpfen die USA nur noch den IS und zwar koordiniert mit der syrischen Armee und damit auch mit den Verbündeten, Hizbollah und Iran, nur eben an getrennten Fronten:

Seit Beginn des Bürgerkriegs in Syrien werden dort mehr als 1.600 Palästinenser vermisst und Hunderte weitere wurden getötet. Dennoch ist dies nicht die Art von Nachrichten, die es in die Mainstream-Medien des Westens schafft.

Wäre es nicht so tragisch, fast könnte man von Ironie der Geschichte sprechen: Da war jahrelang aus Kreisen linker und rechter Apologeten des Assad-Regimes zu hören, der syrische Präsident und seine Armee verteidigten das Land und die nationale Souveränität nur gegen fremde Invasoren, die von den USA und Israel unterstützt würden. Es hieß, die Syrer, gemeint war damit natürlich das Regime, müßten ihr Schicksal selbst bestimmen, man sei deshalb gegen äußere Einmischung.

Wenige Tage vor Abhaltung des Referendums in Irakisch-Kurdistan erhöhen vor allem die USA und der Iran den Druck auf die kurdische Regionalegierung. Bestechend die amerikanische Logik: Um die Rolle des Iran in der Region zu schwächen, fordert Washington, was der Iran will.

Diese Entscheidung kommt einer kleinen Revolution gleich:

Tunisia has overturned a law that banned women from marrying non-Muslims.

A spokeswoman for President Beji Caid Essebsi made the announcement and congratulated women on gaining "the freedom to choose one's spouse".

Until now, a non-Muslim man who wished to marry a Tunisian Muslim woman had to convert to Islam and submit a certificate of his conversion as proof.

Mit einiger Verspätung spricht sich auch in hiesigen Medien herum, was auf Mena Watch bereits vor Wochen zu lesen war – wie nämlich die „Sperrung der Mittelmeerroute“ in der Praxis aussieht:

Thomas Erdbrink berichtet für die New York Times über ein Problem, das es eigentlich gar nicht geben dürfte:

In recent years, Iran, where alcohol has been illegal since the 1979 revolution and is taboo for devout Muslims, has taken the first step and admitted that, like most other nations, it has an alcohol problem.

Jemen, war da was?

Als the "worst health crisis for a preventable disease in modern times" bezeichnet der Direktor des Internationalen Roten Kreuzes, Robert Mardini, die Cholera Epidemie, die im Jemen wütet.

Ende des Jahres könnten 850 000 Menschen angesteckt sein. Natürlich wird nichts weiter geschehen. Denn der Jemen ist ja nur ein weiteres vergessenes Land und von dort kommen auch so gut wie keine Flüchtlinge.

Je siegessicherer die syrische Regierung wird, je deutlicher beginnt, sie Klartext zu sprechen.

Lange hat es gedauert, aber inzwischen ist das Tabu weitestgehend gebrochen: Fast überall in der sog. islamischen Welt wird über Gewalt gegen Frauen und Mädchen publiziert und gesprochen.

Die Idee der „ethnischen Säuberung“ gehört zum zwanzigsten Jahrhundert ebenso wie Antibiotika und Automobil. Nun finden sich doch durchaus selbsternannte „Islamkritiker“*, die angesichts der Massaker und Vertreibungen in Myanmar dazu aufrufen „auch die andere Seite“ zu sehen. Schließlich handele es sich um einen Konflikt mit Muslimen, gäbe auch radikal-islamistische Elemente und außerdem seien es ja so Unsympathen wie Erdogan und die Seinen, die sich nun am lautesten echauffierten.

Protests following the killing of two Kurdish kolbars, cross-border porters, have continued in Iran and spread to other cities while police authorities issued a statement on the deaths. (...)

Kolbars are frequently harassed by the Iranian authorities and many have been killed. The kolbars are semi-legal porters who carry goods on their backs, across the mountains from the Kurdistan Region to Iran’s Kurdish provinces, which are some of the poorest regions of Iran.