Das Medium - Twitterverbot für Idioten

Genug gezwitschert

Kolumne Von

Um gegen angebliche linke Gewalt zu demonstrieren, pappen Identitäre Plakate ans Berliner Taz-Gebäude und werden dabei ­gegen eine Mitarbeiterin gewalttätig. Frankfurter Polizisten raten einer wiederholt bedrohten Anwältin, sich zu bewaffnen. Und Trump tut das, was Trump eben tut. Auf einen Tweet des Journalistenverbands DJV, in dem Gewalt gegen Journalisten durch »Gelbwesten« thematisiert wird, kommen folgende Antworten: Jemand schreibt sinngemäß, das hätten sie verdient, weil sie nicht volksnah berichteten; ein deutschrussischer Account schreibt von Heuchelei, weil der Verband Russia Today disse; wieder jemand anderes schickt einen Cartoon, in dem Zeitungsleser als Marionetten dargestellt werden, und noch jemand erklärt, der #relotiuspresse glaube man sowieso nix. Ein Montagmittag also – eben einer dieser Tage, an denen man schon vor dem zweiten Kaffee das Gefühl hat, dass es nun reicht und man vielleicht am besten wieder ins Bett gehen sollte. Was nicht geht, denn es muss ja noch dies und das und jenes getan werden, während draußen unermüdlich neue Idio­tien ausgebrütet und stolz verbreitet werden. Nun, dass die Welt deppert ist, ist ja auch keine neue Erkenntnis. Das Problem ist nur, dass sie beständig depperter wird, und zwar beständig im Sinne von beständig und nicht bloß so dahergesagt, weil das Wort so schön ist. Was wirklich schön wäre, wären zwei, besser noch drei idiotiefreie Tage pro Woche, an denen niemand irgendetwas Dusseliges machen und schon gar nicht im Internet verbreiten darf. Und an denen man gemütlich dasitzen und sich um die wirklich wichtigen Dinge kümmern kann, wie die kommende Sommermode, die Auswahl eines geschmack­vollen Handtaschenhalters und das diesmal aber wirkliche Erlernen des Künstliche-Wimpern-Aufklebens.

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