Die preisgekrönte Reportage

Willi war’s

Der deutsche Beitrag zur Mondmission – noch immer fällt er in der offiziellen Geschichtsschreibung unter den Tisch.

Es ist ein windiger Tag und ein windiger Typ, den wir uns für unseren Besuch in Ludwigsfelde-Gröben ausgesucht haben: Willi »Mond-Willi« Zweitfrosch, Bastler, Originalgenie und Physiklehrer im Ruhestand, gilt als einer der wenigen Deutschen, die die Mondlandung vor 50 Jahren nicht nur live im Fernsehen verfolgt, sondern von Anfang an kritisch begleitet haben. »Ich habe den Herren von der Nasa geschrieben: Nicht mit meinem Steuergeld! Und dem mussten sie sich dann schließlich beugen. Sie haben ausschließlich amerikanisches Steuergeld genommen ­dafür!« Dank oder Anerkennung hat er dafür nie bekommen, was ihn bis heute kränkt.

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So wie Mond-Willi geht es vielen: Angesichts des 50. Jubiläums der erfolgreichen Monderoberung fühlen sie ihren historischen Beitrag zur Apollo-Mission geschmälert oder gänzlich beiseite gewischt. Mond-Willis kritische Briefe an Ronald Reagan, der zu diesem Zeitpunkt lediglich Gouverneur von Kalifornien war, erhielt der Absender ungeöffnet zurück. Heute zieren sie, kunstvoll hinter Schnellrahmen ­gesetzt, den Kaminsims von Mond-Willi. »Ich habe keine Ahnung mehr, was da drinsteht«, so der Weltraumbeobachter bockig. »Hab die Dinger nie mehr aufgemacht, aus Protest.« Die Stimme Willis fehlt noch immer in der offiziellen Nasa-Geschichtsschreibung, auf der Homepage der US-Weltraumbehörde steht sein Name nur weit unten und sehr klein, unter »Critical Foreign Contributors«. Für Willi ein schwacher Trost.

Der deutsche Beitrag zur Mondmission – zu oft fällt er in der offiziellen Geschichtsschreibung unter den Tisch. Mond-Willi erinnert daran, dass es sein Design einer zwei­düsigen Mondrakete mit rundem Auspuff war, die letztlich als Grundlage der Saturn-Reihe diente. Das Originaldesign besitzt er immer noch – gezeichnet auf einem Butterbrotpapier. »Das habe ich noch nie ­jemandem gezeigt«, sagt er verschwörerisch, »nicht einmal den Leuten von der Nasa. Sonst könnten die ja beweisen, dass sie das von mir geklaut haben!« Es wird Zeit, die Mondlandung als das zu sehen, was sie ist: ein internationaler Erfolg, amerikanisch finanziert – und angetrieben von pfiffigen deutschen Ideen.