Ermittlungen gegen gewaltbereite Nazis

Razzia bei den braunen Wölfen

Seite 2 – »Bitte kommt nicht jetzt!«

In den Städten Köthen und Gardelegen in Sachsen-Anhalt durchsuchten Polizisten insgesamt fünf Immobilien. Die »Sturmbrigade« soll in dem Bundesland besonders aktiv sein. Das dortige Landes­kriminalamt führt die ­Ermittlungen. Zudem trat die Vereinigung erstmals in Köthen ­öffentlich in Erscheinung. Im September 2018 nahmen Mitglieder in uniformer Kleidung an einer ­dortigen extrem rechten Demonstration teil, die ­wegen eines Todesfalls stattfand, an dem zwei Afghanen beteiligt gewesen waren.

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Eine Obduktion des im Verlauf einer körperlichen Auseinandersetzung mit den Afghanen ums Leben gekommenen 22jährigen Kötheners Markus B. hatte ergeben, dass dieser einem akuten Herzversagen wegen einer kardiologischen Vorerkrankung erlegen war. Die beiden Afghanen wurden im Mai wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu Freiheitsstrafen von einem Jahr und acht Monaten ­beziehungsweise einem Jahr und fünf Monaten, jeweils ohne Bewährung, verurteilt. Das zuständige Landgericht Dessau-Roßlau ging damit über die Forderungen der Staatsanwaltschaft hinaus. Der jüngere der beiden Ver­urteilten wurde am 29. Juli zusammen mit 44 weiteren Ausreisepflichtigen nach Afghanistan abgeschoben.

Die in Köthen vorherrschende Deutung der damaligen rechtsextremen Aktivitäten hält angesichts der Durchsuchungen bei den mutmaßlichen Mitgliedern der »Sturmbrigade« der Realität nicht stand. Zunächst hatten Politiker und Vertreter gesellschaftlicher Gruppen reflexartig versucht, sich und der Öffentlichkeit zu ver­sichern, dass rassistische, nationalistische und neonazistische Ideen und ­Taten lediglich ein »von außen« kommendes Problem seien.

Angesichts der Tatsache, dass die AfD bei den vorangegangen Landtags- und Bundestagswahlen in dem Ort jeweils etwa ein Viertel der Wählerstimmen bekam, war das bereits damals wenig überzeugend. Zum 15. September 2018, einen Tag vor der extrem rechten Demonstration, riefen Stadt und evangelische Landeskirche unter dem Motto »Buntes Zeichen für eine friedliche Stadt« dazu auf, den Marktplatz mit Kreide bunt zu bemalen. Zugleich forderte die Initiative »Friedliches Köthen« auf Facebook: »Bitte kommt nicht jetzt!« ­Gemeint waren damit jedoch nicht etwa die Teilnehmer der extrem ­rechten Kundgebung, sondern Antifaschisten, die gegen diese demon­strieren wollten – die ließen sich davon freilich nicht abhalten.