Die Theorielosigkeit der Klimabewegung

Sie wissen nicht, was sie tun

Seite 2 – Radikalität und Zahmheit

Aus Sicht der Klimaaktivisten ergibt sich damit eine gute Möglichkeit, um politischen Druck aufzubauen. Wenn man davon spricht, die jungen Menschen würden Verantwortung übernehmen, meint dies aber zuerst, dass sie die politischen Entscheidungsträger an ihre Verantwortung erinnern. Tagebaubesetzungen im Rheinischen Revier und Großdemonstrationen in Aachen generieren mediale Aufmerksamkeit. Das ist nicht zu verachten, zumal kaum eine linksradikale Politikform der jüngeren Vergangenheit, von Blockupy bis G20-Protest, mehr als das anzubieten hatte. Aber dieses symbolpolitische Vorgehen gerät in Widerspruch zur selbsterklärten Radikalität und damit zur Ernsthaftigkeit des Anliegens selbst.

Stopp! Klimaaktivisten blockieren die Berliner Oberbaumbrücke.

Bild:
picture alliance / Christoph Soeder
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Dies deutet auf eines der bestimmenden Merkmale der Bewegung hin: Die neue Radikalität in den Forderungen und dem Umfang des po­litischen Protests geht einher mit absoluter Zahmheit und reformistischer Angepasstheit. Dem Anspruch nach geht es ihnen um nicht weniger, als eine drohende Klimakatastrophe zu verhindern, allerdings stehen dafür kaum andere Ideen und Mittel zur Verfügung, als ein bisschen staatliche Intervention wie etwa eine CO2-Steuer oder Emissionshandel.

Um den Widerspruch zwischen radikalem Image und realpolitischen Forderungen auszuhalten, darf es explizit keine ideologischen Grundlagen geben. Aber nicht einfach nur im Sinne des fadenscheinigen Bekenntnisses, weder links noch rechts zu sein (womit Luisa Neubauer von »Fridays for Future« schon vorpreschte), sondern als die tatsächliche Abwesenheit einer kohärenten Position oder Sichtweise. Statt einer notwendig komplizierten Analyse grassiert der Bezug auf die scheinbar unmittelbaren Wahrheiten und Einsichten, wie etwa eine angeblich bevorstehende Apokalypse.