Die Theorielosigkeit der Klimabewegung

Sie wissen nicht, was sie tun

Seite 5 – Harmlose Aktivisten, zynische Kritiker

Eine solche Theorie fehlt nicht nur der Klimabewegung. Diese ist vielmehr Symptom einer umfassenderen Theorielosigkeit, die sich etwa zeigt, wenn sich die Sozialphilosophinnen Nancy Fraser und Rahel Jaeggi in Buchform über den Kapitalismus unterhalten, sich dabei vollends einig sind, dass viel zu wenig über den Kapitalismus gesprochen wird, nur um dann festzustellen, dass sie selbst nicht so genau wissen, was darunter eigentlich zu verstehen sei.

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Gerade an den Universitäten wurde die Suche nach dem bestimmenden Zusammenhang der Gesellschaft schon lange aufgegeben – entweder mit der Begründung, ein solcher Zusammenhang sei der vermeintlichen Überkomplexität der spätkapitalistischen Gesellschaft generell nicht angemessen, oder aber, weil Marx im »Kapital« eh schon alles beantwortet habe, eine Sicht, die die theoretische Arbeit allein auf marxologische Spitzfindigkeiten reduziert.

Das Problem der Theorielosigkeit zeigt sich als Harmlosigkeit der ­Aktivisten und als Zynismus ihrer Kritiker. Statt sich aber im Zynismus einzurichten, sollte die Kritik an der Gedanken- und Handlungs­form des Klimaaktivismus dazu anhalten, die gesellschaftstheoretische Herausforderung, die ungelöst bleibt, anzunehmen. Denn so, wie sich die Falschheit des Aktivismus an seiner theoretischen Unzulänglichkeit zeigt, misst sich wiederum die Richtigkeit theoretischer Kritik ausschließlich daran, ob sie dazu taugt, ihren Gegenstand zu verändern.