Solidaritätskampagne »Rise up for Rojava«

»Symbol der Hoffnung auf eine bessere Welt«

Rojava wird nicht nur an der Grenze zur Türkei verteidigt, sondern auch in Europa, sagt Lukas Hoffmann von der Interventionis­tischen Linken Berlin. Im Interview spricht er über die Solidaritätskampagne »Rise up for Rojava«.

Was ist das Ziel Ihrer Kampagne? 
Mit der Kampagne koordinieren wir die internationale Solidarität mit Rojava. Wir fallen Erdoğan in den ­Rücken, wir werden alle Unterstützer des AKP-Regimes blockieren und stören. 

Anzeige

Wieso ist es wichtig, dass sich in Europa Menschen mit Rojava solidarisieren? 
Rojava wird nicht nur an der Grenze zur Türkei verteidigt, sondern auch in Europa. Viele Menschen sind entsetzt über den abscheulichen Verrat des Westens, der den Weg frei gemacht hat für den Krieg der Türkei. Die Kämpferinnen und Kämpfer der Syrischen ­Demokratischen Kräfte (SDF) haben für uns den Kopf hingehalten im Kampf gegen den IS. Für viele Menschen ist Rojava Symbol einer Hoffnung auf eine bessere Welt. In Rojava erkennen wir unseren Wunsch nach dem Ende des Patriarchats, nach Klimagerechtigkeit, nach echter Demokratie. 

Was ist die Bilanz der bisherigen Arbeit eurer Kampagne? 
Europa unterstützt die Türkei mit Waffen. Deshalb haben wir bei den internationalen Aktionstagen am 6. und 7. September in vielen Ländern Rüstungs­konzerne blockiert, zum Beispiel die Fabrik von Rheinmetall in Unterlüß. Am Tag nach dem Einmarsch sind in ganz Europa Zehntausende Menschen auf die Straßen gegangen, um Rojava zu verteidigen.

Haben die Aktionen internationale Aufmerksamkeit erregt?
Ja, inzwischen kann niemand mehr die Augen vor diesem Verbrechen verschließen. Unsere Antikriegsbewegung wächst jeden Tag und wir machen weiter, bis der Krieg vorbei und die AKP gestürzt ist. 

Wieso ist Rojava der Türkei ein Dorn im Auge? 
Die Existenz des türkischen Staats basiert auf der Verleugnung der Kurden und anderer Bevölkerungsgruppen, denn so wie jeder Nationalstaat basiert auch die türkische Republik auf der Lüge eines homogenen Volks. Diese Lüge hat zu viel Verfolgung und Unterdrückung geführt. In Rojava wurde eine wirkliche Alternative zum Nationalismus entwickelt. Außerdem bröckelt das AKP-Regime, deshalb versucht es, sich mit weiteren Kriegen an der Macht zu halten. 

Welche Rolle spielt die EU in diesem Konflikt und was könnte sie konkret gegen den Krieg tun? 
Die EU und die Bundesregierung spielen ein doppeltes Spiel. Sie äußern scheinheilig Besorgnis, aber in Wahrheit halten sie Erdoğan den Rücken frei. Die Türkei war gerade für die Bundesrepublik immer ein strategischer Partner. Solange diese Partnerschaft nicht beendet ist und stattdessen die linke Opposition in der Türkei unterstützt wird, bleibt alle Kritik nur Lippenbekenntnis. Die EU muss sofort alle Rüstungsexporte endgültig einstellen, den schmutzigen Flüchtlingsdeal kündigen, wirksame Wirtschaftssanktionen gegen das AKP-Regime verhängen und die Verfolgung der kurdischen Freiheitsbewegung beenden.