Hundefreundlichkeit und ein Plätzchen für Merkel

Hunde im Hotel

Cocolumne
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So fies! Alle auf eine. Ulf Poschardt von der Welt, das ZDF, die FAZ, die Zeitung Bild: alle fallen – wieder einmal – über Angela Merkel her, machen sie für die Krise der CDU verantwortlich. Auch der Spiegel kommentiert: »Merkel sollte gehen.« Das ist die Spiegel-Version von »Merkel muss weg!« (Pegida/AfD) Dabei ist sie längst gegangen und es ist offensichtlich, dass das Theater vielmehr von den teils unfähigen, teils machtgeilen Pappnasen veranstaltet wird, die sich aus Dummheit oder Bosheit ins von ihnen selbst erzwungene ­Merkel-Vakuum pressen. Mit Merkel als Parteivorsitzender hätte es das Thüringer Chaos nicht gegeben. Das ist eine gewagte These, aber weniger gewagt, als zu behaupten, es sei wegen ihr entstanden, wie es jetzt viele tun. Je deutlicher wird, wie sehr Merkel fehlt, desto weniger Merkel friendly-Räume gibt es.
Dieses Begriffsgebilde lernt man als Hundehalter, wenn man mit seinem Vierbeiner Ferien macht. Da stößt man auf die Bezeichnung dog friendly. Also so wie gay friendly, nur eben für Hunde. Hotels und Restaurants, die damit werben, haben zumindest nichts gegen Homosexuelle oder eben Hunde. Das ist doch schon mal schön. Man möge sie bitte draußen anleinen und ihre Exkremente ordentlich entsorgen, ansonsten seien sie aber willkommen im »Best Western Niagara Falls« oder im Grödnertal in Südtirol. Dies betrifft natürlich nicht die gays, nur die dogs. Ebenso wie die Regel, dass diese in der Seilbahn zum Berg einen Maulkorb tragen müssen. Damit sieht Coco, ganz gegen ihre Gewohnheit, richtig gefährlich aus. Es geht aber auch ohne, so eng sieht man’s hier nicht, denn die Italiener sind ja eh sehr dog friendly. Die Plattform Tax2Airport hat alle europäischen ­Angebote auf Booking.com daraufhin überprüft, ob Hunde erlaubt sind, und kam zum Ergebnis, dass die hundefreundlichsten Destinationen – in dieser Reihenfolge – Italien, Russland, Polen und Kroatien sind.

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Aber auch wenn die Fahrt in der Seilbahn für den Hund kostenlos ist, für’s Hotelzimmer muss er blechen. Fünf bis 25 Euro Zuschlag je Nacht sind keine Seltenheit. Bei einem dog friendly-Hotel kann man immerhin davon ausgehen, dass ein Begrüßungsleckerli und ein Trinknapf im Zimmer bereitstehen. Dass der Hund mit ins Restaurant oder in die Hotelbar darf, ist damit noch nicht gesagt. Arthur Schopenhauers Pudel Butz durfte im Speisesaal des »Englischen Hofs« auf einem Stuhl am Tisch Platz nehmen, während der Philosoph zu Mittag aß. Gäbe es das Hotel in Frankfurt noch, würde es heute ganz sicher mit der Bezeichnung dog friendly werben. Butz war allerdings auch selbst berühmt. Er hat sogar einen ­eigenen Wikipedia-Eintrag. Coco hingegen muss im Hotelzimmer bleiben, während ihre Menschen am Buffet sind. Und Merkel? Gibt es kein Zimmer mehr für sie? Nicht einmal in der SPD?