»Have We Met«, das neue Album von Destroyer

Vom wegweisenden Glitzern im Dunkel

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Auf seinem zwölften Album unter seinem Künstlernamen Destroyer vereint der Kanadier Dan Bejar den Crooner und den Dichter in sich. Launisch näselnd sinniert er über Schatten und Licht, über Helligkeit und Dunkelheit und die Überforderung, beides miteinander in Einklang zu bringen. »When lightning strikes twice the funeral goes completely insane«, singt er gleich im ersten Song »Crimson Tide«. Zu viel Licht verunsichert den Menschen selbst in seinen düstersten Stunden – also dann, wenn er das Licht am meisten gebrauchen könnte.

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Bejar tastet sich auf der Suche nach Antworten durch das Dunkel. Stößt er auf Licht, wird er davon geblendet oder mit Anblicken konfrontiert, die ihm nicht ganz so gut gefallen. »Just look at the world around you«, fordert er seine Hörer in »The Raven« auf, wie man es von mutmachender Popmusik gewohnt ist. Doch nachdem er das Licht anschaltet hat, überlegt er es sich schnell anders. »Actually, don’t look«, schiebt er hastig hinterher.

Um seine Suche zu illustrieren, verwendet Bejar introvertierten Ambient-Sound, der von extrovertierten Funk-Grooves unterstützt wird. Der Glitzer des Glam Rock im Stil der frühen Roxy Music blinkt auf wie ein Wegweiser im Dunkeln. Seinem Reiz kann selbst die Helligkeit nichts anhaben. »You’re looking good in spite of the light«, heißt es dazu passend in »It Just Doesn’t Happen« und die Synthesizer-Melodie springt umher wie das Funkeln der Lichter am klaren Himmel einer stillen Nacht.

»Have We Met« verlässt den ausgetretenen Pfad der popkulturellen Selbstfindung und fragt lieber nach dem Drumherum, das diese Suche überhaupt erst notwendig zu machen scheint. »I find the silence unbearable«, singt Bejar weiter. Darum macht und hört man Musik. Doch die vielleicht wichtigste Frage wird dabei gern ausgeklammert: »What does that say about the silence?«

Destroyer: Have We Met (Merge Records)