Die Vorbereitungen eines Konzerts von Tim Bendzko

Coronaparty im XXL-Format

Die preisgekrönte Reportage Von

»Ich bin doch keine Beatmungsmaschine«, singt die sonore, dolbyverstärkte Jungmännerstimme aus den großen Lautsprechern, »Ich bin ein Herd aus Infektion; und ich will leben, leben! Selbst auf der Intensivstation!« Es sind aufregende Tage für den Sänger Tim Bendzko, der sein neues, brandaktuelles Lied auf der Bühne probt. Wissenschaftler der Universität Halle wollen mit ihm einen aufregenden Menschenversuch starten.

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Ein Großversuch in der Quarterback-Arena Leipzig soll darüber Aufschluss geben, wie schnell man Großveranstaltungen in Stadien trotz Pandemie wieder stattfinden lassen kann. Sie wollen wissen: Wie viele Menschen gehen freiwillig zu einem Tim-Bendzko-Konzert, wenn sie die Chance haben, dabei Opfer einer lebensgefährlichen Seuche zu werden?

Nigel Fleischwart ist Lockerungsbeauftragter des Landes Sachsen und dafür zuständig, dass die im Freistaat so beliebten Massenveranstaltungen wie Fackelmärsche, Fahnenaufzüge und Kameradschaftsabende wieder in vollem Umfang stattfinden können. »Am besten ein Konzert, sonst kommen die Leute noch auf dumme Ideen, wenn sie die ganze Zeit zu Hause bleiben«, lacht Fleischwart. Mit einer kräftigen Umarmung begrüßt er Tim Bendzko, der soeben aus dem Studio gekommen ist; beide tauschen dabei bereits routiniert unzählige Flüssigkeitspartikel aus. »Ein erster Test! Wenn Tim die Vorbereitungen zu seinem Konzert überlebt, dann sicher auch das Konzert selbst.«
Die Musik Bendzkos wurde für das Massenexperiment ausgewählt, weil sie eine ganz besondere Wirkung auf den menschlichen Organismus habe, so Fleischwart: »Schon nach den ersten Minuten stellt sich eine tiefe Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit ein.

Das Immunsystem fährt herunter, Viren und Erreger haben freien Zugriff!« Die Musik des Sängers ist aber noch aus anderen Gründen interessant: »Es handelt sich um Konzerte, bei denen niemand mitsingt, weil die Texte allen so peinlich sind. Das sorgt für deutlich we­niger Aerosole in der Luft.«

Welche Erkenntnisse wird »Event Zero«, wie das Konzert inoffiziell genannt wird, liefern? »Wir hoffen natürlich, dass uns die Studien in unserem Öffnungskurs ermutigen«, sagt Fleischwart. »Falls sie das nicht tun, dürfen uns die feinen Herrn Wissenschafter gerne die Karten bezahlen, die sie sich vorher für ihre Töchter haben reservieren lassen.«


Aus der Urteilsbegründung: Leo Fischers preisgekrönte ­Reportagen sind in hohem Maße fiktiv. Ähnlichkeiten mit realen Personen und Geschehnissen sind unbeabsichtigt.