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In Düsseldorf und Köln hat der Crack-Konsum stark zugenommen
Eine absurde Situation
In Düsseldorf und Köln hat der Crack-Konsum stark zugenommen. Die Oberbürgermeister der Städte wollen den Handel mit kleinen Mengen legalisieren. Die Drogenhilfe ist dafür, die Landesregierung skeptisch.
Wie in anderen Großstädten hat auch in Düsseldorf und Köln der Konsum der Droge Crack stark zugenommen. »Wir haben 2016 zum ersten Mal in dem Drogenkonsumraum, den wir betreiben, mit Crack zu tun gehabt«, sagte Michael Harbaum von der Drogenhilfe Düsseldorf der Jungle World. Einer der Vorteile von Drogenkonsumräumen sei, dass man früh Trends mitbekomme. »Waren es damals 210 Drogenkonsumvorgänge im Jahr, hat sich die Zahl bis 2025 auf 38.000 Drogenkonsumvorgänge gesteigert«, teilte der Sozialpädagoge mit.
Auch in Köln hat die Polizei festgestellt, dass sich die offene Drogenszene durch die Verbreitung von Crack enorm verändert: »Crack-Konsum führt bei vielen Konsumenten zu einem extremen körperlichen und psychischen Verfall. Die Szene wirkt gestresster, in Teilen auch aggressiver.« Das belaste den öffentlichen Raum, teilt die Polizei auf Anfrage der Jungle World mit.
Das durch die Sucht verursachte Elend bleibt den Bürgern nicht verborgen: Crack bestimmt das Stadtbild.
Schon bei der Kommunalwahl im vergangenen Jahr war der Umgang mit der Droge eines der wichtigen Themen, denn das durch die Sucht verursachte Elend bleibt den Bürgern nicht verborgen: In Köln im Bereich des Heumarkts und in Düsseldorf in der Nähe des Hauptbahnhofs prägen Dealer, verelendete Abhängige, die oft aggressiv sind, und der offene Konsum das Stadtbild.
In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung regen die Oberbürgermeister der beiden Städte, der Düsseldorfer Stephan Keller (CDU) und der Kölner Torsten Burmester (SPD) an, dass in ihren beiden Städten erstmals der Mikrohandel der Droge toleriert werden könnte, also der Handel mit kleinen Mengen. Beide Politiker orientieren sich dabei am sogenannten Zürcher Modell.
Vorbild Zürcher Modell
»Eine suchtfreie Gesellschaft ist nicht realistisch«, schrieb die Verwaltung der Schweizer Stadt bei der Vorstellung ihres Konzepts, das das Ziel hat, die negativen Auswirkungen von Drogen und Sucht auf die Gesellschaft zu minimieren, betroffene Menschen zu stabilisieren und ihre soziale und gesundheitliche Situation zu verbessern.
Das Zürcher Modell umfasst vier Elemente. Das erste ist die Prävention: Aufklärung und Beratung sollen verhindern, dass Menschen überhaupt abhängig werden. Zweitens soll es Therapieangebote geben – von der psychosozialen Beratung bis zur stationären Entwöhnung. Drittens soll Schaden minimiert werden: Dabei helfen Drogenkonsumräume, Drugchecking-Angebote und aufsuchende Sozialarbeit. Ziel ist es, die gesundheitlichen und sozialen Folgen des Drogenkonsums zu begrenzen. In diesem Rahmen wird auch der Handel mit kleinen Mengen Crack toleriert. Das vierte Element ist die Repression: Polizei und Justiz verfolgen weiterhin den illegalen Drogenhandel. Jedoch soll nicht mehr der Konsument, sondern die organisierte Kriminalität bekämpft werden, also jene, die für die Herstellung, den Transport und den Verkauf der Drogen verantwortlich sind.
Michael Harbaum von der Drogenhilfe war in Zürich und hat sich die Entwicklung dort angeschaut. »Den Menschen geht es einfach viel besser«, sagte er. »Das ist für mich das entscheidende Kriterium.«
Nach Ansicht Burmesters und Kellers hat Zürich im Umgang mit Crack einen gangbaren Weg gefunden. »Nach den Zürcher Erfahrungen sind wir aber sicher, dass der Mikrohandel das entscheidende Element ist, um die Lage zu beruhigen und unter Kontrolle zu halten«, sagte Düsseldorfs Oberbürgermeister Keller der Frankfurter Allgemeinen.
Auch Harbaum spricht sich dafür aus, den Mikrohandel in den Räumen der Drogenhilfe zu tolerieren. Das sei eine Möglichkeit, das Elend der Abhängigen zu verringern: »Nutzer bringen kleinere Mengen Drogen mit und geben sie innerhalb der Einrichtung weiter. Dadurch verschwindet ein Teil des Drogenhandels von der Straße.« Das entlaste den öffentlichen Raum, sagte Harbaum. Man könne jedoch kritisieren, dass damit ein gesellschaftliches Problem aus der Öffentlichkeit verdrängt würde und die Konsumenten einen Teil des Drogenhandels selbst übernähmen. Zudem gibt es ein rechtliches Problem: Nach Paragraph 29 des Betäubungsmittelgesetzes ist es strafbar, illegale Drogen zu handeln oder in den Verkehr zu bringen. Die Polizei müsste eingreifen, wenn sie davon wüsste.
Der Jungle World teilte die Kölner Polizei mit: Das Problem sei, dass in einem Drogenkonsumraum schwerstabhängigen Menschen mit erheblichem körperlichem Suchtdruck der Konsum in sauberer Umgebung ermöglicht werden soll. »Die dafür notwendigen Drogen können die potentiell schwerstabhängigen Menschen aber unter den geltenden rechtlichen Rahmenbedingungen nicht legal erwerben.« Das sei eine absurde Ausgangssituation.
Kölns Polizeipräsident Johannes Hermanns regte daher eine Debatte über Rechtsänderungen an. »Ein Lösungsweg könnte sein, bei ärztlich festgestellter Schwerstabhängigkeit auch die ärztlich verordnete Abgabe von Drogen in einem solchen Rahmen zuzulassen.«
Die schwarz-grüne Landesregierung Nordrhein-Westfalens steht all dem skeptisch gegenüber. Dem WDR teilte der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) auf Anfrage mit, er sehe zwar den Unterstützungsbedarf für schwerst drogenabhängige Menschen und befürworte Drogenkonsumräume, zugleich stehe er der Idee des Mikrohandels aber »sehr kritisch gegenüber«. Für die Drogenbeschaffung gebe es »in Deutschland aus guten Gründen keinen legalen Weg«.
Ähnlich äußerte sich auch sein Kabinettskollege, Innenminister Herbert Reul (CDU), der auch ein Gegner der Teillegalisierung von Cannabis ist. Auch er betonte im WDR, dass jeder Handel mit Betäubungsmitteln strafverfolgungspflichtig sei. Wolle man dies ändern, wäre eine »sehr gründliche Debatte« nötig. Für die betroffenen Menschen könne der Mikrohandel ein Weg sein; was die Bekämpfung der Drogenkriminalität betrifft, habe Reul jedoch seine Zweifel an diesem Konzept.
