Beiträge zu Sowjetunion

Georgij Kasianow
2022/51 Interview Georgij Kasianow, Historiker, über die Einstufung der Hungerkatastrophe in der Ukraine 1932 und 1933 als Genozid

»Das aufrichtigste Gedenken an die Opfer kommt von unten«

Der Begriff Holodomor (Ukrainisch für »Tötung durch Hunger«) ­bezeichnet die vom sowjetischen Diktator Josef Stalin gezielt eingesetzte Hungersnot in den Jahren 1932 und 1933 in der Ukrainischen Sozialis­tischen Sowjetrepublik. Um ihr Industrialisierungsprogramm zu finanzieren und ihre Macht in der Sowjetrepublik zu festigen, zwangskollek­tivierten die Bolschewiki die Landwirtschaft, legten der Bauernschaft unerfüllbar hohe Abgabequoten auf, bei deren Nichter­füllung sie ihnen Vorräte und Saatgut entzogen, und hinderten sie mit Gewalt an der Flucht in die Städte. Es starben rund vier Millionen Menschen. Seit 1991 kämpft die Ukraine für die internationale Anerkennung der Hungersnot als Völkermord. Der Bundestag hat Ende November mehrheitlich für den von den Regierungsfraktionen und der Fraktion der CDU/CSU eingereichten Antrag gestimmt, den Holo­domor als Genozid einzustufen.
Léon Poliakov
2022/49 dschungel Auszug aus dem Buch »Von Moskau nach Beirut«

Jungle+ Artikel Von Moskau nach Beirut

In seinem 1983 veröffentlichten Aufsatz »De Moscou à Beyrouth. Essai sur la désinformation« beschreibt der französische Historiker Léon Poliakov den gesellschaftlichen Wandel, der zu einer immer offeneren und aggressiveren Agitation gegen Israel geführt hat. Er zeigt, wie sich die voreingenommene Ablehnung des Judenstaats als neue Aus­drucksform des antijüdischen Ressentiments etabliert hat und in der Gleichsetzung Israels mit dem »Dritten Reich« mündet. Sein Augenmerk gilt dabei dem Antisemitismus »von links«, vor dem Jean-Paul Sartre bereits 1953 gewarnt hatte. Auszug aus dem Buch »Von Moskau nach Beirut. Essay über die Desinformation«, das jetzt erstmals in deutscher Übersetzung vorliegt.
Siedesdenkmal Riga
2022/35 Disko Zwei Auseinandersetzungen mit dem Abbau des sowjetischen Siegesdenkmals in Riga

Jungle+ Artikel Zwischen den Fronten

Der Krieg in der Ukraine verschärfte in den baltischen Staaten die Konflikte um den Umgang mit der sowjetischen Geschichte. Vielerorts werden Denkmäler entfernt, die als Überbleibsel der sowjetischen Herrschaft gelten. In Riga sorgte der Abriss des monumentalen Denkmals an den Sieg über die Nationalsozialisten für hitzige Debatten.
Sowjetische Kriegsgefangene bedecken am 1. Oktober 1941 ein Massengrab nach dem Massaker von Babyn Jar
2022/11 dschungel Imprint: Mark Donskojs Film »Die Unbeugsamen«

Jungle+ Artikel Blick in den Abgrund

1945 wurde in Moskau Mark Donskojs Film »Die Unbeugsamen« uraufgeführt. Eine zentrale Szene wurde in Babyn Jar in Kiew gedreht, dem Schauplatz des größten einzelnen Massakers im Zuge des »Holocaust mit Kugeln«. Es war der weltweit erste Spielfilm, der die Vernichtung der jüdischen Bevölkerung im Zweiten Weltkrieg darstellt. Genau deshalb verschwand er in der Sowjetunion innerhalb kürzester Zeit in den Archiven.
2017/34 Interview Gideon Remez, Journalist, im Gespräch über die Rolle der Sowjetunion in den Kriegen zwischen Ägypten und Israel

»Sowjetische SAM-Raketen wurden zum Abschuss israelischer Flugzeuge benutzt«

Gideon Remez ist ein israelischer Journalist und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Truman Institute der Hebrew University of Jerusalem. Zusammen mit seiner Kollegin Isabella Ginor veröffentlichte er am 1. August das Buch »The Soviet-Israeli War 1967–1973: The USSR’s Military Intervention in the Egyptian-Israeli Conflict« (Hurst (UK)/Oxford University Press (USA), 2017), das sich mit der Rolle der Sowjetunion in den Kriegen Ägyptens gegen Israel beschäftigt. Ihr vorher gemeinsam publiziertes Buch »Foxbats over Dimona: The Soviets’ Nuclear Gamble in the Six-Day War« (Yale University Press 2007) gewann die silberne Medaille des Washington Institute for Near East Policy.