Gut gelaunt entlassen

ich-ag der woche

Anzeige

Am gleichen Tag, an dem der neue deutsche Papst im handgefertigten, 300 000 bis 400 000 Euro teuren Papamobil von Mercedes durch Köln rollte, verkündete der Daimler-Chrysler-Konzern einen Führungswechsel bei der Mercedes Car Group. Wer spürte da nicht den Aufschwung, zum Greifen nah?

Zum vorläufigen Nachfolger von Eckhard Cordes wurde Dieter Zetsche gekürt, der auch Jürgen Schrempp als Vorstandsvorsitzenden des Gesamtkonzerns ablösen soll. Für Stimmung im Laden ist somit gesorgt: Zetsche gilt als gut gelaunter Mensch, auf seinem Anrufbeantworter in Detroit soll ein flotter Rap zu hören sein. Dort kreierte er auch die »Zetsche-Kur« (Die Welt), mit der Chrysler nach der Krise wieder »schlanker, produktiver und vergleichsweise ertragsstark« wurde. Der »good guy« brachte 40 000 Menschen nach der Schufterei im Autowerk dazu, neue Pläne zu schmieden.

Bereits zuvor hat die »Geheimwaffe der Zentrale« (Süddeutsche Zeitung) in verschiedenen Werken des Konzerns in aller Welt für gute Laune gesorgt und an seinen Behandlungsmethoden gefeilt. Übermütig wurde er dennoch nicht. Schließlich war er »Marketingchef bei Mercedes, als die A-Klasse durch den legendären ›Elch-Test‹ fiel. Ein solches PR-Desaster lehrt Demut« (Financial Times Deutschland). Da Jürgen Schrempp sich vom »Manager des Jahres 1998« zum »Schlechtesten Manager des Jahres 2004« (Business Week) herunterarbeitete und die Mercedes Car Group unter Cordes im vergangenen Jahr nur noch 1,7 Milliarden Gewinn verbuchen konnte, beerbt Zetsche nun beide Spaßverderber.

Nur die deutsche Wirtschaftspresse hat trotz allem Bedenken angemeldet: Wegen des bis ins Jahr 2012 geltenden »Beschäftigungspaktes« bei Mercedes müsse Zetsche beim geplanten »sozialverträglichen Stellenabbau von mehreren Tausend Arbeitsplätzen« etwa auf »attraktive Abfindungsprogramme« setzen – »und das kostet« (Handelsblatt).

regina stötzel