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Bleistiftzeichnung eines Gerichtszeichners der RAF-Angeklagten in Stuttgart-Stammheim
2025/48 Hintergrund Die »Erklärung zur Sache« der RAF und ihre literarische Verarbeitung

Jungle+ Artikel In Sachen RAF-Nostalgie

Anfang 1976 gaben Andreas Baader, Ulrike Meinhof, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe im Stammheimer RAF-Prozess eine ausführliche »Erklärung zur Sache« ab. Darin benannten sie speziell das US-Monopolkapital als Feind der Menschheit: Es habe 1945 das deutsche Proletariat »kolonisiert«, aber seine Weltherrschaft könne jetzt durch die Guerilla ins Wanken gebracht werden. Knapp 50 Jahre später macht sich die Autorin Stephanie Bart 2023 den Text in ihrem Roman »Erzählung zur Sache« zu eigen und aktualisiert ihn.
Eine Frau lehnt auf Kaugummiblase an einer Wand
2025/47 Hintergrund Das Börsenhoch von KI-Aktien

Jungle+ Artikel Crash mit Ansage

Der KI-Sektor mobilisiert astronomische Summen an Geldkapital. Für die investierenden Technologieunternehmen ist das bislang kein profitables Geschäft, dennoch erreichen ihre Aktien Rekordwerte. Mittlerweile überbieten sich die Warnungen vor einer KI-Blase, die bald platzen könnte, und legen den Vergleich mit der Dotcom-Blase der späten neunziger Jahre nahe. Allerdings unterscheiden sich Marktstruktur und Entwertungsdynamik der beiden Sektoren erheblich.
Baustelle im Frühjahr 2024
2025/44 Geschichte In Bukarest wurde die monumentale »Kathedrale der Erlösung des Volkes« geweiht

Jungle+ Artikel Kirche und Nationalismus in Rumänien: Steingewordene Erlösung

Seit dem 19. Jahrhundert gibt es Pläne für den Bau einer großen Kathedrale in Bukarest als Symbol der nationalen Unabhängigkeit Rumäniens. Mit der »Kathedrale der Erlösung des Volkes« wurde nun die höchste orthodoxe Kirche weltweit geweiht, die selbst den nahegelegenen, unter Nicolae Ceaușescu errichteten »Palast des Volkes« übertrifft.
Verlagsbeilage aus dem Jahr 1955 (l.) mit Editorial von Karl Gerold (o.) und Karl Anders (u.); Jubiläumsausgabe vom 12. September 2025 (r.)
2025/43 Geschichte Eine verdrängte Person in der Geschichte der »Frankfurter Rundschau«

Jungle+ Artikel Dann druck die Legende!

Die »Frankfurter Rundschau« beruft sich stolz auf ihre lange Geschichte und ihren antifaschistischen Markenkern. Doch zum achtzigsten Jahres­tag der Zeitungsgründung kommt eine totgeschwiegene Episode wieder ans Licht: In den fünfziger Jahren drängte der Herausgeber Karl Gerold den Antifaschisten Karl Anders aus der Zeitung.
Zentrum der Hufeisensiedlung in Berlin-Britz
2025/42 Geschichte Vor 100 Jahren begann in Berlin der Bau der Hufeisensiedlung

Licht, Luft und Sonne für alle

Vor 100 Jahren begannen gemeinwirtschaftliche Bauunternehmen in Berlin mit dem Bau großer Wohnkomplexe, um die Wohnungsnot zu bekämpfen. Viele dieser kommunalen Bauten wurden in den neunziger Jahren privatisiert, darunter auch die Hufeisensiedlung im Neuköllner Ortsteil Britz.
Viele Waren werden nachgefragt, weil sie Jugenderinnerungen wecken
2025/41 Wirtschaft Viele Kleinanleger lassen sich beim Wertpapierkauf von Nostalgie leiten

Jungle+ Artikel Emotional am Aktienmarkt

Immer mehr Kleinanleger, insbesondere junge Erwachsene, ­spekulieren auf eigene Faust per Smartphone am Aktienmarkt. Dort kaufen sie oft im Internet gehypte »Meme-Stocks«. Selbst ihre ­nostalgischen Gefühle für die Marken ihrer Kindheit können so die Kurse beeinflussen.
Basecap in FDP-Gelb
2025/40 Geschichte Die erstaunliche Vorgeschichte des »Shitbürgertums«

Jungle+ Artikel Poschardts Neue Klasse

Mit seiner Kritik am »Shitbürgertum« wärmt Ulf Poschardt Gedanken US-Neokonservativer aus den siebziger Jahren auf, die damals die Macht einer »Neuen Klasse« der gebildeten Mittelschicht kritisierten. Ursprünglich hatten diesen Begriff jedoch radikale Kritiker der Sowjetunion geprägt.
Deutscher Wald
2025/40 Hintergrund Ein normales Land? Autorinnen und Autoren über die Situation, 35 Jahre nach der Osterweiterung der BRD

Großdeutsches Jubiläum: Frieden mit Deutschland? Ist Deutschland normal geworden?

Es ist, als hätte ein gütiger Weltgeist dafür gesorgt, dass den Deutschen genug Zeit bleibt, ihre postnazistischen Konflikte auszutragen, durchzuwalken und zu kurieren, um sich dann, stinknormal geworden, unauffällig in den weltweiten Reigen einer allgemeinen Faschisierung einzureihen. Deutsche Nazis bestechen noch nicht mal mehr mit Originalität und die ordinären Antisemiten haben es hierzulande sogar vergleichsweise schwer. Wolfgang Schäuble durfte als Finanzminister zwar Griechen­land drangsalieren, aber die EU-Integration scheint bislang nicht wie befürchtet zum Sprungbrett neuer deutscher Weltmachtphantasien zu werden. Friedrich Merz will zwar die »stärkste Armee Europas«, macht aber auf internationalem und euro­päischem Parkett doch nur eine blasse Figur. Gibt es also 35 Jahre nach dem Beitritt der DDR zur BRD jenseits der allgemeinen Kritik an Staat und Nation wenig Grund dafür, dem deutschen Michel am Zeug zu flicken? Das wollte die »Jungle World« anlässlich der Feierlichkeiten am 3. Oktober zu 35 Jahren Deutsche Einheit wissen.
Zeichnung eines  »wife sale« aus den Jahren 1812 bis 1814 von Thomas Rowlandson
2025/39 Geschichte Scheidung für Arme – einst boten Männer ihre Ehefrauen feil

Frauentausch während der industriellen Revolution

Von Ende des 17. Jahrhunderts bis Mitte des 19. Jahrhunderts fanden in Großbritannien sogenannte »wife sales« statt, bei denen Männer ihre Ehefrauen wie Vieh auf dem Markt versteigerten. Erste Überlegungen dazu, wie das Phänomen in die Zeit passte, stammten von marxistischen Historikern aus den Achtzigern.