Von Tunis nach Teheran

Freitag der 18. Juni 2021 ist der Tag, an dem die Islamische Republik Iran aufhörte zu existieren. Auf dem Papier mag es sie noch geben, in Realität nicht mehr. Damit ist ein seit Jahrzehnten schleichend vorangehender Prozess vollendet.

 

In Algerien hat das Militär wählen lassen. Entsprechend fiel die Veranstaltung aus. Die taz berichtet:

Der Restauration einer pseudodemokratischen Fassade im Land sind die Generäle hinter den Kulissen damit ein Stück näher gekommen. Legitimität genießt die neue Nationalversammlung in Algier keineswegs.

„Die radikale Wissenschaftsfeindlichkeit, die zynische Ausbeutung sozialer Unsicherheit, die populistische Mobilisierung und die Bereitschaft zu Ressentiment und Gewalt werden bleiben. Es wird sicher wieder von Elite gesprochen werden. Und vermutlich werden es dann nicht die „Juden“ und „Kosmopoliten“, nicht die „Feministinnen“ und die „Virologinnen“ sein, vor denen gewarnt wird, sondern die Klimaforscherinnen.“ (Carolin Emcke)

Am Hindukusch wird, sollte das eh je der Fall gewesen sein, längst Niemandens Freiheit mehr verteidigt, ganz im Gegenteil zieht der Westen sich zurück und es geht nur noch darum, möglichst keine oder wenige eigene Verluste dabei zu haben. Die Menschen dort, um die es nie oder bestenfalls in Sonntagsreden ging, können sehen was sie tun.

Kürzlich erinnerte mich Facebook daran, wie ich in Den Haag vor acht Jahre an einer Diskussion über die damals anstehenden Wahlen im Iran teilgenommen habe. Da saß ich mit Leuten - Iranern und Holländern -, die unglaublich viel über Reformer und Moderate zu sagen hatten und über einen friedlichen Wandel von innen und all sowas.

Mit den Präsidentschaftswahlen, bei denen der Sieger bereits festzustehen scheint, will Khamenei zwei Botschaften aussenden: dass Raisi sein Nachfolger werden soll und dass jedweder Protest gewaltsam verfolgt werden wird.

 

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Zerstörtes Wahlposter Resais, Bildquelle: NCR-Iran

 

Vorgestern wurde in Khan Younis Istabraq Baraka von ihrem Mann ermordet. Warum? Weil sie sich gegen eine Heirat ihrer Schwester mit dem Schwager ihres Mannes ausgesprochen hatte. Solche Morde geschehen viel zu oft in Gaza.

Für die NZZ hat Wilfried Buchta eine unbedingt lesenswerte Analyse der für diese Woche anstehenden Präsidentenwahlen im Iran geschrieben, in der eigentlich alles wissenswerte steht:

Das nächste von vielen erwartete Video des Mafiabosses kam nicht. Gibt er gar auf?

Seit Wochen ziehen die Enthüllungsvideos des Mafiapaten Sedat Peker die türkische Gesellschaft in seinen Bann. Auf inzwischen mehr als 150 Millionen Aufrufe kommen seine insgesamt neun Videos. Und Peker setzt unbeeindruckt die Themen, kommentiert fleißig über Twitter, und treibt Politik und Staat vor sich her. Sehr geschickt, könnte man mutmaßen.

Die Europäische Union Millionen investiert weiter in die Finanzierung des Bildungssystems der Palästinensischen Autonomiebehörde, ohne Reformen zu fordern. 

 

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Palästinensische Schulbücher, Bildquelle: Impact.se

 

Jedes fünfte Kind in syrischen Flüchtlingslagern denkt an Selbstmord. Derweil soll der letzte Grenzübergang in Nordsyrien für humanitäre Hilfe gesperrt werden.

Viel hört man dieser Tage, zehn Jahre nach dem Beginn der Massenproteste gegen die Assad Diktatur, nicht aus Syrien. Wenn, dann hin und wieder Meldungen wie diese:

Das Wort „Boged“ – Verräter – weckt in der israelischen Gesellschaft Erinnerungen an das Jahr 1995. Da dieses Wort jedoch nicht bei allen Bürgern die gleichen Erinnerungen weckt, sah sich der Chef des Inlandsgeheimdienstes Shabak am Wochenende zu einer ungewöhnlichen Warnung veranlasst.

 

Im Zuge der im Abraham-Abkommen beschlossenen Normalisierung der Beziehungen mit Israel bauen beide Länder ihre kulturellen Beziehungen immer weiter aus.

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Bildquelle: JNS

 

 

Die unlängst entdeckten Zitate des heutigen Head of Diversity von Google stellen ausgezeichnetes Quellenmaterial für kritische Forscher, die dieses Attribut verdienen, und auch für ein aufgeschlossenes allgemeines Publikum dar:

„Wenn ich ein Jude wäre, wäre ich beunruhigt über meinen unersättlichen Appetit für Krieg und Töten im Zuge meiner Verteidigung ...“