Gastbeitrag von Hossam Sadek

In jüngster Zeit ist eine politische und diplomatische Krise zwischen dem Libanon einerseits und den arabischen Golfstaaten andererseits eskaliert, nachdem sich der libanesische Medienminister George Kordahi zum Krieg im Jemen geäußert hatte. Doch die Angelegenheit geht weit darüber hinaus.

 

Am 10. Oktober dieses Jahres wählten die Iraker zum fünften Mal seit dem Sturz des Regimes von Saddam Hussein im Jahr 2003 ein neues Parlament. Die Ergebnisse unterscheiden sich deutlich von früheren Wahlgängen, spiegeln große Veränderungen in der öffentlichen Meinung wider und machen die politische Szenerie noch komplizierter.

 

Nicht zuletzt dank des „Taliban-Effekts“ ist der Islamische Staat im Irak wieder äußerst aktiv. Überall sehen sich Jihadisten seit dem Fall Kabuls an die Taliban im Aufwind.

 

Am 3. September zogen sich die irakischen Streitkräfte nach einem Angriff des Islamischen Staates plötzlich aus dem Gebiet Sarkaran im nördlichen Gouvernement Kirkuk zurück, und ließen dabei Erinnerungen aufkommen an die IS-Invasion großer Gebiete im Irak und in Syrien im Jahr 2014.

Wie geht es nach dem Staatstreich weiter in Tunesien? Geht es nur um Entmachtung der islamischen Ennadha Partei oder plant der Präsident eine diktatorische Machtübernahme?

 

In einem überraschenden Schritt nahm der tunesische Präsident Kais Saied am Sonntag alle drei Gewalten des tunesischen Staates an sich. Er beendete damit die zehnjährige Kontrolle wesentlicher staatlicher Institutionen durch die der Muslimbruderschaft nahestehende Ennahda-Bewegung, die zu einer katastrophalen Wirtschaftslage und zu politischer Lähmung geführt hatte.

Die Verhaftung des amtierenden Führers der Bruderschaft, Mahmoud Ezzat, am 28. August war nicht bloß ein kleiner Zwischenfall für die Muslimbrüder, sondern ein schwerer Schlag für die Gruppe in Ägypten, weswegen sich die Gruppe zum ersten Mal gezwungen sah, ihre Führung nach Europa zu verlegen. Dies stellt eine erhebliche Bedrohung für den Kontinent dar.