Von Tunis nach Teheran

Am 11. Februar 2011 war es soweit: Der ägyptische Präsident musste zurücktreten. Kairo und der Rest Ägyptens waren abends eine einzige große Party.

Und wir saßen übermüdet Nächte lang und verfolgten die Livebilder auf Al-Jazeera und dem Guardian Blog. Kairo, Tunis, der Jemen, Syrien, Jordanien und selbst Libyen ... man kam damals kaum hinterher, so viel geschah.

Der Student Ahmed Samir wurde bei einem Besuch in seiner Heimat Ägypten verhaftet und vermutlich gefoltert. Vorgeworfen wird ihm die Mitgliedschaft in einer Terrorvereinigung. Samirs Kommilitonen der CEU in Wien kämpfen nun um seine Freilassung.

 

Nicht nur in Istanbul, auch im Irak gehen die Proteste weiter. In verschiedenen Städten des Zweistromlandes fordern Demonstranten die Aufklärung der Morde an bekannten Aktivisten, vor allem an Sajjad al-Iraqi, der Mitte Dezember letzten Jahres getötet wurde:

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Flüchtlinge in Libyen, Bild: Face to Face Africa

 

Zum Iran-Beauftragten seiner Regierung hat US-Präsident Joe Biden einen alten Bekannten ernannt: Robert Malley war Obamas Chefunterhändler bei den Gesprächen über den Atomdeal von Wien im Jahr 2015. Nun soll er dem Wiedereinstieg in das Abkommen, aus dem die USA unter Trump im Jahr 2018 ausgestiegen waren, den Weg bereiten. An der Personalie entzündet sich Kritik, nicht nur bei Republikanern, sondern beispielsweise auch vonseiten der syrischen Opposition.

 

Aus seinem Herzen keine Mördergrube gemacht hat Shaun Henrik Matheson vom staatlichen norwegischen Radiosender NRK P13. In einem Land, in dem es offenbar zu guten Ton des Establishments gehört, zu jeder Gelegenheit sich "israelkritisch" zu äußern, sprach er davon was dür ein Scheissland der jüdische Staat doch sei.

Die aus dem Iran stammende Mariam Memarsadeghi schreibt an den neuen amerikanischen Präsidenten:

Der Untergang der Gemeinsamen Liste könnte die zionistischen Parteien dazu ermutigen, sich den arabischen Wähler zuzuwenden, um unter ihnen Stimmen und Mandate zu gewinnen.

 

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Am Ende: Die "Joint List"

 

Das schlechte Wetter und die Ausbreitung von Corona machen die Lage der syrischen Binnenvertriebenen, die teilweise schon jahrelang in völlig unterversorgten Flüchtlingslagern ausharren, noch katastrophaler.

 

Seit Jahren bildet die türkische Regierung eine Unzahl verschiedener Milizen aus, die allerdings weiterhin dem Kommando Anakaras unterstehen. Jonathan Spyer und Hay Eytan Cohen Yanarocak haben eine lesenswerte Studie zu dieser Entwicklung verfasst:

In einem Beitrag für Middle East Eye analysiert Shahir Shahidsaless die Entscheidung des obersten Revolutionsführers des Iran, Corona-Impstoffe aus den USA und Englands zu verbieten als ein weiteres Beispiel, dass in der Islamischen Republik der herrschenden

Im Libanon verschärft ein strikter Lockdown die eh schon extrem prekäre Lage:

The specter of poverty is haunting the majority of the Lebanese — be they poor or wealthy — as they struggle to buy food and basic necessities amid worsening living conditions resulting from a complete lockdown and night curfew that started Jan. 7 and is scheduled to remain in place until Feb. 1, albeit with some exceptions.

Vor zehn Jahren erschienen hier die ersten Beiträge aus Tunesien, der "Hurriya Blog" war entstanden, der heute sein zehnjähriges Bestehen begeht. Leider sind ältere Beiträge nur noch über die "Wayback-Machine" einzusehen.

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Kairo im Februar 2011, Bild: Wikimedia Commons

 

In Tunesien wächst zehn Jahre nach dem Sturz der Ben Ali Diktatur der Unmut über Korruption, mangelnden ökonomischen Fortschritt und ein reformunfähiges politisches Establishment.