Beiträge zu Postkolonialismus

Paul Mason bei einer Kundgebung am Piccadilly Circus in London, 21. Februar
2026/20 Interview Paul Mason, britischer Autor, im Gespräch über autoritäre Tendenzen in der Linken

Jungle+ Artikel »Es ist ein gefährliches Niveau des Leugnens«

Autoritäre Linke, Antizionismus, Stalinismus, der Einfluss Chinas auf westliche Bewegungen: Der britische Journalist und Autor Paul Mason warnt vor einer neuen Faszination für totalitäres Denken in Teilen der internationalen Linken. Im Gespräch erklärt er, warum junge Menschen dennoch empfänglich dafür sind, weshalb er die Erinnerung an ­stalinistische Gewaltgeschichte gestärkt sehen will.
Ulrike Meinhofs Stilisierung zur Ikone: Transparent im Protestcamp gegen die Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf 1985/86
2026/19 Hintergrund 50 Jahre nach dem Tod Ulrike Meinhofs – Kritik an den gängigen linken Darstellungen der RAF-Suizide

Jungle+ Artikel Tod in Stammheim

In der Nacht zum 9. Mai 1976 nahm sich Ulrike Meinhof im Gefängnis Stuttgart-Stammheim das Leben. Im Herbst 1977 folgten weitere Suizide von RAF-Gefangenen, die als Staatsmorde inszeniert wurden. Stephanie Barts Roman »Erzählung zur Sache« schildert die Tode als Morde. Ihre Romanfigur »Ensslin« träumt ihre Erhängung und äußert dabei Freude darauf, das eigene Begräbnis könne »Widerstand entfalten«. Für solche RAF-apologetischen Darstellungen beruft sich die Autorin auf Peter Weiss und dessen »Ästhetik des Widerstands« – zu Unrecht.
Hubert Fichte stützt seinen Kopf mit seiner rechten Hand
2026/10 dschungel Zum 40. Todestag des Schriftstellers Hubert Fichte

Jungle+ Artikel Das Tuscheln der Tunten und Schamanen

Vor 40 Jahren starb der Schriftsteller Hubert Fichte. Seine Grenzgänge zwischen Literatur und Ethnographie, Poesie und Journalismus und sein Blick auf Außenseiter faszinieren noch heute. Doch die zeitgenössische Rezeption Fichtes als Vordenker queerer und postkolonialer Suche nach Identität übersieht, dass seine Texte als widersprüchliche Archäologie menschlicher Destruktivität zu verstehen sind.
Bleistiftzeichnung eines Gerichtszeichners der RAF-Angeklagten in Stuttgart-Stammheim
2025/48 Hintergrund Die »Erklärung zur Sache« der RAF und ihre literarische Verarbeitung

Jungle+ Artikel In Sachen RAF-Nostalgie

Anfang 1976 gaben Andreas Baader, Ulrike Meinhof, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe im Stammheimer RAF-Prozess eine ausführliche »Erklärung zur Sache« ab. Darin benannten sie speziell das US-Monopolkapital als Feind der Menschheit: Es habe 1945 das deutsche Proletariat »kolonisiert«, aber seine Weltherrschaft könne jetzt durch die Guerilla ins Wanken gebracht werden. Knapp 50 Jahre später macht sich die Autorin Stephanie Bart 2023 den Text in ihrem Roman »Erzählung zur Sache« zu eigen und aktualisiert ihn.
Jeffrey Herf
2025/26 Thema Jeffrey Herf, Historiker, im Gespräch über den Vernichtungsantisemitismus des iranischen Regimes

»Israel kann nicht mit einer iranischen Atombombe koexistieren«

Die »Jungle World« sprach mit dem Historiker Jeffrey Herf über die Gründe für den israelischen Angriff auf die Islamische Republik Iran und seine Kritik an Linken, die in islamistischen Bewegungen Bündnispartner sehen.
Afrikanische Skulptur in der Ausstellung »Mission Dakar–Djibouti (1931–1933): Contre-enquêtes« (l.); Teilnehmer der Mission Dakar–Djibouti im Trocadéro-Museum für Ethnographie
2025/25 dschungel Das Musée du Quai Branly betreibt Provenienzforschung in eigener Sache

Ermittlungen im Fall »Dakar–Djibouti 1931«

Späte Korrekturen einer kolonialen Appropriation und die Schwierigkeiten der Wiedergutmachung: Eine Ausstellung in Paris widmet sich der umfassenden Afrika-Expedition, über die Michel Leiris in seinem klassischen Werk »Phantom Afrika« nachdachte.
Erst verehrt, dann bekehrt. Pankaj Mishra, 2015
2025/23 dschungel Eine Rezension von Pankaj Mishras Buch »Die Welt nach Gaza«

Jungle+ Artikel Ansichten eines Konvertiten

Der indische Essayist Pankaj Mishra, der für den »New Yorker« und den »Guardian« regelmäßig über Indien, Afghanistan und China berichtet, hat sich nun den israelisch-palästinensischen Konflikt vorgenommen. In dem Buch »Die Welt nach Gaza« schildert er seine Wandlung vom Bewunderer zum glühenden Gegner des jüdischen Staats. Was den Essay so aufschlussreich macht, ist der Umstand, dass der Autor sämtliche Missverständnisse der postkolonialen Linken in Bezug auf die Gründung Israels und den Kampf der Palästinenser übernimmt und weiterträgt.
Gegen jeden Antisemitismus. Ein Protest in München am 1. Mai
2025/19 Inland Antifaschistische Gruppen berichten, wie sie auf den Antisemitismus in der radikalen Linken reagieren

Antisemitismuskritische Intervention

Lange schien es in weiten Teilen der hiesigen radikalen Linken einigermaßen klar zu sein: Die Existenz des einzigen jüdischen Staats steht nicht zur Debatte. Mit dem 7. Oktober 2023 hat sich das schlagartig geändert. Während israelbezogener Antisemitismus wieder salonfähig wurde, wirkten antisemitismuskritische Gruppen anfangs ohn­mächtig. Die »Jungle World« sprach mit antifaschistischen Gruppen aus ganz Deutschland über die Situation.
Aktenordner mit Dokumenten, die den ­industriellen Judenmord belegten, auf dem Richtertisch des ­ersten ­Auschwitz-Prozesses, 20. ­Dezember 1963 in Frankfurt am Main
2025/19 dschungel Wie sich rechter und linker Revisionismus berühren – Essay aus dem Buch »Rechter Revisionismus in Deutschland«

Jungle+ Artikel »Nationalmasochismus« und »jüdisches Privileg«

Die Behauptung, dass die kritische Beschäftigung mit den Verbrechen des National­sozialismus fremden Mächten dazu diene, Deutschland kleinzuhalten, bildet den ideologischen Kern des neurechten Geschichtsrevisionismus. Unternahm Ernst Nolte 1987 den Versuch, die deutschen Verbrechen durch den Verweis auf stalinistische zu relativieren, versuchen linke Vertreter postkolonialer Theorien neuerdings die Singularität des Holocaust unter Bezugnahme auf die Kolonialverbrechen in Zweifel zu ziehen. Im Kampf gegen das »provinzielle« Geschichtsbilds der Bundesrepublik treffen sich Linke und Rechte genauso wie in der ablehnenden Haltung zu Israel als dem angeblichen Profiteur eines »Schuldkults«.
Gedenkveranstaltung an die Befreiung des Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück am 3. Mai
2025/19 Thema Die deutsche Schlussstrichdebatte hat eine postkoloniale Entsprechung bekommen

Die Schuld der Schuldlosen

Der Versuch von rechts, die Shoah mit Verweis auf die Verbrechen des Stalinismus zu relativieren, dient der Verteidigung deutschen Nationalstolzes. Die postkoloniale Relativierung der Shoah durch die Einbettung in Kolonialverbrechen hingegen dient der Rechtfertigung des eliminatorischen Antisemitismus der Hamas.