»Die Polizei malt ein Terrorgemälde«

Auf der Demonstration gegen den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr am Wochenende sprach auch der emeritierte Professor der Freien Universität Berlin, Peter Grottian. Er sagte u.a., bei den »jüngsten, angeblich in letzter Minute vereitelten Terroranschlägen ist höchste Skepsis angebracht. Es stinkt nach einer künstlich hoch gezogenen Terroristenwolke.« Small Talk von Stefan Wirner

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Welche Hinweise haben Sie darauf, dass es sich um eine »künstlich hoch gezogene Terroristenwolke« handelt?

Die Sicherheitsorgane können nicht ständig behaupten, man habe die Terroristen voll im Griff, wenn man gleichzeitig signalisiert, dass demnächst ein Anschlag bevorstehe. Sowohl die konkrete Gefahrendiagnose als auch die Prognose, dass demnächst terroristische Anschläge passieren, ist so dürftig begründet, dass höchste Skepsis geboten ist.

Man kann der Bundesanwaltschaft, nach alledem, was sie sich vor dem G8-Gipfel geleistet hat, vorerst kein Wort mehr glauben. Sie hat sich willfährig vor den Karren der Terroristenhysterie spannen lassen.

Sie bezweifeln, dass diese Konvertiten der »Islamischen Jihad Union« Anschläge auf US-amerikanische Einrichtungen in Deutschland geplant hatten?

Das bezweifle ich auf Grund dessen, was die Bundesanwaltschaft bisher an Beweismaterial vorgelegt hat. Der Widerspruch besteht darin, dass die Polizei meint, alles im Griff zu haben, und gleichzeitig ein Terrorgemälde an die Wand malt.

Die Anschläge in Madrid im Jahr 2004 und in London im Jahr 2005 sind unzweifelhaft passiert.

Natürlich. Aber bei uns riecht alles danach, dass genau diese Zusammenhänge wie etwa in London hierzulande nicht vorhanden sind. Das soll nicht heißen, dass die Gefahren ignoriert werden sollen.