»Der Herr Andrejewski stinkt«

Der FDP-Landtagsabgeordnete Sebastian Ratjen aus Mecklenburg-Vorpommern hat vorgeschlagen, dass »Farbige, Ausländer, Schwule, Lesben und viele andere« auch mal Kleidungsstücke der Marke »Thor Steinar« tragen sollten, um die Marke zu »entmystifizieren«. Small Talk von Stefan Wirner

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Was erwarten Sie sich von dieser Art von Aneignung?

Ich habe es einfach satt, dass man die Rechten jedes Mal einfach machen lässt, wenn sie sich mal wieder ein Stück Symbolik er­obern. So vergrößert sich nur deren Biotop. Ich mag diese Leute nicht, und deshalb gehe ich offensiv gegen sie vor.

Wir sitzen ja im Landtag neben denen. Der Herr Andrejewksi zum Beispiel stinkt, weil er sich nicht wäscht. Ich wollte ihm schon mal ein Stück Kernseife schenken mit der Bemerkung: »Ich dachte, ein deutscher Mann wäscht sich.« Ich habe ein Problem mit Leuten, die so einen moralinsauren Umgang mit dem Phänomen haben. Das brauchen diese Rechten doch, um sich abzugrenzen.

Der Produzent der Marke »Thor Steinar« steht selbst im Verdacht, rechtsextrem zu sein.

Wir müssen diskutieren, was uns wichtiger ist: die Ideologie zu zerschlagen oder ihnen den Geldhahn abzudrehen? Meine Meinung ist: Geld kriegen die sowieso von überall her. Mir ist es lieber, ich zerstöre ihnen ihre Mystik. Denn davon leben sie. Jede Partei braucht ihre Ideale. Aber die sind ja auch ein bisschen eine Religion. Rational ist das ja nicht mehr zu erklären, auch nicht diese Auftritte im Landtag.

Die FDP-Fraktion in Mecklenburg-Vorpommern teilt Ihre Ansichten, was das Tragen von »Thor Steinar«-Klamotten betrifft, nicht.

Das stimmt so nicht. Die Fraktion sagt: Das ist ein regionales Problem, und sie überlässt es mir zur Bearbeitung.

Können Sie sich vorstellen, sich mit einem »Thor Steinar«-Shirt in den Landtag zu setzen?

Das müsste man gemeinsam machen: von der Linkspartei bis zur FDP. Damit hätten wir ein Zeichen gesetzt.