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Zombie Dieter Hasenschreck

Literatur. Die Möglichkeit, seinen eigenen Namen in einem Roman zu verewigen, steht prinzipiell jedem offen. Jeder kann irgendeine Geschichte zusammenschreiben, in der er als Ritter unter eigenem Namen Lindwürmer plattmacht und am laufenden Band Burgfräulein rettet, oder man sticht mal wieder als der gefürchtete Pirat Hans-Peter Hinterberger und Schrecken der sieben Weltmeere in See. Kleinstverlage bieten an, das eigene Geschreibsel dann auch zu drucken, was nicht all zuviel kostet und was ja auch niemand lesen muss, außer man selbst.

Ein wenig glamouröser wirkt da schon das Angebot, das ein paar der populärsten Autoren der Gegenwart jetzt machen. Sie bieten nämlich an, einer Figur in ihrem nächsten Roman den Namen desjenigen zu verleihen, der am meisten dafür zu zahlen bereit ist.

Bei Ebay kann man ab dem 1. September mitsteigern, wer am höchsten bietet, wird dann als Romanfigur bei Populärautoren wie Stephen King oder John Grisham auftauchen. Der Vorteil hierbei ist, dass einem die Ehre zuteil wird, in einer Geschichte aufzutauchen, die Millionen von Menschen lesen werden.

Die Summe, die bei dieser Versteigerungsaktion eingenommen wird, soll dem »First Amendment Project« zugehen, das sich für den Schutz des Rechts auf Information und freien Ausdruck einsetzt.

Wer bei der Ebay-Aktion mitsteigert, erwirbt nicht die Katze im Sack. Die Autoren wissen bereits ziemlich genau, wo die Namen eingesetzt werden. Bei Stephen King, dessen nächster Roman »Cell« heißen soll, wird man irgendetwas Gewalttätiges über sich ergehen lassen müssen, Frauen dürfen damit rechnen umzukommen.

Bei John Grisham dagegen, so verspricht der Bestsellerautor, wird man in der geplanten Geschichte sehr gut wegkommen, bei Jonathan Lethem gar zum Professor an der Columbia University ernannt werden. Bei Dave Eggers wird man gar mit über Land reisenden Fischen sprechen können, was bestimmt auch seinen Reiz hat. (aha)

Die Welt ist schön

Fußball. Jemandem, der sich nur marginal mit Fußball beschäftigt, wird nur schwer klar zu machen sein, was für ein weltbewegendes Ereignis die Versöhnung zwischen dem brasilianischen Fußballstar Pelé und seinem ewigen Rivalen um den Titel »bester Fußballer aller Zeiten«, Diego Maradona aus Argentinien, ist. Doch es ist so, es ist ein weltbewegendes Ereignis, das bestimmt vor allem bei den etwas älteren Fußballfans für Tränen der Rührung gesorgt hat.

Denn Brasilianer und Argentinier mögen sich schon traditionell nicht leiden, und die beiden Fußballer mochten sich gegenseitig schon gleich gar nicht. Sie zogen immer wieder über den jeweils anderen her, und man hätte auch annehmen können, dass die beiden ihre ewige Feindschaft mit in ihre Gräber nehmen würden. Doch gleich in der ersten Ausgabe der neuen Fernsehshow von Maradona, »Die Nacht der Nummer 10«, war erstaunlicherweise Pelé als Ehrengast geladen. Beide fanden ausschließlich wohlwollende Worte füreinander und ließen sich auf ein freundschaftliches Kopfballduell ein.

Pelé sagte, er sei in seiner Heimat gefragt worden, warum er sich ausgerechnet von Maradona einladen ließ. Darauf habe er geantwortet: Weil Maradona ein Vorbild ist und wir vereint sein sollten.

Ach, man reiche mir bitte noch ein Taschentuch. (aha)

Macht kaputt, was hässlich ist

TV-Show. Das Fernsehen generiert bekanntlich immer bizarrere Showformate, es unterliegt einer Überbietungslogik und kann sich dieser nicht mehr einfach entziehen und wieder fragen: »Welches Schweinderl hätten’s denn gern?« So ist es nur folgerichtig, wenn der britische Fernsehkanal Channel 4 ab Oktober eine wirklich seltsame, aber auch spannend klingende Show starten wird: »Demolition«. Hier soll es darum gehen, das hässlichste Bauwerk des Landes zu suchen, ein »Gebäude, das so hässlich ist, dass man es abreißen sollte«. Im Idealfall, so ist es zumindest geplant, soll das auserwählte Gebäude dann tatsächlich abgerissen werden. Was in England los sein wird, wenn der Buckingham Palace gewählt werden sollte, das mag man sich gar nicht ausmalen. Es wäre unbedingt begrüßenswert, wenn die Macher der Show dann aber auch Standfestigkeit beweisen würden.

Natürlich hoffen wir, dass »Demolition« später auch in Deutschland anlaufen wird. Wir hätten da so einige Vorschläge für wirklich extrem hässliche Gebäude parat. (aha)

Türkische Risikogesellschaft

Istanbul. Wie Sie, lieber Leser, wissen werden, sind wir ab nächster Woche dort, wo Sie auch gerne wären: in Istanbul. Da liest man die Meldungen, die aus der türkischen Metropole stammen, schon heute mit besonderer Aufmerksamkeit. Und einige davon lassen uns schon ein wenig nervös werden. Erst vor kurzem wurde gemeldet, in Istanbul hätten sich ein paar Bombenbastler beim Bombenbasteln selbst in die Luft gesprengt. Was uns an dieser Meldung vor allem beunruhigt, ist, dass das wahrscheinlich so nicht geplant war und wir uns fragen, was genau denn dann geplant war.

Noch kurioser ist es, dass es einem in Istanbul anscheinend passieren kann, als unschuldiger Fußgänger ein Schaf auf den Kopf zu bekommen. Letzte Woche jedenfalls ist in Istanbul – so meldete es eine Nachrichtenagentur – ein Schaf, das geopfert werden sollte, weil sich sein Besitzer ein neues Auto gekauft hat, von einem fünfstöckigen Haus gesprungen. Um sich der rituellen Schlachtung zu entziehen, sprang das Schaf todesmutig vom Dach. Das Tier ist auf zwei spielende Kinder gefallen, die Knochenbrüche erlitten. Das Schaf hat nicht überlebt. Istanbul, das wird uns langsam klar, ist ein gefährliches Pflaster. (aha)