Sanft erobert

Plattebuch

Von Stefan Wirner

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»I came to hear the music«, singt Bonnie Prince Billy auf seiner neuen EP, dabei sind wir gekommen, um seine Musik zu hören. Aber es sollte etwas anderes sein als dieser verkitschte Sound seiner CD »The Letting Go« aus dem vorletzten Jahr, die an das pompöse und missratene Album »Bryter Layter« des anderen Folk-Genies, Nick Drake, aus den siebziger Jahren erinnerte. Wir werden nicht enttäuscht: »Ask Forgiveness« ist das Beste, was Bonnie Prince Billy seit langem vorgelegt hat.

Es ist eine introvertierte CD. Bonnie Prince Billy erzählt von seinen Dämonen, Einsichten und Visionen und streift dabei durch die weite Welt, von der Chinesischen Mauer über die Niagara-Fälle zum Eiffelturm. Melancholie ist die Botschaft, aber sie ist positiv gemeint: »My life was so alive.« Man verweilt für eine Zeit im Kosmos des Bonnie Prince Billy, des abgeklärten Weisen mit der Gitarre, und dann geht es wieder hinaus: ins Chaos.

Nebenbei bemerkt: Der Name Bonnie Prince Billy bezieht sich möglicherweise auf Charles Edward Stuart (1720 bis 1788), den Sohn des damals im Exil lebenden Anwärters auf den Thron Großbritanniens. Berühmt wurde er mit dem Versuch, die Insel zu erobern, und zwar unter dem Namen »Bonnie Prince Charlie«. Edinburgh nahm er ein, dann wurde er vernichtend geschlagen. Er floh und irrte durch die Welt: nicht von der Chinesischen Mauer bis zu den Niagara-Fällen, aber immerhin durch Frankreich. Schließ­lich verfiel er dem Alkohol. Ob er Musik liebte, ist nicht bekannt. Bonnie Prince Billy aber singt: »I came to love the music/before I came to be«.

Bonnie Prince Billy: Ask Forgiveness. Drag City (Domino Recordings)