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Normalerweise wird an dieser Stelle immer unangemessener Frohsinn verbreitet. Irgendwelche Probleme aus dem Inneren dieser Redaktion, die auf wundersame Weise gelöst werden konnten. Doch passend zum Titelthema dieser Neujahrsausgabe wollen wir einmal konsequent schlecht gelaunt sein. Es soll dabei um das gehen, was immer mehr Mitarbeiter dieses Blatts beschäftigt: das Älterwerden. Dass dies ein Thema ist, wurde kurz vor Silvester so richtig klar. Früher konnte man sich mit Kollegen darüber austauschen, wo die guten Parties steigen. Dieses Mal hörte man von allen Seiten: »Überlege, lieber gar nichts zu machen«, »Spieleabend und Schluss« oder »Berlin ist an Neujahr einfach viel zu laut.«
Erschrocken mussten wir feststellen: Ja, wir sind alt geworden. Vor ein paar Jahren noch waren wir eine junge Zeitung, eine durchschnittliche Ü-30-Zeitung, was in diesem Gewerbe nun mal jung bedeutet. Inzwischen ist Ü-40 bei uns das neue Ü-30, und mit dem Alter haben sich auch so manche Prioritäten verschoben. Diejenigen, die früher »für immer Punk« sein wollten, leben längst mit ihren Partnern zusammen, haben Kinder und kaufen Bio. Früher funktionierte es noch einigermaßen, ohne Geld über die Runden zu kommen. Doch inzwischen fallen einem die Zähne aus, und den Zahnersatz kann man sich nicht leisten. Langsam fängt man auch an, sich über so etwas Abstraktes wie die Rente Gedanken zu machen. Man bekommt ja regelmäßig diese Rentenbescheide, auf ­denen steht: »Sie werden nach aktuellem Stand der Dinge eine Rente von ungefähr null Euro bekommen. Wenn Sie so weitermachen wie bisher, werden Sie ungefähr auf ebenfalls null Euro kommen.« Mit 30 lacht man über so etwas noch, mit 45 nicht mehr.
Was das Älterwerden betrifft, besteht für das Jahr 2011 einfach gar keine Hoffnung. Man wird älter, da kann man nichts gegen machen. Die Zähne werden schlechter, die Falten und die Fettpolster nehmen zu, und selbst die männlichen Kollegen, die früher noch die schönsten Haare hatten, klagen inzwischen über Geheimratsecken.
Es gibt keine Hoffnung, doch zum Glück weiß die Glücksforschung, dass man sein persönliches Glücksempfinden immer an seinem direkten Umfeld misst. Somit ist das Gute, dass es uns hier allen gleich beschissen geht, und deswegen ist alles doch gar nicht so schlimm.