Fahnen-Opfer

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Irgendwas stimmt nicht. Entweder ist das unfassbar riesige Problem des Deutschlandfähnchen-Diebstahls neben der Griechenland-Krise gar nicht das zweite große Thema des Sommers, oder die Spam-Industrie ist in ernsthaften Schwierigkeiten. Denn eigentlich hätten schon längst massenhaft E-Mails mit zu Herzen gehenden Fake-Hilferufen äußerst unglücklicher Flaggenhabenwoller eintreffen müssen, in deren Betreff es beispielsweise in holprigem Deutsch (oder wahlweise in genau so holperigem Englisch) heißt: »Antideutsche erklären dem Patriotismus den Krieg, Hilfe!« Deswegen befinde man sich in einer verzweifelten Notlage, denn leider befinde sich das für den Ankauf weiterer Schland-Devotionalien zurückgehaltene Geld auf einem Konto im Ausland. Nun gelte aber der Empfänger des Hilferufs als vertrauenswürdige Person und daher wende sich der Absender nun mit folgendem Vorschlag an ihn: Kurz das eigene Konto (bitte vollständige Angabe aller persönlichen Daten) für die Transaktion des kleinen Vermögens zu Verfügung stellen, und dann die eine Hälfte des Geldes weiterleiten und die andere als Belohnung behalten. Aber: Nix.
Auch die deutsche Versicherungsindustrie, die monatelang liebevolle Ermahnungen an Mitglied 59 373 schickte, scheint zu pennen. Keine E-Mails mit detaillierten Schilderungen des furchtbaren Ruins, in den brave Familienväter durch die Auswirkungen hinterrücks abgebrochener Auto-Flaggenmasten getrieben wurden, keine dringenden Aufforderungen, umgehend supergünstige Fähnchenversicherungen abzuschließen, keine Nachricht darüber, wie enttäuscht Customer Manager Daniela aus dem Hauptbüro wäre, wenn man sich die große Chance auf rundum sorglos beflaggtes Autofahren entgehen ließe. Wie gesagt: Da stimmt was nicht. Wir sind besorgt.