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Wie alles begann mit ihrer Lieblingswochenzeitung, das konnten zumindest die Leserinnen und Leser aus Berlin – sofern sie es nicht schon längst wussten, als alte Dschungelhasen – am vergangenen Samstag im Rahmen der zehnten Linken Buchtage in Kreuzberg erfahren. In gewohnter D.I.Y.-Tradition lud die Jungle World zu ihrem 15jährigen Jubiläum zu einer »Wetten dass ..?«-Show, die den öffentlich-rechtlichen Blödsinn auf den hintersten Sendeplatz verbannte. Für alle, die dem Hauptstadttrend immer noch tapfer widerstehen, folgt hier eine Zusammenfassung des Abends.
Die Moderation: Statt olle Langweiler mit zu hohen Gagen führte unser unterbezahltes Newcomerduo charmant durch den Abend und sah vor dem Showsofa aus Marzahn hinreißend aus. Die Gäste: Ferdinand Muggenthaler, Katja Diefenbach, Thomas Ebermann und Dirk von Lowtzow, die Crème de la Crème der linken Avantgarde oder Rocklinken oder des Diskurspops (Hauptsache unsere Fans und Mitstreiterinnen), gaben Schlaues, Witziges, Erbauliches und Kritisches von sich und saßen hinreißend auf dem Showsofa. Die Wetten: komplexe Aufgaben wurden von den Kollegen meist gekonnt verbaselt, ob Zeichenzahlen erkennen oder Adorno-Zitate raten. Sogar Adorno hätte seine Freude gehabt an diesem hinreißenden Fun-Stahlbad. Die Saalwette: Wie krass kann ein echtes Jungle World-Titelbild eigentlich sein? Ziemlich krass, die Freiwilligen aus dem Publikum stellten sich ihrer Herausforderung natürlich trotzdem famos. Der Wetteinsatz: Mexikaner! Viva el Schnaps! Noch eine Runde! Die Showband: Jachzen Bachzen musizierten nicht nur hinreißend hinter dem überdimensionalen Showsofa und ließen zum Schluss sogar Tanzstimmung aufkommen, sondern verbanden in ihrem Musikstil auch noch symbolisch einige der Top-Themen der Jungle World: Israelis (Israel!) spielen griechische (Euro-Krise!) Folklore (die Linke!). Die Einspielungen: Szenen ungeahnter historischer Tragweite und spektakuläre Frisuren gab es zu sehen in einer Uraufführung der Dokumentation über die Besetzung der Redaktion der Jungen Welt 1997 in Berlin-Treptow. Damals erschien die erste Ausgabe der Jungle World als Streikzeitung. Nachzulesen ist die Geschichte unter anderem hier: . Die Atmosphäre: Hot, hot, hot – ein Rauchbad der Emotionen. Die Außenwette: Fünf Maß Hausmarke in zehn Minuten. Nach dem Ende der Show waren alle dazu angehalten, sich gemeinsam an dieser Wette auf dem Hof des Mehringhofs zu beteiligen.
Und Sie, liebe Leserinnen und Leser, die »Wetten dass ..?« leider verpasst haben: schön weiterlesen, dann gibt’s bestimmt bald die nächste Show. Und vor allem: Danke für die 15 Jahre!