Auszug aus: »Zidane schweigt. Die Équipe tricolore, der Aufstieg des Front National und die Spaltung der französischen Gesellschaft«

Zidane schweigt

Die Équipe Tricolore, der Aufstieg des Front National und die Spaltung der französischen Gesellschaft.

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Es ist der 12. Juli 1998, kurz vor halb zehn, ein Vorort von Paris. 80 000 Menschen stehen in einer lauen Sommernacht und schauen auf das Stück Rasen vor ihnen. Überall auf der Welt reden Kommentatoren davon, dass heute ­Geschichte geschrieben werde. Es ist das Finale der WM, Frankreich gegen Brasilien.
Brasilien steht hinten drin und wartet. Den Gegner kommen lassen. Man hat einen Plan. Frankreich spielt quasi ohne Angreifer. Vorne drin steht Guivarc’h, der wahrscheinlich schlechteste Mittelstürmer, der je ein großes Turnier gewinnen wird. Selbst wohlmeinende Kommentatoren sagen zu seinen Qualitäten: Er läuft viel. Nach der Vorrunde haben ausschließlich Verteidiger die Tore für Frankreich gemacht, einmal Blanc, zweimal Thuram. Vorne das Elend, hinten die Not: Im Tor der Franzosen steht Barthez, die Knalltüte. Bei Flanken eiert er durch den Strafraum wie ein Flummi. Mit etwas Glück fällt irgendeinem der Brasilianer ein Ball auf den Kopf, und dann ab dafür. Brasilien hat Rivaldo, Ronaldo und Bebeto im Sturm, jeder von denen kann in einem hellen Moment die französische Abwehr zu einem Kranich falten. Man wartet auf eine ihrer Eingebungen.
Bis jetzt ist Frankreich, wie man heute sagt, griffiger in den Zweikämpfen, es wird nach dem Spiel viel von Wille und Einsatzbereitschaft zu lesen sein. Die einzige Großchance aber hatte Brasilien. Bis zur 27. Minute, als Frankreich zu seinem ersten Eckball kommt. Vernünftigerweise kann der eigentlich nur drei Abnehmer haben: Desailly, Lebœuf oder Thuram. Die sind zugestellt. Der Ball aber segelt an den ersten Pfosten, ­Zidane wuchtet sich in die Flugbahn, Kopfballtor, kurz vor der Halbzeit wird er ein zweites nachlegen. Wer darauf gewettet hat, hat genug Geld gemacht, um dieses Buch auf dem Sonnendeck seiner Jacht vor Kreta lesen zu können.
Brasilien hat jetzt nichts mehr auf der Pfanne. Ronaldo hätte nach Willen vieler Beobachter bei dieser WM seine Metamorphose vom Star zur Legende vollenden sollen; heute verkantet er sich immer wieder in der französischen Viererkette. Hinterher wird es heißen, er sei nicht fit gewesen und mit fragwürdigen Substanzen gesundgespritzt worden; andernfalls natürlich, wer weiß schon, was andernfalls geschehen wäre. ­Jedenfalls wird danach sehr viel über Ronaldos Knie gesprochen werden.
Das Thema verdeckt den tatsächlichen Grund für das Scheitern ­Brasiliens: dass nämlich der Trainer Zagallo keinen Offensivplan haben zu müssen glaubte. Den aber hätte es gebraucht, mindestens als Alternative. Verteidigung lässt sich einfacher ­organisieren als Angriff. Und in ­einem Finale in Rückstand zu geraten, ist fast schon gleichbedeutend mit ­einer Niederlage; das letzte Mal ein Spiel drehen konnten die Deutschen, 1974, 24 Jahre ist das her. Seither ist es nur noch einer Mannschaft gelungen; Italien 2006 gegen Frankreich. Brasilien gelingt es nicht.
Schlussendlich ist ein anderer zur Legende aufgestiegen: Zinédine ­Zidane. Bereits an diesem Abend verdichtet sich seine Aura ins Halbgotthafte. 2006 wird sich seine Einzigartigkeit auf dem Platz noch ein letztes Mal manifestieren. Danach wird er sich für ewig in die Geschichte des französischen Fußballs eingeschrieben haben, mehr noch: in die Geschichte Frankreichs. Also, was im Fußball halt »ewig« heißt. Ein paar Jahrzehnte auf jeden Fall.
Der Titelgewinn 1998 kommt zu einer untypischen Zeit: Gerade in Frankreich sind die Neunziger eine Zeit des Niedergangs, eine Epoche der lähmenden Krise. Nach Fukuyamas »Ende der Geschichte« füllen Apokalypsen die Feuilletons: Der Kommunismus ist passé, die Revolution endgültig Historie, selbst die Literatur gilt als erledigt.
Das Land ist müde. Seit 1974 geht nichts mehr voran. Der Ölschock hat dem Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit – den trente glorieuses– ein Ende gesetzt, seither hat sich die Wirtschaft nicht mehr erholt. Die Arbeitslosenquote stagniert seither auf plusminus zehn Prozent.
Anfang der Achtziger versucht sich Frankreich an einer Alternative: Die Konservativen werden abgewählt, eine sozialistisch-kommunistische Regierung kommt an die Macht. Sie hat versprochen, das Diktat der Austeritätspolitik zu durchbrechen und – zumindest vorsichtig – das Wirtschaftssystem im Sinne der Arbeitnehmer umzubauen.
Der Beginn ist vielversprechend: Große Unternehmen werden verstaatlicht, der Mindestlohn heraufgesetzt, die Zinssätze abgesenkt. Es ist die Zeit des état de grâce, des Gnadenstaates. Die Ausgaben wachsen, man hofft auf eine baldige Erholung der Weltwirtschaft.
Hilfreich wäre ein generelles Konjunkturprogramm. Aber die anderen Länder beharren auf der bisherigen Linie der strikten Kostenkontrolle. Frankreich isoliert sich mit seinem Versuch, einen anderen Weg zu finden. Es reicht nicht, dass sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt stabilisiert und der Binnenmarkt anzieht. Durch die höheren Steuern tun sich einige französische Firmen schwer im Wettbewerb. Obendrein bleibt der Dollar stark: Staats- und Außenhandelsdefizit wachsen an. Also muss der Franc abgewertet werden, dreimal zwischen 1981 und 1983.
Gleichzeitig macht die Deindust­rialisierung, das Abwracken unren­tabler Industriezweige, ganze Gegenden nach und nach zu urbanen Wüsten. Im Nordosten und in Lothringen vor allem hat sie tote Städte hinterlassen.
Das Experiment scheitert endgültig, als die Finanzmärkte beginnen, gegen den Franc zu wetten. Die Währung droht endgültig zusammenzubrechen und die exportorientierte Industrie mit sich zu ziehen. Frankreich bleibt nur die Wahl zwischen kompletter Abschottung und einer Rückkehr zum Liberalismus.
Die Sozialisten optieren für Letzteres, die Kommunisten folgen halbherzig. Bald danach schon verlassen sie die Regierung und versinken in der Bedeutungslosigkeit. Es ist das Ende der Hoffnung, dass ein anderes Frankreich möglich ist. Von jetzt an wird es kein fortschrittliches politisches Projekt mehr geben. Stattdessen nähern sich die Parteien der Mitte aneinander an.
Die französische Republik ist etwas anders arrangiert als die deutsche; hier ist der Präsident mit weitreichenden Befugnissen ausgestattet. Er wird außerdem für sieben Jahre direkt vom Volk gewählt, weswegen Phasen der sogenannten Kohabitation entstehen, heißt: Der Präsident kommt aus einem politischen Lager, die ­Regierung (bzw. die Parlamentsmehrheit) aus dem anderen.
Genau das geschieht 1986: Jacques Chirac, Kandidat der Rechten, gewinnt die Parlamentswahlen. Er wird vom sozialistischen Präsident ­Mitterrand zum Premierminister bestellt, es ist die erste Kohabitation seit 1958. Es ist auch der erste große Erfolg des Front National: Er holt fast zehn Prozent der Stimmen und zieht mit 35 Abgeordneten ins Parlament ein.
In der Welt des Sports ist Frankreich lange Zeit der sympathische Verlierer. Französische Sportler schlagen sich achtbar, scheitern aber meistens am schnöden Zwang zum Ergebnis. Es ist das Land des verspielten Sports, in Deutschland sagt man: Der Biss fehlt. Es gibt kein Pendant zu Lothar Matthäus.
Erst in den Neunzigern entdeckt der französische Sport seinen Siegeswillen. Dreimal olympisches Gold für Marie-Jo Pérec, zweimal holt man den Daviscup, Gold und Bronze bei den Handballweltmeisterschaften, drei Mal Gold für die Rugbynationalmannschaft beim Six Nations.
Es ist der Fußball, bisher ein Sport unter vielen, der der gebeutelten ­Nation ihren größten Triumph beschert: Olympique Marseille gewinnt 1993 den Europapokal der Landesmeister. Drei Wochen lang läuft auf den drei Fernsehsendern nichts an­deres als das entscheidende Kopfballtor von Basile Boli, in den immer gleichen drei Einstellungen, bis es sich in die Gehirne aller »compatriotes« eingebrannt hat.
Was ist Frankreich? Das ist es. Dieses Tor, dieser Jubel. Dieser Konfettiregen.
Bernard Tapie, Präsident von OM, wird später wegen Schiedsrichter­bestechung belangt und zu zwei Jahren Haft verurteilt. Das war 1996: eine Fußnote, die der Weltmeistertitel zwei Jahre später locker überstrahlt.
Bernard Tapie ist der Prototyp des erfolgreichen Geschäftmanns, den der Cäsarenwahn befällt. Er ist auch Sinnbild für die Jahre Mitterrands. Wären alle Verstrickungen der Neunziger zwischen Fußball, Wirtschaft und Politik ein Spinnennetz, Tapie säße in der Mitte.
Bernard Tapie wird 1943 geboren und wächst in Le Bourget auf, einem Vorort von Paris. Er ist der Sohn ­eines Schlossers und einer Krankenpflegerin. Seine berufliche Karriere beginnt er als Sänger und Formel-3-Fahrer, ein Unfall zwingt ihn dazu, sich umzuorientieren. Er eröffnet ein Fernsehgeschäft, das er nach einigen Jahren mit Gewinn verkauft.
Das Geld gefällt ihm; er wird Unternehmer. Er vertreibt unter anderem Notrufbeeper für Herzkranke. Ein Kunde kommt zu Tode, vermutlich auch, weil der Bereitschaftsdienst keinen Mediziner schickt, sondern ­einen ehemaligen Lieferwagenfahrer. Die Ärztekammer geht gerichtlich gegen Tapie vor: Er wird zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt. Ab 1977 spezialisiert er sich auf den Aufkauf insolventer Unternehmen, die er nach einigen Jahren weiterveräußert. Die Renditen sind teilweise sagenhaft: 1984 erwirbt er den Batterienher­steller Wonder für einen symbolischen Franc und verkauft ihn vier ­Jahre später für 400 Millionen Franc weiter. Der größte Coup, aber kein Einzelfall: Bald, sehr bald schon ist Tapie ein reicher Mann.
Er ist nicht nur reich, er ist auch eitel: Bernard Tapie zeigt sich gern in der Öffentlichkeit. Und die Öffentlichkeit liebt ihn. Er wird regelmäßig Gast in diversen Lifestyle-Shows, 1984 wählt ihn das Publikum zu Frankreichs »Mann des Jahres«. Zwei Jahre später realisiert er die Doku­soap »Ambitions«, in der er einem jungen Kandidaten hilft, ein Unternehmen aufzubauen.
Seine Leidenschaft aber gilt dem Sport. 1984 übernimmt er ein Radfahrteam, das dreimal die Tour de France gewinnt, und kauft für einen symbolischen Franc Olympique Marseille, das unter seiner Präsidentschaft von 1989 bis 1993 durchgängig französischer Meister wird, 1989 den französischen Pokal und 1993 – die Krönung – die Champions League gewinnt.
Bereits 1990 hat Tapie Adidas gekauft. Es ist »das Geschäft seines Lebens«, wie er sagt. Der Satz wird ihn später noch einholen. Er verordnet ein komplettes Redesign (seither trägt Adidas drei Streifen im Logo) und lagert einen Großteil der Produktion nach Asien aus. Ab 1993 ist die Firma wieder rentabel und ­Tapie verkauft sie an seine Bank, den staatlichen Crédit Lyonnais.
Parallel dazu verfolgt Bernard Tapie eine steile politische Karriere. ­Bereits 1977 versucht er, als Kandidat der Gaullisten für einen Marseiller Wahlkreis nominiert zu werden, aber die Basis lehnt ab. Er lernt dann Präsident Mitterrand kennen und kandidiert 1989 – nun für die Sozialisten – in einem streng rechten Wahlkreis, der als uneinnehmbar gilt. Zur allgemeinen Überraschung wird er mit 50,9 Prozent der Stimmen zum Abgeordneten gewählt.
Tapie macht schon früh den Kampf gegen den Front National zu seinem Anliegen. Während die etablierten Politiker den Front National am liebsten ignorieren würden, scheut er die Konfrontation nicht. Le Pen könne man verurteilen, so die allgemeine Haltung, aber nicht seine Wähler, die aus Protest, Verzweiflung, Angst und mangelnder Aufmerksamkeit von ihren Gefühlen fehlgeleitet seien. Tapie hingegen sagt es deutlich: »Wenn Le Pen ein Drecksack ist, sind es seine Wähler auch.« Er begibt sich auf FN-Versammlungen. Als man ihn aufs Podium holt, fordert er in seiner Rede die Anwesenden auf, sich bei der nächsten Morgentoilette vollzukotzen.
Es ist keine rein humanistische Haltung: Tapie versteht es vorzüglich, Engagement mit Eigennutz zu verbinden. 1989 findet sich kein profilierter Politiker, um gegen Jean-Marie Le Pen in einer Fernsehdebatte anzu­treten. Tapie bietet sich an, der Sender ist begeistert, man hofft auf hohe Einschaltquoten. Es wird eine Beschimpfungsparade, die beiden plustern sich voreinander auf, einmal drohen sie einander Schläge an; eine Schulhofrauferei, zu der es nicht kommt. Am Ende legt der Moderator jedem ein Paar Boxhandschuhe auf den Tisch. Heute wirkt es albern, wie aus einer Neunziger-Talkshow, Hau den Lukas meets Anne Will. Aber es war bitterer Ernst; die im Hintergrund immer wieder eingeblendeten, konzentrierten, nachdenklichen ­Gesichter des Publikums beweisen es.
Tapie hat es nicht geschadet. 1992, endlich, wird er Minister für die ­Belange der Städte. Er will sich vor allem um die Probleme in den Banlieues kümmern.
Le Pen hat es auch nicht geschadet; Le Pen kann gar nicht verlieren, weil er nicht gewinnen will.
Bis in die Neunziger sind Einwanderer kaum sichtbar in der Öffentlichkeit. Sie spielen die Rolle der Lakaien, die nach getaner Arbeit getrost wieder nach Hause verabschiedet werden können. Ein breites ­Interesse erfahren sie nur, wenn in einer Banlieue die Autos brennen. Es ist der Sport, der sie während der Neunziger in den Fokus rückt; plötzlich dominieren Mitglieder der ersten und zweiten Generation ihre Disziplinen. Marie-Jo Pérec stammt, wie die Fechterin Laura ­Fessel, aus Guadeloupe. Basile Boli, Schütze des Siegtores 1993, ist in der Elfenbeinküste geboren. Die Eltern des in Frankreich sehr populären Judokas Djamel Bouras stammen aus ­Alge­rien, Surya Bonalys (Eiskunst­läuferin) biologische Eltern von La Réunion.
Die Ära des Erfolgs kommt nicht zufällig. Freilich, Leistungssport ist sich selbst nie genug, seine Organisation folgt einer Ideologie. Schon zu Beginn des neuzeitlichen Sports, im England der dreißiger Jahre des 19. Jahrhundert, legen die Gründungsväter Wert darauf, dass durch ihn moralische Ideale vermittelt würden. Diese Ideale – wie beispielsweise das fair play– sind vage genug, um anschlussfähig an ganz unterschiedliche politische Strömungen zu ­bleiben, sie schwingen im Hintergrund immer mit, ohne offen ausgesprochen werden zu müssen. In Frankreich haben bereits in den Sechzigern Kommunisten und Gaullisten in seltener Einigkeit daraus eine politische Doktrin gemacht: der Sport als gesellschaftlicher Zement, als Mittel der Erziehung.
Diese Idee bekommt in den Achtzigern unter dem Eindruck der Aufstände in den Banlieues eine neue Dimension. Fortan konzentriert man sich auf junge Männer mit Migrationshintergrund, die »Problembevölkerungsgruppe« par excellence, um sie durch den Sport zu integrieren. Umgesetzt wird das Programm vor Ort von Sozialarbeitern, Erziehern und Polizisten – es geht, ganz im Sinne der englischen Gründungsväter, um eine Befriedung der Sitten.
Der Titel 1998 scheint allen den Erfolg dieses Weges zu beweisen. Die Republik gibt sich neue Farben: nicht »bleu, blanc, rouge«, sondern »black, blanc, beur« soll das neue Frankreich sein. Jacques Chirac spricht von einer »France tricolore et multi­colore«, Zidane gilt Fernsehumfragen zufolge als beliebtester Franzose. In vielen Leitartikeln steht, diese Mannschaft habe mehr für die Integration getan, als es die Politik in Jahren hinbekommen habe. Plötzlich ist sie im Zentrum einer französischen multikulturellen Erzählung, ein Symbol schlechthin für das gelingende Zusammenleben einer fragmentierten Gesellschaft.
Die französische Gesellschaft aber tut sich schwer damit, ihre eigene Vielfalt anzuerkennen. Der Philosoph Charles Taylor hat den Multikul­turalismus als postkoloniale Theorie entworfen: Die Berechtigung geschützter kultureller Räume leitet sich vor allem aus der Vergangenheit westlich-christlicher Gesellschaften ab, die in Zeiten der Expansion ihre Herrschaft allen anderen Kulturen aufzwangen. Gerade deswegen bräuchten jene Kulturen nun Schutz und gleichwertige Anerkennung. Weil sich eine Identität nur in einem sozialen Raum konstruiert, muss dieser Raum geschützt werden vor den Übergriffen der Mehrheits­kultur: Es gibt also ein Recht auf Differenz. Deswegen gibt es für ­Taylor kein neutrales Feld, »auf dem alle Kulturen einander treffen und miteinander koexistieren können«.
Während Chirac und andere Regierungsvertreter ihrer Hoffnung Ausdruck verleihen, der Sport könne immerhin symbolisch diesen Part ­übernehmen, folgt ihnen bereits jetzt ein Teil der Bevölkerung nicht. Im Jahr 2000 fragt die französische Menschenrechtskommission, ob es zu viele Spieler ausländischer ­Herkunft in der französischen Nationalmannschaft gäbe. 36 Prozent der befragten Personen meinen: Ja. Kurz darauf wird die wohl beste französische Mannschaft aller Zeiten die EM in Belgien und den Niederlanden gewinnen, das wohl beste Turnier der Moderne.
Zwölf Jahre später wird die Nationalmannschaft dann für den Zusammenbruch dieser Gesellschaft stehen.

Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Verlags.
Frédéric Valin: Zidane schweigt. Die Équipe Tricolore, der Aufstieg des Front National und die Spaltung der französischen Gesellschaft. Verbrecher-Verlag, Berlin 2016, 63 Seiten, E-Book, 2,99 Euro