Das Medium - Die beste Autobiographie, die je über eine Band geschrieben wurde, wird verfilmt

Buch vs. Leinwand

Kolumne Von

Es gibt Grund, sich zu freuen – oder, falls man eher pessimistisch veranlagt ist, sich vor einer großen Enttäuschung zu fürchten: »Dirt«, die beste Autobiographie, die je über eine Band geschrieben wurde, wird verfilmt. Das kann theoretisch außerordentlich schiefgehen, denn die Geschichten, die die Mitglieder von Mötley Crüe im Buch erzählt haben, müssen unbedingt kongenial ins Bild gesetzt werden. Und vor allem dürfen sie keinesfalls verkitscht, geschönt oder entdooft werden, denn noch nie zuvor haben Musiker so offenherzig davon erzählt, wie großkotzig, tumb, fröhlich, naiv, arrogant und enervierend sie mit Ruhm und Reichtum umgingen.

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Ob sie sich in Japan mit der Yakuza anlegten – ohne zu wissen, was das ist, natürlich – ob das Management eine Europa-Tour verbot, weil es Angst hatte, dass einige der Bandmitglieder »in Leichensäcken« zurückkehren würden, oder ob Vince Neil den Drummer der Hanoi Rocks, Razzle Dingley, im Suff totfuhr, immer berichten sie in »Dirt« nach allem, was man weiß, sehr ehrlich über die eigenen Fehler, Probleme und die Vorwürfe, die sie sich später machten. Eigentlich sollte das Buch schon 2003, also zwei Jahre nach dem Erscheinen, von Paramount verfilmt werden, aber irgendwie klappte das dann doch nicht. Bis jetzt: Netflix hat die Rechte gekauft und drei nicht weiter durch besonders großartige Filme aufgefallene Drehbuchautoren verpflichtet. Das kann gut sein, denn nun geben die sich wenigstens Mühe, oder schlecht, und dann wird das Ganze eine leidlich lustige Comedy-Produktion, genauso, wie der Einkauf von Jeff Tremaine als Regisseur gut (er produzierte und führte Regie bei den »Jackass«-Filmen) oder schlecht (er produzierte und führte Regie bei den »Jackass«-Filmen) sein kann. Bis das gerade gedrehte Werk fertig ist, kann es jedenfalls nicht schaden, das Buch zu lesen.