Das Medium - Über Facebook-User, die gerne Internetexperten wären

Folgenlose Schnappatmung

Kaum passiert irgendwo auf der Welt etwas, auf das mit etwas gutem Willen Etikette wie »Netzpolitik« oder »Datenschutz« geklebt werden könnten, schlägt ihre große Stunde: In ausführlichen persönlichen Erklärungen beleuchten diejenigen Facebook-User das Thema, die furchtbar gern richtig echte Internetexperten wären, und hoffen, dass vielleicht irgendeine Redaktion ihre hochwichtigen Anmerkungen liest und als Leitartikel einkauft. Meistens passiert genau das aber nicht, wovon sich diese Leute aber nicht entmutigen lassen, sondern lieber versuchen, beim nächsten Mal noch schneller rund 5 000 Zeichen zu posten, weswegen sie es zwar nicht schaffen können, sich vorher wenigstens die Fakten anzueignen, aber egal, Hauptsache Erster. Während sogenannter Facebook-Skandale bekommen die Möchtegern-Experten übrigens harte Konkurrenz.

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Dann nämlich müssen diejenigen hin und her und rauf und runter lamentieren, die nun vielleicht ihren Account löschen wollen, weil so furchtbares Schindluder mit ihren Daten getrieben werde. Das sind übrigens genau die Leute, die in skandalfreien Zeiten fröhlich Spiele und Persönlichkeitstests anklicken, deren Hauptzweck Datensammeln ist – und wo meistens ziemlich eindeutig und auf den ersten Blick erkennbar angegeben ist, dass man mit dem Zustimmungsklicks nicht nur die eigenen, sondern auch die Daten aller Freunde und die der eigenen ungeborenen Kinder und die vom Nachbarn auch, mindestens, für alle Zeiten dem Anbieter schenkt. Das sind dieselben Leute, die genauso fröhlich jede Freundschaftsanfrage selbst noch des eindeutigsten Datensammel-Bots oder Nazis annehmen. Bleiben werden sie übrigens alle, natürlich, denn was sollen sie auch sonst machen? Frühstücksfotos-Diaabende?