Das Medium - So scheußlich können Sommerkleider sein

Die gelbe Scheußlichkeit

Kolumne Von

Was genau sich der Erfinder des gelben Dings gedacht hatte – man weiß es nicht. Vermutlich nicht viel, schon allein deswegen, weil es nicht nur von abgrundtiefer Scheußlichkeit, sondern auch noch von nahezu atemberaubender Unkreativität ist. Die Rede ist von einem Stück Sommermode, das derzeit für 29,99 Euro (vom deutschen Beharren auf unrunden Summen wird demnächst noch die Rede sein) in Bekleidungsgeschäften angeboten und – so steht zu befürchten – auch gekauft wird. Das gelbe Ding ist nämlich ein Kleid, wofür nur spricht, dass es als ein solches angeboten wird. In Wirklichkeit ist es natürlich neben scheußlich eigentlich nichts weiter, und schon gar nicht ist es von einem großartigen künftigen Modeschöpfer-Star ersonnen worden, sondern bloß von jemandem, der irgendwasneunundneunzig dafür bekommen hat, halt ein Dings zu entwerfen. Und dieses Dings ist neben gelb auch noch befremdlich geschnitten, nämlich sackartig. In Sackartiges verpackt zu sein, ist natürlich völlig in Ordnung, wenn man zufällig eine Kartoffel oder eine Postwurfsendung ist, aber Menschen gehören nicht in Säcke. Und schon gar nicht in einen Sack mit Puffärmeln dran, der noch dazu eine Schnur dort hat, wo die Taille ist, was zu den allerdusseligsten Modeideen gehört, denn entweder ist ein Kleid tailliert oder ein Sack, aber niemals, niemals, wirklich niemals möchte man doch so ein Dings überziehen, dessen Passform davon abhängt, wie gut man darin ist, eine Kordel zu einer Schleife zu verarbeiten – und das auch noch, während die eigenen Arme in Puffärmeln, Puffärmeln! – also dem nach der Ballonmütze und den Schulterpolstern Unkleidsamsten stecken, das Menschenhirne je ersonnen haben. Womit wir zum Sommer kommen: kein Wunder, dass er angesichts solcher Kleider schon wieder aufgehört hat, na schönen Dank auch.

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