Kritische Astrologie - Das Horoskop von Andreas Gabalier

Ein Wischiwaschi-Skorpion

Kolumne Von

Wie ist astrologische Erkenntnis a priori möglich? Wo sind die Grenzen der Grenzwissenschaften? Bei dem Reichsklampfenbeauftragen Andreas Gabalier, der eben für sein nichtswürdiges Gelalle mit dem Karl-Valentin-Preis der Faschingsgesellschaft Narhalla gedemütigt wurde, liegt ein auch wissenschaftlich de­likater Fall vor. Der gebürtige Skorpion, geborene Kärntner und eingetragene Steirer wurde nämlich fahrend (!) geboren, wissenschaftlich also in motu beziehungsweise molto vivace: in einem Auto auf der B317, Höhe Friesach, wenn man der Marketinglegende glauben schenken darf, und schon damals machten die Laute, die er von sich gab, nur wenigen Leuten Freude. Was aber bedeutet dieser ungewöhnlich bewegliche Feier- bzw. Geburtstag, sind aus ihm Charaktereigenschaften ableitbar?

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Als in antiker Vorzeit entstandene Wissenschaft ist die Astrologie natürlich schlecht vorbereitet auf den Fall der Geburt in Fahrzeugen, die schneller sind als ein Eselkarren. Dennoch lässt sich unschwer vermuten, dass ein Claudius Ptolemäus keinen Gefallen an derart hektischen Gebärumständen gehabt hätte: Alle Aspekte werden verwischt, alle Oppositionen nur mit Aquarellfarben gemalt, bis schließlich aus dem wohlgeordneten Tierkreis ein rechter Saustall wird, den keiner mehr zu deuten weiß. Aber bewahrheitet sich nicht auch hierin die astrologische Methode? Ist Gabalier, recht bedacht, denn nicht auch ein waschechter Wischiwaschi-Skorpion? Ein Möchtegerndraufgänger, der ins Weichspülerfach geraten ist? Der wahnsinnig gerne von Eisernen und hakeligen Kreuzen, vom Ausmerzen der Gender-Seuche durch brave Manderl und Weiberl singen täte, aber sich dann im allerletzten Moment doch nicht traut? Und es bei schwiemeligen Andeutungen belässt? So triumphiert die astrologische Wissenschaft selbst dann noch, wenn sie versagt.